Hat der Mobilfunkmast auf dem Feuerwehrgerätehaus etwas zu tun mit dem Bienensterben im Gebiet der Kernstadt? Foto: Archiv/Münch Quelle: Unbekannt

  Blumberg - Der Imkerverein ist sehr besorgt über große Bienenverluste. Ist der Funkmast auf dem Feuerwehrgerätehaus der Grund für den Rückgang der Bienenpopulation in Blumberg? Robert Pap geht davon aus

Blumberg - Der Imkerverein Blumberg ist sehr besorgt über große Bienenverluste. In der Generalversammlung am 13. März wurde über eine interne Aufklärung dieses Phänomens diskutiert.

Die Verluste wurden hauptsächlich in Blumberg festgestellt, in einem Umfeld von einem Kilometer zum Funkmast auf dem Feuerwehrgerätehaus. Die Kästen sind vielfach leer und die Bienen haben Futter und Brut zurückgelassen. Bisher gibt es für einen Zusammenhang zwar Vermutungen, jedoch keine Beweise. Ein neuer Standort für die Bienenkästen, weiter entfernt von der Strahlungsquelle, wäre eine Möglichkeit, einen Zusammenhang mit dem Funkmast festzustellen oder auszuschließen.

Bienen zu halten ist ein sehr arbeitsintensives Hobby, sagt der Vorsitzende des Blumberger Bienenzüchtervereins, Jürgen Mess. Einige Bienenzüchter, vor allem ältere, hätten angesichts ständiger Rückschläge bereits das Handtuch geworfen.

Nachdem in den USA vor etwa vier Jahren die Hälfte aller Bienen verloren gingen, wurden in einer Studie Erklärungsversuche gegeben, berichtet Mess. Der Organismus der Bienen bestehe aus Zellen, die über Wellen kommunizieren, heiße es darin. Träten stärkere Wellen auf, zum Beispiel die eines Funkmastes, würden die Bienen anfällig für Krankheiten. Eine Studie an einer deutschen Universität habe ergeben, dass sich Bienen am Magnetfeld der Erde orientieren, so Mess weiter.

Wellen stören Orientierung der Bienen

Ist das Magnetfeld durch Wellen gestört, fehlt demnach den Bienen die Orientierung und sie finden den Weg nicht mehr zurück. Besonders auffällig sei dies laut Studie bei den Winterbienen, deren Brut wird immer weniger. Im Sommer sei der Rückgang nicht so stark messbar, wohl deshalb, weil stärker neue Bienen nachkämen, heißt es weiter. Es werde vermutet, dass die Winterbienen durch ihre längere Lebensdauer und somit über einen längeren Zeitraum der Strahlung ausgesetzt seien.

Ist der Funkmast auf dem Feuerwehrgerätehaus also der Grund für den Rückgang der Bienenpopulation in Blumberg? Der Blumberger Robert Pap, der sich mit dem Thema Funkmast eingehend beschäftigt, geht davon aus. Er will sich mit Jürgen Mess in Verbindung setzen, um Gespräche zu führen und Erfahrungen auszutauschen. Nach Aussagen von nationalen und internationalen Studien seien alle Lebewesen von der Funkstrahlung betroffen, sagt er, Menschen, Tiere und Pflanzen.

Pap äußerte seine Bedenken gegen die Einrichtung des Mastes auch schon in Bürgerfragestunden bei Gemeinderatssitzungen. Seine Fragen seien aber nur unzureichend beantwortet und die Thematik als unbedenklich hingestellt worden, sagt er. Durch die Aufstellung eines Bauleitplans hätte die Anbringung des Funkmastes im Wohngebiet verhindert werden können. Da sich bis heute an der Situation nichts geändert hat, zeigt er sich sehr enttäuscht. Die Verantwortlichen der Politik würden das Thema verharmlosen. Er wünscht sich ein offenes Ohr für die gesundheitlichen Sorgen der Bevölkerung im direkten Wohngebiet.

Den Vorwurf von Pap möchte Bürgermeister Markus Keller so nicht im Raum stehen lassen. Die Fragen des Blumbergers aus der Bürgerfragestunde habe er so weit wie möglich beantwortet, offenbar aber nicht mit dem Ergebnis, dass Robert Pap gerne gehört hätte. Dass es im Bereich um den Funkmast ein Bienensterben gebe, habe er bislang nicht gewusst, sagte Keller und will deshalb umgehend Kontakt mit dem Bienenzüchter-Vorsitzenden Jürgen Mess aufnehmen. Eventuell könnte ja recht zügig ein kleinerer Versuch mit der Umsetzung von Bienenkästen gestartet werden. Keller möchte aber auch wissen, ob zudem andere Faktoren, etwa aus der Landwirtschaft oder durch periodische Abläufe die Gründe sein könnten.

Info

Bienen. Seit rund 60 Millionen Jahren gibt es Bienen auf der Erde. Ein Bienenvolk ist dreigeteilt, Königin, Drohnen und Arbeitsbienen. Alle Bienen haben eine bestimmte Arbeitseinteilung. Die Königin wird von den Drohnen befruchtet. Nachdem die Eier gelegt wurden, schlüpfen nach drei Tagen die Maden aus dem Ei. Nach weiteren fünf Tagen werden diese in der Wabe verdeckelt und verpuppt. Die Arbeitsbienen nehmen die Versorgung mit Futter auf. Die Bienen schlüpfen nach 21 Tagen. Die Bienen haben verschiedene Aufgaben. Sie putzen den Bienenstock, werden Ammenbienen und Flugbienen.

Eine Biene hat zwei Mägen, einen Futtermagen und einen speziellen Honigmagen. Die Sommerbiene hat eine Lebensdauer von fünf bis sechs Wochen, die Winterbiene von Herbst bis April/Mai. Nur 20 Prozent des in Deutschland benötigten Bedarfs an Honig wird hier hergestellt, der Rest wird importiert. Mit ausschlaggebend dafür ist eine anhaltende Veränderung der hiesigen Nahrungsgrundlage. Das reicht von der Intensivlandwirtschaft bis zu genveränderten Pflanzen. Große Blumenwiesen verschwinden immer mehr aus der Landschaft.

Kommentar

In Blumberg wurde ein Funkmast aufs Feuerwehrgerätehaus gesetzt, um den Mobilfunkempfang zu verbessern. Dies unter der vom Gemeinderat vorgegebenen Maßgabe, dass die Genehmigung neu zu bewerten sei, sollten sich Anzeichen für eine schädliche Auswirkung ergeben. Ist das Bienensterben im Umfeld des Funkmastes nunmehr ein solches Zeichen? Die Sache gehört geprüft und zwar gründlich.

Zwar sind Bienen weitaus empfindlicher als Menschen, sollten Funkstrahlen aber den Insekten-Organismus schädigen, können sie auch für Menschen nicht gesund sein.

Die drastischste Konsequenz daraus hat übrigens Albert Einstein beschrieben: "Wenn die Biene einmal von der Erde verschwindet, hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben. Keine Bienen mehr, keine Bestäubung mehr, keine Pflanzen mehr, keine Tiere mehr, kein Mensch mehr."

Von Achim Stiller

Von Bärbel Münch