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Blumberg Saisonstart verschiebt sich wohl

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Eine Fahrt mit der Sauschwänzlebahn ist immer auch eine Zeitreise. Christian Brinkmann, Chef der Bahnbetriebe Blumberg, glaubt nicht an einen Saisonstart am 1. Mai. Und falls doch, dann sei man bereit dafür. Foto: Archiv Foto: Schwarzwälder Bote

Am Stadteingang von Blumberg kündigt ein großes Banner den Saisonstart der Sauschwänzlebahn für den 1. Mai an. Doch damit wird es wohl nichts werden.

Blumberg (hon). Christian Brinkmann, Chef der Bahnbetriebe Blumberg, geht davon aus, dass die historischen Loks dann noch nicht unter Dampf stehen und zwischen Blumberg-Zollhaus und Stühlingen-Weizen pendeln werden. Laut einer jetzt vier Tage alten Anordnung des Landes Baden-Württemberg müssen touristische Einrichtungen zwar nur bis zum 19. April (Ende der Osterferien) geschlossen bleiben, um so die weitere Ausbreitung des Corona-Virus zu verlangsamen. Allerdings: Brinkmann glaubt, dass diese Frist verlängert wird. Und wenn nicht? "Wir sind in Lauerstellung und können jederzeit loslegen."

Dem normalen Eisenbahnverkehr sind im Augenblick noch keine Beschränkungen auferlegt worden, doch die Museumsbahn ist eben auch eine touristische Einrichtung. Die Menschen, die eine Fahrt auf der spektakulären Route mit ihren vielen Viadukten und Tunnels buchen, gehören zu einem großen Teil der Generation 60 plus an – und Ältere gelten als besonders Covid-19 gefährdet. Brinkmann und sein Team haben deshalb vollstes Verständnis, dass die Züge wohl zunächst im Lokschuppen bleiben müssen.

Dabei zeichnete sich bis vor einigen Wochen noch ein sehr positiver Saisonverlauf ab. Brinkmann berichtet von einer sehr guten "Vorbuchungssituation", seit rund zweieinhalb Wochen häuften sich aber die Stornierungen. "Wir versuchen natürlich alles und bieten unseren Kunden einen späteren Termin im Jahr an", berichtet Brinkmann. Der Kundenverkehr am Zollhauser Bahnhof ist eingestellt, telefonische Anmeldungen sind aber nach wie vor möglich, die Büros sind (noch) besetzt.

Die Museumsbahn finanziert sich zu einem hohen Prozentsatz aus den Ticket-Erlösen. Eine gewisse Zeit könne man ohne den Fahrkarten-verkauf überbrücken, doch wenn die ganze Saison ausfiele, würde das eine "Katastrophe" für die Bahnbetriebe bedeuten, so Brinkmann. Denn die Sommerferien und der Herbst mit seinen vielen per Bus anreisenden Touristen seien besonders umsatzstark. Die Saison dürfe wegen der vielen Zahlungsverpflichtungen auf keinen Fall ganz ins Wasser fallen. "Bremsspuren" aufgrund der Corona-Krise werde man in der Jahresbilanz 2020 mit ziemlicher Sicherheit finden. Möglicherweise könne man im Sommer und im Herbst den Fahrplan aufstocken, um so das Minus in Grenzen zu halten. In einem normalen Jahr begeben sich zwischen 95 000 und 100 000 Fahrgäste mit der Museumsbahn auf spannende Zeitreise. Im vergangenen Jahr hieß es noch, dass die städtischen Bahnbetriebe Blumberg rund sieben Jahre nach ihrer Gründung in wirtschaftlich bessere Gefilde kämen. Für das Jahr 2020 wurde mit einem Minus von nur noch 2900 Euro geplant, im Jahr 2018 lag das Minus noch bei 39 000 Euro. Die Corona-Krise hat die 2020er-Prognose obsolet gemacht.

Die Sauschwänzlebahn wurde über den Winter wieder fit für die neue Saison gemacht. Da wurden Schwellen gewechselt, eine Stützwand saniert und einige Instandhaltungsmaßnahmen in den Tunnels standen ebenfalls auf der To-do-Liste. Außerdem wurde mit einem Zwei-Wege-Bagger der Boden neben den Gleisen gemulcht und Loks und Waggons gewartet.

Geschichtsstunde

Die Trasse der Sauschwänzlebahn wurde zwischen 1878 und 1890 im Auftrag des Deutschen Reiches zu rein militärischen Zwecken angelegt: Truppen und Kriegsmaterial sollten rasch von Württemberg und Bayern an die französische Grenze verlegt werden können. Denn nach dem preußisch-deutschen Krieg von 1870/71 und der Eroberung von Elsass-Lothringen war ein neuer Krieg mit Frankreich nur eine Frage der Zeit.

Und ein Nachschubtransport etwa von Ulm an die südbadische Grenze zum südlichen Elsass wäre über die Hochrheinstrecke nicht möglich gewesen, weil diese bei Schaffhausen und bei Basel durch neutrales Schweizer Staatsgebiet verläuft. Beim Bau der Badischen Hauptbahn von Mannheim nach Konstanz hatte man sich am Flusslauf orientiert. Als notwendige Ergänzung – um Basel zu umgehen – mussten außer der Wutachtalbahn auch ein Tunnel zwischen Wehr und Schopfheim und eine Verbindung zwischen Lörrach und Weil am Rhein gebaut werden.

Eine Vorgabe für die strategische Bahn war die Einrichtung von Bahnhöfen im Abstand von acht Kilometern, um die Überholung oder Begegnung von Militärzügen zu ermöglichen. Von den alten Bahnhöfen existieren nur noch Grimmelshofen und Fützen komplett mit Empfangsgebäude und Ausweichgleis. Seit der Stilllegung wurden viele Bahnhöfe zurückgebaut oder vollständig abgetragen.

Sie ist Deutschlands populärste Museumsbahn und macht die Faszination der nostalgischen Eisenbahn erfahrbar. Die Dampflokomotiven haben einiges zu tun, wenn es gilt, die 231 Höhenmeter der malerischen Strecke und 25 Kilometer langen Strecke zwischen Blumberg-Zollhaus und Stühlingen-Weizen zu überwinden. Die Bahn passiert auf ihrer Fahrt vier Viadukte und sechs Tunnels, darunter auch der Stockhalde-Kreiskehrtunnel mit seinen 360 Grad, damit die Bahn an Höhe gewinnt. Seit 1988 ist die Bahn in die Liste des Deutschen Nationalerbes eingetragen und seit 2014 als "historisches Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst in Deutschland" durch den Verband Deutscher Ingenieure ausgezeichnet.

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