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Blumberg Schulleiter wollen die große Lösung

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Die Realschule ist vor rund zehn Jahren saniert worden. Sie soll für den geplanten Schulcampus aus Real-, Werkreal-, Grund- und Förderschule umstrukturiert werden. Fotos: Niederberger Foto: Schwarzwälder Bote

Ist groß gleich gut, klein gleich schlecht und mittel gleich durchwachsen? Die Frage bezieht sich auf die Raumkonzeption des in der Planung befindlichen Blumberger Schulcampus. Zur Antwort aufgefordert sind die Gemeinderäte.

Blumberg (hon). Bei ihrer nächsten Sitzung am Donnerstag entscheiden sie über das Raumprogramm.

Wenn’s nach der Meinung der Schulleiterrunde geht, steht fest, dass sich die Fraktionen für die große Variante entscheiden müssen – denn die sei die beste für die Schüler. Sie ist aber auch die kostspieligste.

Als die heutige Elterngeneration selbst die Schulbank drückte, funktionierte der Unterricht noch ganz anders: Reformpädagogische Ansätze steckten in den Kinderschuhen, der Frontalunterricht vor bis zu 40 Schülern war das Maß der Dinge: Der Lehrer versuchte, den Lernstoff an alle Schüler gleichzeitig und effektiv zu vermitteln. Dabei steuerte und kontrollierte er mit Fragen den Lernprozess. Wichtigstes Lerninstrument war dabei die Tafel, später kam der Overheadprojektor dazu. Fachräume gab es lediglich für Biologie und Chemie und ein Sprachlabor mit Einzelkabinen galt damals als hochmodern. Doch die Pädagogik hat in den vergangenen Jahrzehnten einen "Paradigmenwechsel" vollzogen, wie die Schulleiterrunde in ihrer Stellungnahme zur Sitzungsvorlage ausführt. Dem müsse auch das Raumprogramm Rechnung tragen. Sprich: Klassenzimmer müssen unterschiedliche Lernformen erlauben: allein, zu zweit, in Kleingruppen oder mit der ganzen Klasse. Gleichzeitig soll das Klassenzimmer ein Lernort sein, der "alle Sinne anspricht und allen Sinnen gerecht wird". Auch für die Lehrer gelte es, angemessene Arbeitsplätze bereitzuhalten, die den Anforderungen moderner Teamarbeit gerecht werden.

Ein ganz normales Klassenzimmer soll im neuen Schulcampus aus einem Unterrichts- und einem Funktionsraum bestehen. Letzterer muss laut den Schulleitern mindestens 25 Quadratmeter groß sein und dient den Schülern dazu, sich zurückzuziehen oder sich selbst etwas beizubringen. Dort sollen auch Materialien gelagert werden, hier stehen die Bücherregale und "Recherchestationen". Ganz wichtig sind den Schulleitern leichte und mobile Einzeltische, die sich zu unterschiedlichen Formationen kombinieren lassen – um möglichst viele verschiedene Unterrichtsformen anwenden zu können. Zum Standard dieser Klassenzimmer sollen auch interaktive Displays gehören. Dabei handelt es sich um Geräte, die es den Benutzern ermöglichen, dynamische visuelle Präsentationen zu erstellen und Daten auf den Bildschirmen über digitale Touchscreen-Interaktionen zu steuern.

Spezielle Fachräume soll es für die Fächer Physik, Biologie und Chemie geben. Geplant ist, dass sie eine einheitliche naturwissenschaftliche Ausstattung erhalten, die Experimente ermöglichen. Und zwar für alle Schularten. Das soll die gewünschte maximale Auslastung zur Folge haben. Weitere Fachräume sind für Technik und Werken vorgesehen, für Musik, elektronische Datenverarbeitung und Hauswirtschaft (mit Waschraum).

Laila Siebel (Grund- und Werkrealschule Eichberg), Sven Dorn (Realschule) und Timo Link (Weiherdammförderschule) empfehlen den Gemeinderäten, sich für die große Variante auszusprechen, weil diese aus Sicht der Schüler und der Lehrer die beste sei. Bei der mittleren Variante sei "ein Schulbetrieb nur mit pädagogischen sowie qualitativen Einbußen möglich". Die kleine Variante halten sie für nicht umsetzbar, denn deren Realisierung hätte "dramatische" Unterrichtseinschränkungen zur Folge.

Allerdings: Die Schulleiter und die kommissarische Schulleiterin haben sich auf sanften Druck von Bürgermeister Markus Keller dazu durchringen können, an ihrem ursprünglich favorisierten Raumprogramm den Rotstift anzusetzen. Grund: Bedingt durch die Corona-Krise wird die Stadt in diesem Jahr weniger Steuergelder als im Haushaltsplan verankert einnehmen und auch die Zuweisungen von Bund und Land werden geringer ausfallen. Aufgrund dieser neuen Finanzlage können sich Siebel, Dorn und Link schweren Herzens vorstellen, einen Musikraum zu verkleinern, einen HTW- und einen BK-Raum zusammenzulegen sowie auf einen Berufseinstiegsbegleitraum und einen Multifunktionsraum Grundschule Werken zu verzichten. So lassen sich 184 Quadratmeter Fläche sparen. Die Sitzungsvorlage schweigt sich darüber aus, wie sich die Raumreduzierung auf die Kosten auswirkt.

Bei der Baukonzeption in der großen Variante beträgt die Programmfläche 4166 Quadratmeter, die Kosten liegen laut Berechnung eines Architekturbüros bei 11,03 Millionen Euro. Die mittlere Variante kommt bei 3942 Quadratmetern auf Kosten von 10,64 Millionen Euro und die kleine bei 3820 Quadratmetern auf Kosten von 10,16 Millionen Euro.

Damit ist die kleine Variante um rund 868 000 Euro günstiger als die große. Für den Schulcampus wird die vor rund zehn Jahren modernisierte Realschule umstrukturiert, die Eichberg-Grundschule saniert und ein Neubau (für Grundschule, Mensa, Förderschule und Ganztagsbetreuung) erstellt.

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