Zur Sondersitzung des Gemeinderats zum Thema Freibadöffnung in der Blumberger Stadthalle kommen auch mehrere Zuhörer. Unser Bild zeigt (vorne, von links) die Ortsvorsteher Daniel Hallaj (Epfenhofen) und Rolf Schwenk (Hondingen).Foto: Lutz Foto: Schwarzwälder Bote

Freizeit: Gemeinderat stimmt mit großer Mehrheit für Öffnung des Panoramabads am 2. Juli

Mit großer Mehrheit hat der Gemeinderat am Dienstagabend in der Stadthalle für die Öffnung des Panoramabads gestimmt.

Blumberg (blu). Dagegen votierten die fünf CDU-Stadträte Dieter Selig, Klaus Hettich, Matthias Fischer, Horst Fürderer und Christian Schautzgy. Freie Liste, SPD und FDP stimmten geschlossen für die Öffnung, ebenso Stadtrat Hermann Zorbach.

Das Bad soll am 2. Juli öffnen, die Badezeiten sind täglich von 12 bis 19 Uhr. Es gibt keinen Schichtbetrieb, sprich, die Besucher müssen nicht nach einer bestimmten Zeit das Bad verlassen. Starten will die Stadt mit maximal 500 Besuchern im Bad und maximal 170 Badegästen in den Becken, sagte Bürgermeister Markus Keller. Bei Schlechtwetter soll das Bad geschlossen werden.

Für den Eintritt gibt es nur Einzeltickets. Kinder von drei bis sechs Jahren zahlen einen Euro, Kinder von sechs bis unter 18 Jahren drei Euro und Erwachsene 4,50 Euro. Auf Antrag der CDU wird geprüft, ob für Alleinstehende auch eine Elternteilkarte für sechs Euro möglich ist. Das hängt davon ab, ob dies mit der App, die für den Ticketverkauf angeschafft wird, möglich ist. Die Eintrittskarten gibt es nur online, da vor dem Eingangsbereich coronabedingt keine Schlagen entstehen sollen. Wer kein Internet hat oder sich mit einer Onlinebuchung schwer tut, kann sich von den Mitarbeiterinnen der Touristinfo in ihren Räumen beim Buchen der Eintrittskarten helfen lassen. Das dafür notwendige Ticketsystem macht eine rund 6000-Euro-Investition nötig. Die Duschen dürften nur einzeln betreten werden, die Toiletten ebenfalls.

Zu Beginn der Gemeinderatssitzung schilderte Bürgermeister Markus Keller die Entwicklung und die Herausforderung für die Verwaltung. Eineinhalb Wochen vor dem 6. Juni habe die Landesregierung Baden-Württemberg verkündet, dass die Sportstätten, wozu Freibäder zählen, am 6. Juni wieder öffnen dürften. Doch die nötige Hygiene-Verordnung, wie das alles zu handhaben sei, habe das Land erst am 4. Juni erlassen, also erst zwei Tage vor dem möglichen Öffnungstermin. In der Zwischenzeit habe die Stadtverwaltung Anfragen zahlreicher Bürger erhalten, wann denn endlich das Freibad geöffnet werde. Das sei kein "Fair play" der Landesregierung, betonte Keller.

Man habe sich Gedanken über ein Betriebskonzept gemacht und darüber, "ob wir öffnen und zu welchen Tarifen". Keller wies darauf hin, dass die Familien die vergangenen Monate spürbare Einschnitte verkraften mussten wie Homeschooling, geschlossene Kindergärten und Schulen oder Kurzarbeit. Wenn das Bad öffne, solle damit das Feriengefühl für die Daheimgebliebenen gestärkt werden. Das Bad sei die größte Freizeiteinrichtung der Stadt. Keller betonte: "Wir werden nicht mit verschiedenen Zeitkorridoren arbeiten, da käme bei den Familien kein Urlaubsgefühl auf." Ein großes Thema sei Personal. Man brauche mehr Mitarbeiter, um das Einhalten der Verordnung zu überwachen, sie stünden auch in engem Kontakt mit dem DLRG.

Blumberg (blu). Die Gemeinderats-Fraktionen stimmten fast alle für eine Öffnung des Blumberger Panoramabads. Die Sprecher betonten aber auch die Eigenverantwortung der Badegäste.

CDU: Fraktionssprecher Dieter Selig würdigte zunächst das umfangreiche Zahlenwerk der Verwaltung, ohne sich oder die Fraktion zu positionieren. Für die CDU seien Zahlen aber nicht der entscheidende Faktor. Für eine Entscheidung gebe es mehrere Gründe: soziale Gründe, das Schutzgut Mensch und die Umstände bei einem Badbesuch. Die Virologen gingen davon aus, dass in Schwimmbädern keine erhöhte Infektionsgefahr bestehe, weil das Wasser gechlort werde. Beim Anstehen an den Kassen, Toiletten oder auf den Liegewiesen müssten die Kontaktbeschränkungen und der Mindestabstand von eineinhalb Metern eingehalten werden. Für jeden Badegast müsste daher eigenverantwortliches Handeln selbstverständlich sein. Dass diese Eigenverantwortung noch immer nicht jedem bewusst sei, habe die erneute Schließung des Spielplatzes Weihergrube gezeigt. Dort hatten Jugendliche gefeiert und über die Stränge geschlagen. Wie leistungsstark das Coronavirus sei, habe man bei den Infektionen im Rahmen eines Gottesdienstes in Bremerhaven, in einem Hochhauskomplex in Göttingen, in den Fleischfabriken oder gerade aktuell in Peking beobachten können. Die Entscheidung, ob das Bad öffnen soll, müsse jeder für sich treffen.

FDP: Fraktionssprecher Werner Waimer betonte, bei der Schließung von Einrichtungen seien sich alle einig gewesen. Bei der Lockerung hingegen habe fast jeder der Erste sein wollen. In der ganzen Diskussion sei eine Gruppe vergessen worden: Kinder, Jugendliche und Familien. Und gerade die Familien hätten bei den coronabedingten Einschränkungen die Hauptlast tragen müssen. Bei all den Entscheidungen und Vorgaben gebe es zu viel Bürokratie, kritisierte Werner Waimer. Der Maßnahmenkatalog der Landesregierung für die Sportstätten umfasse sieben Seiten, die Stadtverwaltung habe das auf zwei Seiten zusammengefasst. Die FDP stimme der Badöffnung zu. Wenn das Bad öffne, habe man eine Bitte: Familien, Kindern und Jugendlichen den Vortritt zu lassen.

Freie Liste: Fraktionssprecher Hannes Jettkandt schloss sich seinen Vorrednern an. Die Mittel für die Badesaison seien im Haushalt eingestellt. Die Verwaltung habe ein sehr fundiertes Konzept vorgestellt, es gebe keinen Schichtbetrieb mit der damit verbundenen Desinfektion beim Besucherwechsel, was den Betrieb erleichtere. Und 500 Besucher bedeute, dass bis auf wenige heiße Wochenenden alle Badegäste Eintritt haben könnten. Das Personal müsse sicherstellen, dass die Hygiene-Vorgaben eingehalten werden. Entscheidend sei, das Bad zu öffnen. Ob es zehn Wochen auf haben könne, hänge ganz wesentlich davon ab, ob die Besucher die Hygiene-Vorgaben einhielten. Noch vor wenigen Tagen und Wochen hätte wahrscheinlich niemand daran gedacht, dass das Bad öffnen könne.

SPD: Fraktionssprecherin Ursula Pfeiffer ging ebenfalls kurz auf die jüngste Entwicklung ein. Für die Badöffnung seien viel Aufwand und viel Organisation nötig. Doch das sei hier gerechtfertigt: "Wir wissen, wie schwierig die vergangenen Wochen für die Familien waren", durch Kindergarten- und Schulschließungen oder Kurzarbeit. "Es kamen viele Familien auf uns zu und haben gesagt, macht das Bad auf." Die SPD stimme zu.

Hermann Zorbach: Der fraktionslose Stadtrat stellte sich hinter die Entscheidung, das Bad zu öffnen. Für ihn sei entscheidend, dass die Bürger bei der Online-Buchung der Eintrittstickets Hilfe von der Touristinformation erhalten könnten. Nicht jeder habe Internet.

Bodo Schreiber (Freie Liste) dankte für die gute Vorlage und berichtete, in anderen Freibädern werde mit farbigen Armbändern gearbeitet, um die Anzahl der Schwimmer zu kontrollieren. Bürgermeister Keller antwortete, sie würden das prüfen, die Stadtverwaltung wolle den Badebetrieb aber möglichst frei gestalten.

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