Das letzte Bild von Nico, wenige Wochen vor dem Rottweiler-Angriff, steht auf der Tresen im "Scharfen Eck" (links). Der Arm und die Hand von Karl Ederle sind noch stark geschwollen, die Wunden verheilen sehr gut (rechts). Fotos: Stiller Foto: Schwarzwälder-Bote

Rottweiler greift kleinen Tibet-Terrier an / Halter erleidet beim Kampf Bissverletzungen / Polizei ermittelt

Von Achim Stiller

 

Kommingen. Ein achtjähriger Rottweiler-Rüde ist Auslöser dafür, dass etliche Komminger Bürger beunruhigt sind. Bei einer Beiß-Attacke am Freitag vergangener Woche verletzte er einen Tibet Terrier und sein Halter. Der Terrier musste eingeschläfert werden.

Der zwölfjährige Terrier Nico war im Dorf beliebt als liebenwertes Tier. Als er am vergangenen Freitag mit seinem Halter Karl Ederle nach einer Ausfahrt mit Spaziergang zurückkehrte und vom Auto zum Gasthaus "Zum scharfen Eck" laufen wollte, wo er lebte, schoss plötzlich von der Seite der ausgewachsene Rottweiler-Rüde auf ihn zu. Dramatische Szenen, von Zeugen beobachtet, folgten. Karl Ederle packte seinen Hund und hob ihn hoch, der Rottweiler sprang an dem Mann hoch und schnappte nach dem Tier. Als er den Terrier auf der Fensterbank absetzte und versuchte den Angreifer mit Fußtritten abzuwehren, sprang der Rottweiler an ihm vorbei und verbiss sich im Bauch von Nico, schilderte Karl Ederle.

Der Lebensgefährte der Wirtin des "Scharfen Ecks" ist ein kräftiger und mutiger Mann. Er warf sich auf das rund 50 Kilogramm schwere und gut 60 Zentimeter hohe Tier und versuchte seinen Hund zu befreien. Dabei, so der 54-Jährige, habe ihn der Rottweiler in Arm und Hand gebissen. Letztlich bekam er das Tier an der Gurgel zu fassen und drückte so lange zu, bis der Rottweiler von dem Terrier abließ. Nico flüchtete in die Gaststätte auf seinen angestammten Platz auf einer Bank im Eck, verletzt und verschüchtert, der Rottweiler suchend hinterher. Wirtin Constanze Stotz hatte während des Gemenges zunächst um Hilfe gerufen, dann eine Schüssel mit Wasser gefüllt, die sie dem wild umherrennenden Tier in der Gastwirtschaft über den Kopf goss. Das Wasser und das Schreien der Menschen brachten den Rottweiler schließlich dazu, zu flüchten.

Das Tier gehört einer Nachbarin, die es zusammen mit einer jüngeren Rottweiler-Hündin in einem Außengehege hält. Das ist durch ein kräftiges Stahlrohr/Maschendraht-Tor gesichert und ein innen liegendes Vorhängeschloss. Laufen Fußgänger dort vorbei, bellen die Hunde intensiv und springen am Gitter hoch. Dieses Schloss, so räumt die Frau ein, habe sie nicht zugedrückt, sondern nur eingehängt. Offenbar habe jemand Unbekanntes das Schloss ausgehängt und das Gittertor geöffnet, mutmaßte sie im Gespräch mit dem Schwarzwälder Boten.

Auch sie kannte und mochte Nico. Den Vorfall bedauert sie sehr. Ihr Rottweiler-Rüde habe Probleme mit anderen Rüden, bestätigt die Frau. Mit Menschen habe er jedoch keine. Auch bezweifelt sie, ob die Wunden, die Karl Ederle bei dem Kampf davongetragen hat, überhaupt von ihrem Rottweiler stammen und die Verletzungen von Nico tatsächlich so schlimm gewesen waren.

Nach dem Vorfall war zunächst Karl Ederle ärztlich behandelt worden. Die Bisswunden sind deutlich, zum Glück aber nicht schwerwiegend. Bei der Untersuchung von Nico, mit gut zwölf Jahren ein betagter Hundeherr, stellte die Tierärztin fest, dass er neben den Bissverletzungen, eine davon durch die Bauchdecke, zudem einen größeren Tumor im Bauchraum hatte. Um dem kleinen Terrier weiteres Leid zu ersparen, ließ Ederle seinen treuen Begleiter auf ärztlichen Rat hin einschläfern. "Vielleicht hätte der Tumor auch zum Tod von Nico geführt, doch bis dahin hätte er noch eine gute Zeit gehabt", sagt Ederle traurig.

Er erstattete Anzeige bei der Polizei und meldete den Vorfall dem städtischen Ordnungsamt. Nachfolgend wurde die Polizeihundeführerstaffel der Polizeidirektion Villingen-Schwenningen einbezogen. Die Ermittlungen dort leitet Polizeihauptmeister Hauger, ein erfahrener Hundeführer. Er bestätigte, dass die Halterin bei den Behörden durch frühere Vorfälle bekannt sei. Die Ermittlungen stünden zwar erst am Anfang, jedoch gebe es Hinweise darauf, dass es sich bei dem neuesten Vorfall um das gleiche Tier handeln könnte, das auch schon in vorangegangenen Fällen beteiligt gewesen war. Nach Informationen unserer Zeitung bestand für den Rottweiler-Rüden deshalb auch Maulkorbpflicht.

Wie Hauger bestätigte, werden in der nächsten Zeit erst einmal die Beteiligten vernommen. Es wird eine Strafanzeige gegen die Halterin wegen Körperverletzung durch Hundebiss geben. Welche Maßnahmen daraus folgen, liegt beim städtischen Ordnungsamt. Dessen neuer Leiter, Bernd Kühl, bestätigte, dass es auf jeden Fall ein Bußgeld wegen Verstoßes gegen Auflagen geben wird. Welche weiten Maßnahmen folgen, auch mit Blick auf die beunruhigte Komminger Bevölkerung, werde sorgsam geprüft.

Im Ortsteil machen sich etliche Bürger schon seit geraumer Zeit Sorgen hinsichtlich des Rottweilers, dessen Außengehege auch am Weg von Schulkindern zum Bus liegt. Sorgen, die der Halterin durchaus bekannt sind, wie sie bestätigte. Das sei auch der Grund, warum das Tier tagsüber im Zwinger gehalten werde und sie mit dem Rüden nur nachts rausgehe.

u Der Rottweiler ist eine von der Fédération Cynologique Internationale (FCI) anerkannte deutsche Hunderasse. In der Regel werden die Tiere um die 68 Zentimeter groß und rund 50 Kilogramm schwer.

Die FCI beschreibt den Charakter folgendermaßen: Von freundlicher und friedlicher Grundstimmung, kinderliebend, ist er sehr anhänglich, gehorsam, führig und arbeitsfreudig. Seine Erscheinung verrät Urwüchsigkeit; sein Verhalten ist selbstsicher, nervenfest und unerschrocken. Er reagiert mit hoher Aufmerksamkeit gegenüber seiner Umwelt. Durch einige Vorfälle - darunter auch die Tötung von Kleinkindern - hat der Rottweiler teilweise einen schlechten Ruf bekommen. Der Rottweiler ist ein großer und starker Hund, von dem vor allem bei falscher Haltung und Sozialisierung eine Gefährdung ausgehen kann. Er wird in einigen Ländern als "Listenhund" geführt, und seine Haltung unterliegt in einigen deutschen Ländern, darunter auch Baden Württemberg, bestimmten Einschränkungen. Einer Studie des Instituts für Tierschutz und Tierverhalten der Freien Universität Berlin nach, wird dem Rottweiler, hinter dem Deutschen Schäferhund, eine hohe Auffälligkeitsrate nachgewiesen.

Quelle: Wikipedia