Die Straßen in Riedböhringen sind menschenleer, die Polizei überwacht die Ausgangssperre. Sie gilt zunächst bis zum 14. April. Foto: Niederberger

Einwohner teils stark verunsichert. Polizei patrouilliert durch Stadtteil Riedböhringen.

Blumberg-Riedböhringen - So oft wie am Mittwoch haben die Telefone im Blumberger Rathaus wohl noch nie geklingelt. Viele Bürger wollen nichts verkehrt machen und richteten deshalb ihre Fragen an die Stadtverwaltung.

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Alle Fragen betrafen die Ausgangssperre, die seit Mittwoch in Riedböhringen gilt. Was darf ich noch machen und was nicht mehr?

Auch Riedböhringens Ortsvorsteher Gerhard Fricker ist zum Adressat zahlreicher Bürgeranliegen geworden. Er ruft seine Mitbürger zur Besonnenheit auf, jetzt gelte es, die Lage ruhig und sachlich zu sondieren. Er hat beobachtet, dass die Corona-Krise die Menschen in zwei Lager aufteilt: Auf den einen Seite stünden jene, denen die Pandemie sehr viel Angst macht. Auf der anderen Seite gebe es diejenigen, die ruhig bleiben, abwarten und furchtlos das Ende der Corona-Krise abwarten.

Weshalb die Coronavirus-Fallzahl mit 22 Infizierten gerade in seinem Dorf so hoch ist, darüber will er nicht spekulieren. Denn um eine auf Fakten basierende Antwort geben zu können, müsste er genau wissen, wer sich wann und wo angesteckt hat. Einen Zusammenhang mit den Skitouren nach Ischgl sieht er aber auch.

Laut Fricker haben sich sehr viele Riedböhringer nach Bekanntwerden des ersten Corona-Falls in ihrer Heimatgemeinde freiwillig beim Gesundheitsamt gemeldet und sich testen lassen. Wo viel untersucht wird, wird natürlich auch viel gefunden. Das könne doch auch eine Erklärung für die vergleichsweise große Zahl an Covid 19-Infizierten in dem Kardinal-Bea-Dorf sein.

Auch Frickers Stellvertreter Thomas Meister unterstreicht, dass mit Schuldzuweisungen sehr vorsichtig umgegangen werden müsse. Er spüre bei seinen Mitbürgern ein großes Maß an Verunsicherung. Derweil ist die Zahl an bestätigten Coronafällen in Blumberg nicht mehr angestiegen. Das Gesundheitsamt meldete am Mittwoch genauso viele Infizierte in Blumberg wie am Dienstag, nämlich 29.

Der Riedböhringer Arzt Michael Walter hat für sein Umfeld festgestellt, dass sich die Menschen an die Vorgaben des Landes und an die aus dem Blumberger Rathaus halten. Das Krisenmanagemnt von Bürgermeister Markus Keller und seiner Verwaltung lobt der als kritischer Kopf bekannte Mediziner ausdrücklich. "Keller hat meiner Meinung nach aufgrund der Zahlen keine andere Wahl gehabt, als eine Ausgangssperre zu erlassen." Zu dem einen Riedböhringer, den das Blumberger Rathaus angezeigt hat, weil er trotz verhängter Quarantäne durch Dorf spazierte, fällt Walters Kommentar gewohnt deutlich aus: "Der Dummheit sind keine Grenzen gesetzt."

Die in Form einer Allgemeinverfügung erlassene Ausgangssperre ist von der Stadtverwaltung am Mittwochvormittag noch einmal überarbeitet worden. Neu aufgenommen wurde unter anderem, dass Tierärzte ihren Aufgaben nach wie vor in Riedböhringen nachgehen können. Bürgermeister Markus Keller hat noch einmal deutlich gemacht, wie sehr er mit sich gerungen hat, ehe er die Ausgangssperre auf den Weg brachte: "Das war die schwierigste Entscheidung in elf Jahren als Bürgermeister von Blumberg."

Das ist verboten/ erlaubt

 Das ist verboten: Grundsätzlich gilt, dass die Riedböhringer Haus oder Wohnung ohne einen triftigen Grund nicht verlassen dürfen und dass sie sich nur alleine in der Öffentlichkeit aufhalten dürfen. Davon gibt es Ausnahmen, zum Beispiel dürfen die Dorfbewohner nach wie vor zur Arbeit fahren, Ärzte besuchen oder einkaufen gehen. Im Wald Holz aufzuarbeiten, gilt aber nicht als triftiger Grund. Außerdem darf ein/e Riedböhringer/Riedböhringerin nicht mehr seine/n Lebensgefährtin/Lebensgefährten besuchen, wenn diese/r außerhalb von Riedböhringen wohnt. Da greift die Ausgangssperre.

 Das ist erlaubt: Ein/e Riedböhringer/Riedböhringerin darf aber seine/ihren Lebensgefährtin/Lebensgefährten bei sich Zuhause empfangen, wenn diese/dieser jenseits der Gemarkungsgrenze lebt. Alleine spazieren zu gehen und Sport zu treiben, ist weiterhin zulässig, auch darf man sich im eigenen Garten aufhalten. Die örtlichen Handwerker und Gewerbetreibenden dürfen auch weiter ihren Geschäften nachgehen und Privatpersonen dürfen immer noch den Friedhof besuchen, um die Gräber von Angehörigen zu pflegen. Ortsfremde Handwerker und Gewerbetreibende können nach wie vor in Riedböhringen Aufträge ausführen. Physiotherapeuten ist es auch weiterhin gestattet, bei ihren Riedböhringer Patienten Hausbesuche zu machen.