Mopsfledermäuse ziehen unter Rindenschuppen von abgestorbenen Bäumen im Frühjahr und Sommer ihre Jungen auf. Die Quartiere gingen seit den 1950ern vielerorts verloren. Foto: Dietz Foto: Schwarzwälder Bote

Natur: Mopsfledermaus ist Vogel des Jahres / Projekt mit Nabu wird unterstützt

Die Blumberger Sau­schwänzlebahn hat die Mopsfledermaus bundesweit bekannt gemacht.

Blumberg/Stuttgart (blu). Weil die streng geschützten Fledermäuse in einigen Tunneln der Museumsbahn überwintern, haben die Behörden Winterfahrten zwischen Fützen und Weizen untersagt. Der Nabu Baden-Württemberg hat die Mopsfledermaus nun zur "Fledermaus des Jahres 2020/2021" erklärt, wie der Verein mitteilt.

Platte Nase

Eine platte Nase wie ein Mopshund und zusammengewachsene Ohren: Die frisch gekürte "Fledermaus des Jahres 2020 bis 2021" ist leicht zu erkennen, aber schwer zu finden, teilt der Nabu mit. Denn die Mopsfledermaus zähle in den meisten europäischen Ländern und Deutschland zu den stark gefährdeten Arten. Gebietsweise sei sie sogar vom Aussterben bedroht.

Der Nabu Baden-Württemberg engagiert sich deshalb in einem bundesweiten Projekt, um mehr über Vorkommen und Lebensweise der Waldfledermausart zu erfahren und ihre Lebensräume zu verbessern.

Gemeinsam mit der Landesforstverwaltung, der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt und mit finanzieller Unterstützung des Bundesumweltministeriums, des Ministeriums für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg und des Ministeriums für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg.

Nabu-Landeschef Johannes Enssle freut sich: "Die Wahl der Mopsfledermaus ist ein wichtiges Zeichen zum richtigen Zeitpunkt. Sie hat ihren europäischen Verbreitungsschwerpunkt bei uns. Darum haben wir eine besondere Verantwortung, dass sich ihre Bestände auch in Baden-Württemberg erholen. Deshalb arbeiten wir eng mit der Forstwirtschaft zusammen, um Schutzmaßnahmen im Wald zu entwickeln. Und um gemeinsam herauszufinden, wie sich diese in die forstliche Praxis integrieren lassen."

"Die Mopsfledermaus profitiert in Baden-Württemberg von einer naturnahen Waldwirtschaft, die mit strukturreichen Mischwäldern und einem Totholzanteil, der weit über dem Bundesdurchschnitt liegt, einhergeht. Mit unserem seit zehn Jahren erfolgreichen Alt- und Totholzkonzept stellen wir auf großer Fläche sicher, dass es genügend alte und abgestorbene Bäume gibt, die den darauf spezialisierten Arten und damit dem Naturschutz dienen", sagte Forstminister Peter Hauk.

Damit dieses Vorhaben gelingt, erforschen die Projektbeteiligten in den kommenden Monaten, wo in Baden-Württemberg Mopsfledermäuse leben. Und wie sie diese Lebensräume nutzen, etwa um zu Jagen oder ihre Jungen aufzuziehen. Dazu leisten Ehrenamtliche aus dem Naturschutz gemeinsam mit Förstern einen wichtigen Beitrag: Sie werden spezielle Aufnahmegeräte, sogenannte "Mini-Batcorder" im Wald aufhängen, um Ruflaute der Mopsfledermaus aufzuspüren. Ein Aktions-Bereich ist der Rems-Murr-Kreis.

Robert Pfeifle, Projektleiter beim Nabu Baden-Württemberg, gibt einen Ausblick: "Zum Auftakt dieser ›Citizen Science‹-Aktion werden wir Fledermausinteressierte schulen, wie man die Geräte benutzt und wie geeignete Stellen im Wald aussehen. Dazu treffen wir uns an einem Mai-Wochenende im Rems-Murr-Kreis. Interessierte, die in Baden-Württemberg bei der Suche helfen wollen, können sich gerne bei uns melden." Bei einem ersten Gerätetest im vergangenen Mai wies Nabu-Mitarbeiter Volker Weiß bereits völlig unerwartet eine Mopsfledermaus nach. Daraufhin entdeckte das Projektteam ein bisher unbekanntes Quartier im Umkreis. Sie hoffen, bei den diesjährigen Sucheinsätzen weitere Vorkommen aufzuspüren.

Weitere Informationen: www.NABU-BW.de/Mopsfledermaus

Die weiteren Verbundpartner des Projektes sind die Stiftung Fledermaus (Projektkoordination), die Naturstiftung David, der Nabu Niedersachsen sowie die Universität Greifswald.

Das Projekt hat ein Gesamtvolumen von 5,44 Millionen Euro, 4,3 Millionen davon stellt das Bundesumweltministerium im Rahmen des Bundesprogramms Biologische Vielfalt zur Verfügung.

Inhaltlich begleitet wird das Projekt durch das Bundesamt für Naturschutz. Der Anteil für Baden-Württemberg liegt bei mehr als 850 000 Euro. Daran beteiligen sich zwei baden-württembergische Ministerien: Das Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft finanziert 15 Prozent, das Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz mit der Landesforstverwaltung und der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt fünf Prozent.

Der Nabu Baden-Württemberg steuert fünf Prozent aus eigenen Mitteln bei.