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Blumberg Die Blumberger Geschichte

Von
Der in Nordhalden geborene Heimatmaler Bernhard Schneider schuf in den 30er Jahren des vorigen Jahrhunderts diese Darstellung der Burg, des Dorfes und der Stadt Blumberg. Repro: Prillwitz Foto: Redaktion Blumberg

Blumberg - Beim Festakt zur 750-Jahr-Feier der Stadt Blumberg hielt Kreisarchivar Joachim Sturmeine beeindruckende Laudatio. Seine Blicke in die Blumberger Geschichte aus ganz verschiedenen Blickwinkeln faszinierte die Zuhörer. Vielfach wurde danach der Wunsch geäußert, den Sturmvortrag nochmals nachlesen zu können. Dem kommen wir jetzt nach. In Absprache mit Joachim Sturm ist nachfolgend der gesamte Text veröffentlicht.

Von Anbeginn an Stadt, ohne Stadt zu sein

Keine Stadtgeschichte im Kreis ist spannender, außergewöhnlicher in ihren Extremen und impulsiver in ihrer sozialen wie wirtschaftlichen Erscheinungsform. Vergessen wir einmal Kelten, Römer, Alemannen, die nachweislich auf der heutigen Gemarkung gelebt haben. Der zeitliche Bezugspunkt, aufgrund dessen wir uns heute zusammengefunden haben, liegt sehr viel später.

Im Jahre des Herrn 1260 im Monat März unterzeichnete und gab sein Siegel als Zeugnis im Kloster Paradies einer der Angehörigen der Herren von der Blume, nämlich Bruder Hans von Blumberg. Oder sollten wir als ersten Blumberger Johannes von Blumberg nehmen, der am 7. Juli gleichen Jahres in Ettenheim Bischof Walther von Straßburg seine Zeugenschaft offeriert? Ein Personenname in jedem Fall also ist es, der uns zugleich den Namen jenes Gemeinwesens Blumberg verrät, der damals doch wohl schon länger bestanden haben muss und das vielleicht die umgesiedelten Bewohner des einst bei Zollhaus gelegenen Dörfleins Bislingen aufnahm. Kein Stadtrecht demnach weit und breit, das wir aus einer Archivtruhe ziehen und stolz zur Feier des Stadtjubiläums bestaunen lassen könnten. Allein dies lässt bereits anklingen, wie zurückhaltend die Stadt zwischen Buchberg und Eichberg ihre Anfänge genommen hat und wie windungsreich der Weg zum heutigen Blumberg sich gestaltet. Sagen wir es ohne Umschweife: Das Herauswachsen der Stadt Blumberg aus der Ebene des Schleifenbachs steht im Kontext eines politischen Alptraums. Es ist die Geschichte des – wie wir heute wissen – aussichtslosen Versuchs der wohl aus Watterdingen stammenden Herren von Blumberg, durch Burgen, Besitzerwerb und Stadtausbau ein Territorium zu zimmern, wie es zur gleichen Zeit die Zähringer oder Fürstenberger taten. Von ihrer frühen Burg Blumberg nach Hüfingen übersiedelnd, das sie als Hauptstadt ihres Landes dachten, hofften sie zugleich das von ihnen durchsetzte Dreieck zwischen Donaueschingen, Lenzkirch und Blumberg zu verdichten. Doch als 1382 der Hüfinger Stadtherr Burkhard von Blumberg ohne männliche Erben starb und seine mit Berthold von Schellenberg verheiratete Schwester Guta das Erbe gar mit einem Prozess gegen die männlichen Verwandten an sich riss, war der Traum zu Ende. Hüfingen war nun in Schellenbergischer Hand.

Da besann man sich auf die in die Jahre gekommene, nicht mehr dem neuesten Verteidigungsstand entsprechende Blumberger Burg. Von hier aus wollte man noch einmal wie Phönix aus der Asche steigen, eine neue Residenz gründen und vielleicht auch eine richtige Stadt. Der Plan schien günstig. Die Blumberger fanden die wohlwollende Förderung der Lehensherren, der Fürstenberger, die ihren Machtverlust in Hüfingen kompensieren wollten, weil die Schellenberger in Hüfingen ein wenig zu unabhängig und selbstbewusst wurden. Zugleich hat die Zuspitzung des Konfliktes zwischen Habsburg und der Eidgenossenschaft dem zur neuen Hauptstadt gewählten Ort Bedeutung verliehen. Die Blumberger, die bereits 1349 Österreich ihre Stadt Hüfingen geöffnet hatten, blieben weiterhin bei der Stange und die Burg Blumberg blieb wichtige Grenzfeste mit Brückenfunktion und Verteidigungsaufgaben für die Habsburger. Der Entwicklung hin zur vollwertigen Stadt haben diese Ansätze jedoch keine Flügel verliehen. Die große Stadtgründungswelle auf der Baar und im nahen Schwarzwald von der Mitte des 13. Jahrhunderts bis zum Schlussakkord 1344 in Vöhrenbach war verebbt, der Elan der zumeist klein- und niederadeligen Stadtgründer gebrochen. Blumberg, um 1413 in der Lupfener Fehde erstmals als Stadt bezeichnet, hat es bis zum Ende des Mittelalters einfach nicht geschafft, einen Rechtsstatus und wesentliche Funktionen herauszubilden, die zu einer Vollstadt wie beispielsweise Villingen führten. Als die Erbauer von Burg und Stadt abtraten, besaß der Ort kein Stadtrecht, kein Marktrecht, keinen Schultheiß und keine bürgerlichen Selbstverwaltungsgremien. Auch das zuständige katholische Dekanat für den Ort, nicht die Burg, befand sich weitab in Pfohren.

Endlich fehlte Blumberg weitgehend der neue Menschentyp, der, durch Stadtluft angelockt, Wissen, Wirtschaftsmacht und administrative wie juristische Kenntnis auf engem Raum konzentrierte. Am Ende war es für die Stadtherren zu spät, ihrer Stadt noch etwas mit auf den Weg zu geben. Ihnen erging es wie vielen anderen Kleinadeligen der Region. Durch die verheerenden Schlachten bei Sempach 1386 und Näfels 1388 dezimiert, durch Wegzug in die großen Städte zu Bürgern geworden oder im Mannesstamme ausgestorben, war ihre große Zeit zu Ende. Zwar ging Blumberg nach 1451 noch an andere Kleinadelige wie die Herren von Stein oder 1479 die von Randegg, doch war dies eher ein Aushauchen denn ein frischer Wind. So blieb Blumberg eine Art Kümmerstadt, außerhalb der Burg dazu rechtlich und baulich klar geschieden in »Städtle« und Dorf, die uns auch heute noch, trotz allen Wandels, bei genauem Hinschauen vage erkennbar bleiben. Immer wieder kam es zu Ansätzen einer Weiterentwicklung hin zu einem Stadtgebilde mit Bürgerschaft, ohne dass je der große Durchbruch geschafft wurde. 1564 etablierte Graf Albrecht von Fürstenberg, der Blumberg ein Siegel gab und zu seiner Residenz ausbauen ließ, einige Ämter und konzentrierte in der zum Schloss fortgebauten Burg zentrale Verwaltungsfunktionen.

Zur Emanzipation der Stadtbürger wie in anderen Residenzstädten hat dies allerdings wieder nicht gereicht. Die Einwohner des Städtle konnten auch diesmal keine Eigenständigkeit im Sinne einer dem Stadtherrn gegenübertretenden, rechtlich verbundenen Korporation erlangen. Das Stadtgericht blieb vom Landesherrn abhängig und auf geringere Akte beschränkt, Blumberg-Dorf und Blumberg-Stadt blieben die getrennten Wohnstätten von abhängigen Taglöhnern, Handwerkern, Groß- und Kleinbauern. Gerettet über den 30-jährigen Krieg hat Blumberg allerdings den Status als Amtsstadt mit unterschiedlichen Verwaltungsstellen und damit den Ansatzpunkt zum Fortkommen. Die nächste Chance ließ dann auch nicht lange auf sich warten, als ein Fruchtmarkt in Zollhaus errichtet und 1694 in die Kernstadt verlegt wurde. Ab 1756 gar hören wir von zu regelmäßigen Terminen stattfindenden und zeitlich auseinanderliegenden Frucht-, Tier- oder Jahrmärkten. Es hat sich also ein Marktgeschehen etabliert, das auf eine wirtschaftliche Zentralfunktion Blumbergs hinweist mit Waren und Geldumlauf. Und gerade das Marktrecht, das wissen wir spätestens seit der Villinger Marktrechtsverleihung von 999, ist Schubkraft zur Stadtwerdung schlechthin. Doch erneut verpuffte der gute Ansatz. Auf irgendeine Weise, vielleicht während der Kriege vor 1800, ging der Markt ein. Dies war ein herber Schlag, denn bald stellte sich die Frage: »Stadt oder Dorf«? Als man 1836 im großherzoglich-badischen Innenministerium die Frage nach Neuetablierung des Marktes besprach, stellte man auch Blumbergs Stadtqualität auf den Prüfstand. Man einigte sich schließlich auf das »Label« Minderstadt. Doch auch dies verschwand 1855 sang- und klanglos aus den Akten und Blumberg wurde nun als »Dorf- oder Pfarrflecken« geführt. Die nach diesem Jahr wieder eingeführten Vieh- und Schweinemärkte siechen, sich ausdünnend, von 1873 bis 1890 dahin, bis sie schließlich ganz eingestellt werden. Blumberg sinkt fast auf den Status eines Baar-Dorfes herab, sich aber dennoch, und dies ist bis heute ungeklärt, wieder und wieder ganz offiziell und ungerügt als Stadt bezeichnend, obwohl die Gemeindeordnung 1863 dem Stadttitel Blumbergs den Garaus gemacht haben soll. Wenn Apotheke und Förster nicht wären und man nicht neue Bürgerhäuser in Richtung Osten nach Zollhaus gebaut hätte, wäre Blumberg ein Rund von Bauern im Städtle und Handwerkern wie Taglöhnern im Dorf geblieben, die sich eben selbstbewusst aus jahrhundertealter Tradition am Namen »Stadt« festklammerten. Zwei Ereignisse gaben den Trotzigen Recht und ließen Blumberg erneut in Richtung Vollstadt schwenken. Dies war zunächst die Gründung 1904 einer gewerblichen Fortbildungsschule, die nach 1945 als Berufsschule ihre Fortsetzung fand. Nicht umsonst war die Schließung solcher Schulen wie zum Beispiel in St. Georgen im neu geschaffenen Schwarzwald-Baar-Kreis von einer gewissen Trauer und Bitterkeit begleitet, fand doch dieser Schultyp sich in Orten, denen Zentralität und Stadtcharakter zukam und zukommt. Das zweite bedeutende Ereignis zur Stärkung der Zentralfunktion verdanken wir der Altkatholischen Kirche, die in Blumberg nach 1873 über die Hälfte der katholischen Gläubigen für sich gewann und als die Hüterin städtischen Charakters bisher zu wenig beachtet wurde. Trotz ihrer nach einiger Zeit entstandenen seelsorgerischen Schwierigkeiten und den zuletzt anzunehmenden Status einer Minderheitenkirche hat sie Blumberg in einem kritischen Moment und bis heute eine beachtliche kirchliche Zentralität verschafft. Sie hat daher zu einer Konsolidierung städtischen Charakters nicht unwesentlich beigetragen, und das zu einem Zeitpunkt, als das Absinken zum Dorf bereits mit Händen zu greifen war. Kurzum, für Blumberg erhielt sich die Bezeichnung Stadt und erst 1935 mit der Neuen Deutschen Gemeindeordnung wurde es ernst.

Der Stadttitel sollte jetzt endgültig entzogen werden. Doch in ihrem schlitzohrigen Beharrungsvermögen taten die Blumberger so, als ob sie die Gesetzesausfertigung nie erhalten hätten. Sie taten dies als zum einen in der Baaremer Solidarität, denn auch andere Baarstädte wie Bräunlingen, Hüfingen und Fürstenberg nannten sich weiterhin »Stadt«. Zum andern geschah dies im Bewusstsein, dass die Konkurrenz zwischen Partei und Staat eine endgültige Entscheidung ein Weilchen hinausschieben würde. Wie recht man hatte. Noch 1941 lud Bürgermeister Schmid nach Klagen aus dem Ministerium in Karlsruhe die betroffenen Stadtgemeinden ein, sich doch einmal gemeinsam für den Beibehalt des Titels »Stadt« stark zu machen. Dann versank das Problem in den Wirren des Krieges. Von einer offiziellen Aberkennung ist am Ende nichts bekannt, seltsamerweise aber von einer offiziellen Wiedererlangung des Titels 1950 und damit dem Aufstieg diesmal zur richtigen, das heißt mit Urkunde bezeugten Stadt auf Antrag und aufgrund der badischen Gemeindeordnung von 1948. Dies verdankt Blumberg dem in Sachen Erhalt Badens durchs Land ziehenden Staatspräsidenten Leo Wohlleb. Wie später in Hüfingen 1951 oder in Bräunlingen 1952 ist er auch in Blumberg der Verteiler einer politischen Bratwurst gewesen, mit der die südliche Baar bei der Stange gehalten werden sollte. Er hat den Startschuss zu einem Gemeinwesen, wie es heute besteht, und wie es die ersten Bürger im Städtle 1260 geträumt haben. Eine auf gemeinsamen Rechten und einer von ihnen mitbestimmten Verwaltung gezimmerten Gemeinschaft, in der trotz sozialer und wirtschaftlicher Unterschiede ein Leben in Freiheit und mit Zukunftsoptimismus gelebt werden kann.

Dies ist im Rahmen, innerhalb dessen sich wiederkehrende Merkmale finden lassen, die die Besonderheit Blumbergs kennzeichnen: Blumbergs Stadtgeschichte nach den Blumbergern ist zunächst einmal durch politisches und wirtschaftlich dezidierte Charaktere bestimmt, denen eine Spur von Abenteuertum und leidenschaftliche Hingabe an eine Sache vor allem im Hinblick auf eigenes Fortkommen nicht fehlen und die unbeabsichtigt dabei auch die Stadtentwicklung Blumbergs fördern. Eröffnet wird diese Reihe für mich durch Hans von Landau, dem Käufer Blumbergs 1483. Er steht in der Epoche und im Kreis der niederadeligen Vabanque-Spieler wie zum Beispiel der von Hallwyl in Fützen. Sie alle, am Nordrand der sich inzwischen bildenden Schweizer Eidgenossenschaft, schienen durch die politische Situation begünstigt. Sie alle durften zunächst auf das Wohlwollen Habsburgs hoffen, das mit ihnen eine feste Brücke zwischen den elsässischen Besitzungen und dem Kernland im Osten zu schlagen dachte. Nie zuvor vielleicht war Blumberg auch einer Reichsstadt so nahe wie im Jahr 1497, in dem Hans von Landau die Reichsunmittelbarkeit erlangte. Doch mit dem Schweizerkrieg endete der Traum. Der Wiederaufbau nach der Zerstörung des vor der Burg liegenden Dorfes Blumberg hat keinen Impuls zur Stadtwerdung gegeben.

Beim oder neben dem »Städtle« gab es keinen von einer Stadtmauer umschlossenen größeren Wohnhausring, der wie im nahen Bräunlingen oder Hüfingen eine durch Stadtrecht besiegelte Stadt hervorgebracht hätte. Dazu kam, dass das 1510 Hans von Landau von den Fürstenbergern zuerkannte Jagdareal und das Blutgericht auch nicht zur Errichtung des kleinsten Forstamtes oder Gerichts führten. Da aber auch Ämter eben vielfach Kristallisationspunkte eines Stadtwerdens sein können, war die Chance vertan. Mehr Bewegung kommt durch die beiden in der Herrschaft über Blumberg folgenden Grafen Friedrich und Albrecht von Fürstenberg, auch sie beide von einem guten Schuss Abenteuertum besessene oder vom Ruhm gelockte Charaktere. Als ersterer 1537 Blumberg erwirbt, hat er schon einiges hinter sich. 1532 führte er das Kommando über 10 000 Landsknechte, im Feldzug gegen Frankreich 1536 stand er als kaiserlicher Feldhauptmann. Der Aufenthalt in Blumberg hat ihm keinen Ruhe verschafft, denn 1541 sehen wir ihn wiederum als Feldhauptmann für den geplanten Türkenkrieg und 1546/47 schließlich als Reiterobersten gegen die Schmalkaidischen Verbündeten. Sein Bruder Graf Albrecht, dem 1562 Blumberg übergeben wird und der die Regentschaft im Fürstenbergischen 1580 antritt, war eher von hohen Verwaltungsposten im Reich beeindruckt, jedoch nicht minder umtriebig. Fatalerweise endete seine mit Vehemenz betriebene Karriere im Dienste des Kaisers unter anderem als Landvogt, dann kaiserlichen Oberstallmeister in Prag mit dem finanziellen Ruin. Noch seine Söhne hatten mit der Landschaft, darunter auch Vertretern Blumbergs, zu verhandeln, um den Schuldendienst von 40 000 Gulden bedienen zu können. Unter beiden Fürstenbergern wuchs das Potenzial beträchtlich, um Blumberg zu einer Vollstadt werden zu lassen. Das nach und nach mit einer größeren Hofhaltung und einem 37-köpfigen Hofstaat belebte und vielfach besser gestaltete Schloss wurde durch die Ansiedlung von Verwaltungsstellen ergänzt, die Blumberg zu einem Mittelzentrum erhoben. Ein Obervogt, ein »Landrat« gewissermaßen, trat seinen Dienst an, dazu ein Forstmeister und endlich wurde Blumberg jetzt eigene Pfarrei. Dazu bekam Blumberg 1564 ein Stadtsiegel verliehen. Dies deutet darauf hin, dass der in finanziellen Schwierigkeiten steckende Graf Albrecht wohl erste Zugeständnisse an eine sich formierenden Bürgerschaft gemacht hat. Am Ende dieser Entwicklung hätte die Aushändigung eines geschriebenen Stadtrechts stehen müssen. Warum diese Verleihung nicht zustande kam, lässt sich bis heute nicht erklären. Und wieder einmal war eine richtige südliche Baaremer Residenz- und Verwaltungsstadt Blumberg mit Händen zu greifen gewesen, mit einem nicht nur zahlenmäßig, sondern auch politisch unabhängigen selbstbewussten Bürgertum. Ja, sogar der Glanz von kulturell bedeutenden Städten der Zeit schien sich einzustellen, als im Spätherbst 1579 der Jesuitengeneral Petrus Canisius zwei Monate lang im Schloss predigte.

Machen wir einen großen Sprung von rund 350 Jahren zur letzten Schicksalsgestalt Blumbergs, die fern und dennoch stets ins Tagesgeschehen eingreifend das Gesicht der Stadt völlig verändert hat. Bereits 63 Jahre alt war der saarländische Großindustrielle Hermann Röchling, als er 1935 nach einem immer größer und mächtiger gedachten Montanimperium hungernd buchstäblich die Erde um Blumberg aufwühlte und außerhalb des alten Städtle kein Stein auf dem anderen ließ. Er, der gerade zur NSDAP gestoßen und zum Rüstungsbeirat des Reichsministeriums ernannt worden war, dachte nur an das der Rüstung zuführende Erz wie an das Wohlergehen seiner Saarhütten. Seine in Blumberg wie andernorts geübte Rücksichtslosigkeit übrigens fand ihren Lohn – zunächst bei einem Mittagessen am 18. Mai 1942 in der Reichskanzlei, wo Adolf Hitler ihn als »eine in ihrer Abgeklärtheit besonders eindrucksvolle Industriellen-Persönlichkeit vorstellte, dann bei seiner Verurteilung als Kriegsverbrecher vor dem Militärtribunal in Rastatt mit lebenslangem Aufenthaltsverbot im Saarland. Für Röchling war Blumberg nur ein kleines Feld auf dem Schachbrett seiner Begierde. Aber auch er hat wie seine zuvor genannten Vorgänger-Abenteurer unbeabsichtigt aus dem damaligen »Fast-Dorf« eine neue, dem 20. Jahrhundert angepasste Stadt mit regional herausstechenden Merkmalen gemacht. Zunächst kann man einmal glücklich sein, dass der im Berliner Büro Albert Speers abgesegnete Entwurf einer Vierteljahresplanstadt Blumberg nicht das Licht erblickt hat. Das Stadtmodell, das noch 1938 die Besucher des Kreisparteitags in Donaueschingen begeisterte, hatte etwas vom Größenwahn spätrömischer Kaiser. Allein das geplante »Rathäuslein« mit 120 Metern Frontlänge hätte Ihnen, Herr Bürgermeister Keller, heute wohl größte Unterhaltungssorgen bereitet. Doch schon der Aufbau einer normierten, uniformen Bergarbeitersiedlung für gedachte 10 000 Personen hat eine soziale und städtebauliche, anfangs äußerst problematische Dynamik heraufbeschworen, die dem südlichen heutigen Landkreis aber am Ende gut getan.

In einer an das alte Blumberg geklebten Retortenstadt aus mangelhaften Siedlungshäusern in fehlender Infrastruktur fand eine extreme nationale und landsmannschaftliche Differenzierung statt: Oberschlesier, Saarländer, Hamburger und noch einige Landsmannschaften und Nationalitäten mehr mussten sich mit den Einheimischen zusammenraufen und ein funktionierendes Gemeinwesen schaffen. Unbeabsichtigte Konsequenz Röchling'schen Handelns war die Entstehung einer durch forcierte Industrialisierung geprägten städtischen Bevölkerung vorwiegend aus dem Bergarbeitermilieu des Deutschen Reiches. Deren von den Einheimischen ringsum wohl bemerkte Lebensart war von der Notwendigkeit geprägt, in einem von industriellen Großbauten und Baracken umzingelten Stadtprovisorium erst recht und schlecht, dann immer erfolgreicher zusammen zu leben. Im neuen Blumberg – bestehend aus Städtle, Dorf und Neubausiedlung – gelang die Mischung agrarischer und sozial traditioneller Elemente der Baar mit einer für die spätere Rekonversion wertvollen, oft mit guten Fachkenntnissen versehenen Arbeiterschaft, ergänzt nach 1945 durch Flüchtlinge mit weiteren Spezialkenntnissen. Zugleich hat das Zusammenleben einer aus allen Teilen des Reiches herbeigerufenen Arbeiterschaft untereinander und mit der Baaremer Nachbarbevölkerung sowohl eine Verwurzelung des neuen Blumberg in der Baar als die Verbindung weit nach draußen geschafft. Die bedenkenlose Aufgabe des Bergwerkes hat, ebenfalls von Röchling weder gewollt noch geplant, einen zweifachen Rekonversionsschub ausgelöst, aus dem eine in der globalen Ökonomie gut aufgestellte, wenn auch gegenüber den Anfängen kleinere Industrie entstanden ist. Davon zeugen zwei mit der Wirtschaft verbundene kulturell bedeutende Symbole in der Stadt: Die wahrscheinlich von dem mit Röchling befreundeten Bildhauer Otto Schießler geschaffene Skulptur des »Schwarzen Bergmannes« und die von dem Stararchitekten Egon Eiermann 1949 erbaute Taschentuchweberei der einstigen Spinnerei Lauffenmühle.

Größen- und infrastrukturmäßig konnte das neue Blumberg nach 1950 jetzt ohne Weiteres mit den nahen Baar-Städten, ja den benachbarten Kreisstädten Donaueschingen, Bonndorf, Radolfzell fast mithalten. Hätte man nach dem Krieg Blumberg durch Außenstellen verschiedener staatlicher und kommunaler Verwaltungen oder durch Ansiedlung höherer Schulen aufgewertet, wäre ein südliches Stadtzentrum in der Baar entstanden, das in der Region zu einer anderen Kräfteverteilung geführt hätte. Nicht trennen von diesen die Blumberger Geschichte formenden, personenbezogenen Einflussfaktoren lässt sich eine damit eng verbundene soziale und wirtschaftliche Umstrukturierung in auseinanderliegenden, einschneidenden Phasen. Wirtschaftliche Aufschwünge beziehen dabei oft ihre Impulse aus Rüstungs- oder Verteidigungsbedürfnissen und bewirken nachhaltige Innovationen. Den Anfang des Entwicklungsstranges kann man ziemlich genau auf die Jahre nach dem Schweizerkrieg 1499 datieren, als im heutigen östlichen Stadtbereich ein zur Verteidigungsflutung gedachter Damm errichtet wurde, dem sich mehrere Weiher zugesellten. Wirtschaftlich zunächst als Fischweiher, das heißt zur Verbesserung der Lebens- und Wirtschaftsgrundlage genutzt, erwarben die Wasserbauten nach Beginn des Erzabbaus eine grundlegende energiewirtschaftliche Bedeutung im Rahmen der Weiterverarbeitung des gewonnenen Gesteins. Auch die eher zaghaft unter Hans von Landau begonnenen, von den Fürstenbergern nach 1541 fortgeführten Maßnahmen an und im Schloss zur Stärkung der Verteidigung haben eine Ausweitung und Spezifizierung des noch unterentwickelten örtlichen Handwerks zur Folge gehabt. Ob Neueindeckung von Pulverturm und Bastei, Ausbesserung der Harnischkammer oder Mauerreparaturen zum Schutz gegen die besser gewordene Artillerie: Ortsansässige oder ortsnahe Handwerker mussten nun weitere, neue Fertigkeiten erwerben und weiteres Hilfspersonal einstellen. Auch die Entstehung einer Ziegelhütte geht auf den Schlossbedarf jener Jahre zurück und erlaubte darüber hinaus die Befriedigung der Nachfrage aus Blumberg-Stadt und -Dorf.

Die erste Phase des Erzabbaus hat die stadtnahe Umgebung im Bereich zwischen Blumberg, Hondingen und Riedböhringen landschaftlich verändert. Vor allem die Erzverarbeitung ab 1662 mit Errichtung eines größeren Eisenwerkes führte dabei zu einer industriellen und sozialen Herausforderung, die sich im 20. Jahrhundert wiederholen sollte. Der Beizug von Köhlern aus Burgund und Tirol, von Bergleuten aus Lüttich, den belgischen Niederlanden und die Anwerbung französischer Bergwerksingenieure hat im Kontakt mit den landwirtschaftlich-handwerklich orientierten Einheimischen eine erste Bevölkerungsmischung mit all den damit verbundenen Problemen verursacht. Die große und für das Reich bisher nirgendwo nachgewiesenen Innovation dieser Erzförderperiode allerdings besteht in der Anstellung dreier Kamele aus der Türkenbeute 1683 in Wien. Auch wenn der Einsatz wirtschaftlich erfolgreich verlief, da die Tiere eine vier- bis fünffach höhere Transportkapazität gegenüber den gebräuchlichen Pferden aufwiesen, kam es wohl aus Haltungsgründen nicht zu einer dauerhaften Anstellung. Geblieben ist bis heute der Hang zu exotischen Tieren. Wo sonst im Landkreis finden sich afrikanische Straußenherden oder Tiger?

Die Wirtschaftsentwicklung Blumbergs zum Ende des 19. Jahrhunderts basiert wiederum auf einer militärischen Notwendigkeit. Der Bau der Wutachtalbahn 1887 bis 1890 zu Truppen- und Materialtransport unter Umgehung Schweizer Territoriums hat neben einer sich heute segensreich auswirkenden ingenieurtechnischen Leistung ein ähnliches soziales Phänomen hervorgebracht wie 200 Jahre zuvor die Erzgewinnung. Die Anwerbung von Bauarbeitern, insbesondere aus Italien, hat erneut eine fremde Bevölkerung auf die Baar geführt, als 1888 im Amtsbezirk 4000 bis 5000 Arbeiter in Massenquartieren rings um Blumberg das ruhige Landleben durcheinander rüttelten. Die Integration der zahlreich aus diesem Kontingent im Land Verbliebenen ist, anders als 50 Jahre später, eher nebenbei gelungen und mancher italienischer Name ist heute in Blumberg längst Baaremer Altbestand. Diese Phase hat neben der unbedeutend gewordenen Steinbrecherei und dem Transportwesen vor allem den Grundstein für eine gegenwärtig immer wichtiger werdende Erwerbsquelle gelegt. Aus den ersten Verpflegungs- und Übernachtungsstationen für Gastarbeiter wurde in den Nachkriegsjahren jener tertiäre Sektor des Fremdenverkehrs geboren, der im heutigen Blumberg mit seiner einzigartigen Attraktion »Sauschwänzlebahn« immer mehr an wirtschaftlicher Bedeutung gewinnt. Aus seinem trotz der genannten Wandlungen eher durch Ackerbürgertum geprägten Dasein erwacht Blumberg in der »zweiten Erzphase« nach 1934, als der Doggererzabbau einen kurzen Boom auslöst, der bei der endgültigen Einstellung der Förderung am 10. April 1942 zu zwei darauffolgenden Konversionsschritten führt: Der Konversion zur Luftrüstung und Rüstungsteilen für rollendes Material folgt ein schmerzlicher, aber letztlich erfolgreicher Umbau zur Produktion in Friedenszeiten. Die Ansiedlung einer Rüstungsindustrie nach 1942 führt zur Erbringung eines Fabrikationswissens, einer Art Kernkompetenz, dessen Erbe noch immer die erfolgreiche Industrie der Stadt prägt. Nach Blumberg kam eine bedeutsame Spitzentechnologie in Chemie und Metallverarbeitung. Innovative Verfahren wie das Plexiglas-Handling bei der ursprünglichen Hamburger Firma Kopperschmidt wie die Herstellung von Vanadium-Legierungen bei Otavi Minen AG aus Berlin oder die Fabrikation von Motorenteilen bei der aus Berlin-Wittenau ausgelagerten »Teveswerke Motorenteile und hydraulische Aggregate« führten zu einer kaum zweijährigen Blüte auf explosivem Grund.

Nach großem Erfolg sah es in der zweiten, der Friedenskonversionsphase, zunächst nicht aus. In einem Strudel teilweise stürmischer und chaotischer Versuche zum Umbau und zur Produktionsaufnahme mit einigen Abenteurern ohne Businessplan und ausreichender Finanzierungsbasis waren die wirklichen Innovationen nicht gleich kenntlich. Die Kopperschmidt'schen Plexiglas-Reserven wurden in Aschenbechern und Haushaltswaren verplempert, das Wissen um das Vanadium verschwand mit der Otavi-Minen-Gesellschaft. Mit dem aus den ehemaligen Junkers-Werken Dessau stammenden Braintrust unter Führung des Mitte der 1950er-Jahre zugezogenen Piloten, Ingenieurs und Entwicklers Karl-Heinz Kindermann sah es ungleich besser aus. Die 1959 in Blumberg gegründete »Internationale Fluggeräte und Motoren AG« war beeindruckend innovativ. Leider wurde der Firmensitz ein Jahr später verlegt, aber das Unternehmen lebt heute noch erfolgreich im Schoße der AEG unter dem Namen ASG Luftfahrttechnik und Sensorik GmbH in Weinheim weiter. Das Erbe hat heute gewissermaßen die Maschinenbaufirma Teubert angetreten, die für Innovationen im Bereich Luftfahrt Blumbergs Fahne hochhält. Doch zurück zur Nachkriegszeit: Rasch scheiterten die Kokos- und andere kleine Webereien, eine Sichtkartelfabrikation, eine Hutfabrik, die Lampenherstellung oder die Papageien- und Sittichzucht. Die Zahlungsunfähigkeit der gescheiterten Glasfabrik zog sogar die kreditgebende regionale Bank in eine tiefe Krise und hätte bei öffentlichem Bekanntwerden des Ausmaßes einen riesigen Vertrauensverlust mit Rückzug der Spareinlagen und Schließung verursacht. Und auch Europas einst modernste Taschentuchweberei, in der die Ostflüchtlinge mit Textilfabrikationskenntnissen einige Jahre ihr Auskommen fanden, musste ihre Tore schließen.

Den Hauptgewinn schließlich zog Blumberg aus den verbliebenen Tewes-Werken, die ihre Fabrikation weiterentwickelten und bis heute einen in Weltgeltung, Kompetenz und Belegschaftsstärke wahrlich beeindruckenden Parcours bieten. Und dass sich in den bescheidenen Ziegelbauten des Nordwerks der einstigen Doggererz eine Unternehmensgruppe namens Metz connect verbirgt, wo Verbindungen fabriziert werden, die moderne Elektronik erst voll ausreizen und kommunikationsfähig machen, ist in den Computerschmieden in aller Welt bekannt. [3) ein durch das Haus Fürstenberg über . . . Jahre geprägter regionaler Rahmen mit Verankerung in der Kultur der Baar, der im GHZ Baden weiter getragen und konsolidiert wird!

Diese vielen Worte über das in seiner Umgebung eher fremde, wirtschaftlich in Berg- und Talfahrten geschüttelte, von machtbesessenen Persönlichkeiten interessengeleitet und durch Innovation immer wieder auferstehende Blumberg sollen am Ende jedoch nicht vergessen lassen, dass sich ein weiterer roter Faden durch viele Jahrhunderte schlängelt: Der Baaremer, und ganz zuletzt badischer Charakter ist’s, der wie eine feine Goldader die Stadt von den Schleifenbachfällen bis ins obere Aitrachtal durchzieht. Ganz sicher waren seit der Ersterwähnung 1260 die Bräuche und Sitten, Wohnungen, Arbeiten und Leben von der ländlichen Kultur auf der Baar grundsätzlich nicht unterschieden. Hier hat, von uns her gesehen, das Haus Fürstenberg seit dem 16. Jahrhundert angesetzt und den landschaftlichen Charakter Blumbergs erkennbar gestärkt. Der Weiterbau des Schlossareals zu einer kleinen Residenz und der Ausbau eines kleinen Verwaltungszentrums – Verwaltung, Jagd und Justiz war für die Einbindung in das Land förderlich. Gleiches ist von der recht spät in die Hände Blumberger Familien als Erblehen gelangte Zolleinnehmerei in Zollhaus oder dem erst 1736 örtlich eingerichteten Scharfrichteramt zu sagen. Und dass die seit 1622 eingeführte fürstenbergische Währung Tradition gründen und gemeinsames Schicksal gestalten konnte, wissen wir selbst seit der Einführung des Euro. Fürstenbergische Verwaltungsprinzipien, wie sie für die Gesamtgemeinde galten, der Einzug fürstenbergischer Beamter in die Ämter, eine größere Hofhaltung mit mehr Personal von der Baar: all dies verband die Blumberger fester mit dem Raum zwischen dem Randen, dem Schwarzwald und der Alb, als dies in den vorangegangenen Jahren unter Ortsherren der Fall war, die nicht aus unmittelbarer Nähe stammten. Aus fürstenbergisches Residenz-, nicht als Bürgerstadt bekam Blumberg nun schärferes landschaftliches Profil im Nahbereich und einen stärkeren regionalen Charakter. Man muss sich nur einmal das in der Stadtgeschichte veröffentlichte Foto eines Veteranen aus dem 1870er-Krieg mit seiner Frau in der Baaremer, fürstenbergischen Tracht ansehen oder viele später ebenfalls publizierte Aufnahmen von Trachtenträgerinnen bis in die jüngste Vergangenheit. Hier findet man die Bild gewordene Schaffung eines über die Stadt hinausgehenden sozialen Zusammenhalts, der auf einer erst im Fürstenbergischen, dann großherzoglich-badischen Erlebnisgemeinschaft im täglichen Leben wie in besonderen Ereignissen beruht. Die noch einmal vertiefende Einbindung in den Baaremer Raum und die Schaffung eines Bewusstseins der Zugehörigkeit zu einem Land und einem Volk ist schließlich dem badischen 19. Jahrhundert zu verdanken. Das Durchleben der Befreiungskriege gemeinsam mit allen Baaremer Einwohnern und die Schaffung des Großherzogtums 1806, die 48er-Revolution und wohl auch die Aufnahme der Reichsgründung 1871 haben eine gemeinsame Geschichte und ein Erinnerungspotenzial angespart, das die Blumberger fortan mit ihren Nachbarn teilen. Die in der großherzoglichen Zeit geschaffene Infrastruktur und Architektur: Bahnhof, Rathaus, Bürgerhäuser, Kirche, Straßenlaternen ab 1883 und Wasserleitungsnetz kurz vor 1900 wurden zu sichtbaren Zeichen des badischen Blumberg und sind es weitgehend bis heute geblieben. Die Stadt, so wie sie sich im Jubiläumsjahr präsentiert, ist das Ergebnis einer 750 Jahre währenden sprunghaften Annäherung an ein Gemeinwesen, dem stets aufs Neue der Spagat zwischen Historie und Heute gelingt.

Von einzelnen Persönlichkeiten unbewusst gefördert, von Innovation und Wirtschaftsentwicklungen vorangebracht und dennoch in der Baaremer Tradition glückhaft verankert, eignet Blumberg ein Bürgercharakter, so als könne es wie die großen, alten Reichsstädte eine beeindruckende Reihe zu Pergament gewordener Stadtfreiheiten vorweisen. Dabei hat Blumberg noch immer an jenem Erbe zu knabbern, das ihr die Herren von Blumberg hinterlassen haben. Wenngleich nämlich der herrschaftliche Schlossbereich gewissermaßen bis auf drei Steine verschwunden ist, reiht sich die herrschaftliche burgstädtische, dörfliche und neubürgerliche Siedlungsfläche von West nach Ost auf einer Länge von bald drei Kilometern (?) aneinander, ergänzt heute durch einen touristischen – Bahnhof Zollhaus – und industriellen Teil – etwa Gewann Vogelherd. Der Schwerpunkt der Stadt hat sich heute nach Westen verschoben und hat den einstigen Zentralbereich bei der Burg zu einem Lost-Place gemacht, an dem nur noch Eingeweihte den Beginn einer Stadtwerdung festmachen können. Zwiebelförmig bis elliptisch erscheint der heutige Ort: Aus dem mittelalterlichen Kern wächst eine fürstenbergisch-badische, dann mit der Bergarbeitersiedlung das alte Dorf überbauende Schale, durchsetzt und ergänzt mit neuen Wohnblocks, wo die in Blumberg immerwährende Aufgabe des Beieinanderlebens von Fremden und Eingesessenen jedem Spaziergänger ins Auge springt. In Blumberg sind eben die Grundzüge der Stadtgeschichte immer präsent und erinnern an die Mühen der Stadtwerdung.

Dennoch lässt sich ein erstaunliches Fazit ziehen: Die Geschichte Blumbergs lehrt uns, dass man von Anbeginn an Stadt sein kann, ohne jene scheinbar unverzichtbaren Attribute wie Stadtrecht, Selbstverwaltung und Vollbürgertum, wie uns die Stadtgeschichtsforschung weis machen will. Es genügt eben, einige Zentralfunktionen in Wirtschaft, Verwaltung, Kultur und Kirche zu besetzen. Und vor allem bedarf es eines unendlichen, trotzigen Selbstbewusstseins, das sich darin ausdrückt, dass man sich selbst getreu als »Stadt« bezeichnet, so lange, bis es auch die anderen begriffen haben. So ist das Blumberg von Heute auch ein Ergebnis von 750 Jahren bürgerlichen Begehrens nach einer wirklichen Stadt. Der Weiterbau der Stadt Blumberg ist deshalb kein Problem, sondern die vielleicht stimulierendste Herausforderung des 21. Jahrhunderts: Das verzwickte Erbe des Mittelalters und der nachfolgenden Jahrhunderte, die drei Stadtkerne zu integrieren und in dem Sinne zu verschweißen, dass sie eine wirtschaftliche und soziale Einheit generieren, die ihren bürgern Heimat bietet und den Nachbarn Anerkennung abnötigt. Dies ist die ganz große Aufgabe, welche die letzten Herren von Blumberg mit ihrer nie ganz vollendeten Stadt als Testament hinterlassen haben: niemals aufzuhören, die Stadt als Stadt fortzuentwickeln, wie schwierig dies auch sein mag. Sie, lieber Bürgermeister Keller, stehen, wenn wir das heutige Jubiläum als Startpunkt für die nächsten 750 Jahre nehmen, am Beginn dieses neuen Zeitabschnitts. In keiner anderen Stadt unseres Kreises tritt meines Wissens so klar zutage, wie man aus dem, was war, lesen kann, was werden wird oder was zu tun bleibt. Für dieses Erbe des Hans von Blumberg und seiner Nachfolger sollten wir dankbar sein. Diese haben dadurch, dass sie bis ins 20. Jahrhundert niemals ein Stadtrecht unterzeichnen konnten, Blumberg eine verborgene Triebfeder eingepflanzt, immer noch ein wenig städtischer, moderner, motivierter, dynamischer, kurz – zur idealen Stadt zu werden. Damit dies gelingt, wünschen wir hier und heute dem liebenswerten Blumberg allen Segen.  Dr. Joachim Sturm

 
 

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Cornelia Spitz

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