Warum sehe ich diesen Hinweis?

Sie sehen diesen Hinweis, weil Sie einen Adblocker eingeschaltet haben oder im privaten Modus surfen. Deaktivieren Sie diesen bitte für schwarzwaelder-bote.de, um unsere Artikel ohne diesen Hinweis lesen zu können.

Mehr zum Thema Adblocker / Privater Modus und wie Sie diesen deaktivieren, finden Sie, indem Sie auf deaktivieren klicken.

Deaktivieren

Blumberg Fast alle Aufträge fallen aus

Von
Auch ein Projekt von Orange Production: Der FC Bayern München richtet in der Münchner Allianz-Arena jährlich eine Art Dankesveranstaltung für seine Fans aus. Mit im Boot ist das Unternehmen aus Riedböhringen, das für einen reibungslosen technischen Ablauf der Show sorgt. Foto: Schwarzwälder Bote

Wenn das Corona-Virus den Bundesligafußball nicht monatelang ausgebremst hätte, dann hätte der Riedböhringer Dirk Gosse mit seiner Firma Orange Production das technische Consulting für eine Veranstaltung übernommen, von der die Mitglieder des Blumberger FC-Bayern-Fanclubs Baarpower begeistert gewesen wären: die Meisterfeier des Rekordchampions.

Blumberg-Riedböhringen (hon). Damit ist nicht der Auftritt der Mannschaft samt Trainer und Betreuern auf dem Balkon des Münchner Rathauses gemeint, sondern die große Gala, zu der das Aushängeschild des deutschen Fußballs seine Sponsoren und Edelfans einlädt. Vier Mal haben Gosse und sein Team dieses Event schon begleitet, und auch dieses Jahr stand er mit Karlheinz Rummenigge, dem Vorstandsvorsitzenden der FC Bayern München AG, in Kontakt, um die Details der Feier zu besprechen. Doch sie wurde abgesagt.

Absage ist wohl das Wort, das Gosse in den vergangenen Monaten am häufigsten gehört hat. Seit Mitte März geht in der Veranstaltungsbranche so gut wie nichts mehr, bei Orange Production sei der Umsatz um 90 Prozent eingebrochen, sagt Gosse. Viele Kunden cancelten Firmenfeiern, Schulungen, Tagungen oder Messen. Wobei man bei den Absagen differenzieren müsse, denn seine Branche leide ganz besonders unter den behördlichen Absagen. Grund: Die werden als "höhere Gewalt" eingestuft. Mit der Folge, dass alles im Vorfeld investierte Geld futsch ist. Dabei kann es sich um bis zu sechsstellige Beträge handeln.

Gosses Mitarbeiter waren im März und April noch mit der Rückabwicklung von Aufträgen beschäftigt, seit Mai sind sie in der bis Jahresende beantragten Kurzarbeit. Wobei es den Festangestellten im Event-Bereich noch vergleichsweise gut geht. Gosse denkt an die vielen Solo-Selbstständigen, die in diesem Wirtschaftszweig ihr Geld verdienen: "Das sind alles hochspezialisierte Fachkräfte und nicht nur irgendwelche Kisten-Schieber."

Was Gosse in der Diskussion um die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise am meisten aufregt, ist der Umstand, dass Öffentlichkeit und Politik den Fokus auf die ganz großen Mega-Ereignisse wie Volksfeste, Fußballspiele oder internationale Messen legen. Doch in seiner Branche werde das Geld vor allem mit Firmenveranstaltungen wie Tagungen, Seminaren oder Produktpräsentationen gemacht. Teilweise kämen dabei nur eine Handvoll oder wenige Hundert Menschen zusammen. Abstandsregeln und Hygienevorschriften könnten bei solch einer überschaubaren Anzahl an Besuchern gut eingehalten werden, und auch die Rückverfolgung der Teilnehmer sei hier kein Problem. Gosses Forderung an die Politik: Veranstaltungen dürfen nicht alle über einen Kamm geschert werden, sie gehören differenziert betrachtet. Daran müssen sich dann die Auflagen orientieren, die schließlich in ein Konzept fließen.

An die von Bürgermeister Markus Keller angeordnete Ausgangssperre in Riedböhringen erinnert sich der Firmenchef nur ungern, weil die ihm womöglich einen großen Auftrag gekostet hat. Gosse war zu einer Präsentation bei einem großen Unternehmen eingeladen. Er wurde aber wieder ausgeladen, nachdem die Nachricht vom Corona-Hotspot Riedböhringen im ganzen Land die Runde gemacht hatte.

Und womit kann Gosses Firma in diesen Corona-Tagen noch Umsatz generieren? Mit virtuellen Veranstaltungen. So wie dem Verbandstag des Südbadischen Fußballverbands am Wochenende. Von 229 Delegierten stimmten 159 dafür, die Saison vorzeitig abzubrechen. Diese Veranstaltung kam auch dank des Know-hows von Orange Production zustande.

Dirk Gosse, 43, stammt aus Titisee-Neustadt und hat im elterlichen Betrieb Holzblasmusikinstrumentenmacher gelernt. Zum Berufsbild gehört eine Akustikausbildung – wovon Gosse bei Fragen der Tontechnik noch heute profitiert. Mitte der 90er-Jahre begann er, nebenberuflich mobile Discos zu organisieren. Nach ein paar Jahren heuerte er bei einer großen Firma für Veranstaltungstechnik an, bei der er vom Lichtoperator bis zum Betriebsleiter aufstieg. 2003 machte er sich mit Orange Production selbstständig. Erster Firmensitz war die eigene Wohnung, dann zog er in den Business-Park nach Behla um. Seit 2011 residiert Gosses Unternehmen im Riedböhringer Gewerbegebiet. Gosse ist mit einer Riedböhringerin verheiratet, das Paar hat einen zehnjährigen Sohn. Orange Production hat sieben feste Mitarbeiter, hinzu kommen ein Netzwerk aus vielen Selbstständigen und einige 450-Euro-Kräfte. Zu den Kunden zählen neben dem FC Bayern so renommierte Unternehmen wie Mercedes, BMW, Mahle, Birkenstock, Voith oder Würth. Auch der Deutsche Fußball Bund vertraut auf das Know-how von Orange Production. Die Firma ist ein Ausbildungsbetrieb (Veranstaltungskaufmann). "Wir planen alles, was in eine Location rein kann", sagt Dirk Gosse. Damit meint er Ton, Licht, Videotechnik, Bühnen- und Setbau.

Fotostrecke
Artikel bewerten
0
loading

Ihre Redaktion vor Ort Blumberg

Cornelia Spitz

Fax: 07721 9187-60

Flirts & Singles

 
 

Top 5

0

Kommentare

Artikel kommentieren

Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.