Fasnet: Zunftmeistertagung der Narrenvereinigung NVHB / Integration wird zu Veränderungen führen

Blumberg/Gaienhofen. Rainer Hespeler, Chef der Narrenvereinigung Hegau-Bodensee (NVHB), hat bei der Zunftmeistertagung gewürdigt, dass sich so gut wie alle Narrenvereine der Region an der Modernisierung des Fasnachtsmuseums Schloss Langenstein beteiligen.

Aus der Region Blumberg gehören der Narrenverein Blauer Stein Riedöschingen, die Pfetzerzunft Zollhaus-Randen, die Randenwölfe Nordhalden-Neuhaus, die Schneckenzunft Epfenhofen und die Eggäslizunft Fützen zur NVHB.

In seinem Geschäftsbericht vor rund 600 Vertretern in der Höri-Halle in Gaienhofen zeigte sich Hespeler überwältigt vom Engagement der 120 mit der Vereinigung assoziierten Narrenzünfte für das neue Projekt "museum4punkt0".

118 Zünfte beteiligen sich durchschnittlich mit 1500 Euro am digitalen Ausbau. Bis auf zwei Zünfte hätten sich alle dazu bereit erklärt, das Projekt zu unterstützen.

Doch wie andere Vereine, so haben auch Zünfte Schwierigkeiten, Bürger für Ehrenämter in der Fasnacht zu gewinnen. Mit der Folge, dass die Mitgliederzahlen zurückgehen.

Ein zentrales Anliegen der NVHB ist es, Menschen in die Fasnacht und in die Zünfte zu integrieren. Die Fasnet ist sowohl ein gesellschafts- wie auch generationenübergreifendes Fest. Im neuen Fasnachtsmuseum soll das Fest modern dargestellt und für die Jugend erlebbar gemacht werden. Und durch den völker- und schichtenübegreifenden Charakter sieht sich die Vereinigung in der Pflicht, auch Migranten in die Zünfte und in die Fasnacht zu integrieren. Seit den 1960er-Jahren ist Deutschland ein Zuwanderungsland. Viele Narren haben einen Migrationshintergrund aus südeuropäischen Ländern, beobachtet Rainer Hespeler: "Diese Integration haben wir auch heute zu leisten, wenn es um andere Nationen geht." Dabei könne sich die Fasnacht auch vom Charakter her verändern. "Bräuche müssen sich an den Zeitgeist anpassen", so Hespeler: "Wenn wir versuchen, Bräuche zu konservieren, dann werden sie aussterben", resümiert der Präsident: Sie bräuchten Raum, damit sie sich dem Zeitgeist anpassen können.

Es seien nicht die Funktionäre, die bestimmen, was die Fasnacht sei, so Hespeler: "Sondern es sind es die Menschen, die die Fasnacht auf der Straße praktizieren. Bräuche, die man mag und gerne lebt, werden sich weiterhin erhalten. Wobei alte und verkrustete Bräuche sterben."

Die schwäbisch-alemannische Fasnet wurde von der Unesco vor fünf Jahren auf die Liste des immateriellen Kulturerbes aufgenommen. Jede Zunft, die die schwäbisch-alemannische Fasnacht pflegt, praktiziert und sich an die vorgegebenen Regeln hält, ist berechtigt, das Kulturerbe-Logo zu führen. Nun sei es auch die Aufgabe der Politik, das Brauchtum zu schützen und nicht zu erschweren. Zuletzt hatten viele Narrenvereine über steigende Anforderungen und Kosten bei straßenrechtlichen Genehmigungen und Sicherheitskonzepten geklagt. Die Anforderungen seien oft so groß, dass sie Ehrenamtlichen kaum noch zumutbar seien, meinen viele.