Die Demonstranten starten einen spontanen Marsch vom Lindenhof in Richtung Stadt. Foto: Kopf

Die große Eskalation ist ausgeblieben, ganz friedlich war es aber auch nicht. Rund 200 Aktivisten waren bei der Demonstration gegen Heckler & Koch vor Ort. Das ausgegebene Ziel, die Produktion im Werk lahmzulegen, ist der Gruppe nicht gelungen.

Oberndorf - Nicht nur für die Heckler & Koch-Mitarbeiter in der Frühschicht begann der Tag zeitig, auch die Einsatzkräfte und Demonstranten waren früh vor Ort. Gegen 6.30 Uhr sorgte eine Gruppe von circa 20 Aktivisten am Kreisverkehr für die ersten Verkehrsbehinderungen.

Ruhiger Vormittag

Den ersten größeren Aufmarsch gab es zwischen 8.30 und 9 Uhr. Hier stand der Verkehr für ein paar Minuten still. Bei Temperaturen im einstelligen Bereich waren die Demonstranten dick eingepackt und teils kreativ angezogen. Die Polizei war mit mehreren Hundert Beamten vor Ort, unterstützt von einem Helikopter. Insgesamt verlief der Vormittag aber weitgehend ruhig. Ein erstes Zwischenfazit gibt es um 12 Uhr von Polizeisprecher Marcel Ferraro: "Die Versammlung verläuft komplett friedlich und die Teilnehmer halten sich an die Vorgaben". Zudem schätzte er die Teilnehmerzahl auf 200. Ein Pressesprecher der Gruppe hatte vorab "mehrere Hundert" Personen angekündigt.

Hier geht es zu unserem ausführlichen Liveblog

In Oberndorf war mit Lisa Mendel eine Pressesprecherin des Bündnisses "Rheinmetall entwaffnen" vor Ort. Als Ziel gab sie an, dass es am Freitag keine Waffe bei Heckler & Koch vom Band schafft. Das Ziel, die Produktion komplett lahmzulegen, ist der Gruppe nicht gelungen. Auch, wenn auf Twitter Erfolgsmeldungen in dieser Hinsicht verkündet wurden.

Busse für Mitarbeiter

Marco Seliger, der Pressesprecher von Heckler & Koch, gab vor Ort Auskunft über den Status der Produktion: "Die Frühschicht läuft wie geplant und auch die weiteren Schichten sollen normal vonstattengehen". Später war zu sehen, dass die Firma eigens Shuttle-Busse für die Mitarbeiter organisiert hatte, damit diese sicher zur Arbeit und wieder nach Hause kommen. Im Vorfeld war allerdings durchgedrungen, dass die Belegschaft in reduzierter Zahl im Einsatz ist.

Seliger zeigte sich des Weiteren einverstanden mit der Art des Protestes. "Wir leben in einem demokratischen Land mit Meinungsfreiheit und das ist auch gut so. Wenn ich die Slogans aber teilweise lese, muss ich mich fragen, welche wichtigeren Themen dahinter stecken. Was ist uns Sicherheit wert?"

So müsse man sich nach seiner Aussage fragen, ob man bewaffnete Polizisten wolle, die für die Sicherheit der Bürger sorgen. Wenn ja, müsse man sich fragen, wo man diese bestellt. "Heckler und Koch liefert nur an Länder der Nato und EU. Bestellungen im Ausland können mit dem Anspruch kollidieren, moralisch sauber zu sein."

Zum Thema: Polizei rechnet mit "gewaltorientierten Linksextremisten"

Kurioserweise heizte sich die Stimmung zwischen Demonstranten und Polizei dann erst auf, als das Gelände der Firma verlassen wurde. Zuvor hatte es noch ein gut zweistündiges Tribunal der Gruppe gegeben. Dabei wurde der Konzern von einem Aktivist "angeklagt" und mehrere "Zeugen" machten eine Aussage. Dabei wurden unter anderem Lothar Eberhardt aus Horb und Jürgen Grässlin, der per Video zugeschaltet war, angehört. Weit gereist waren Vertreter der Gruppe der Zapatistas aus Mexiko, die aus ihrer Sicht die Auswirkungen von Waffenexporten schilderten und von den Teilnehmern tosenden Applaus bekamen.

Spontaner Marsch

Die Gruppe machte sich dann, begleitet von einem Großaufgebot der Polizei, in Richtung Oberstadt und dann weiter Richtung Bahnhof auf. Der Protestmarsch war spontan geplant worden und dementsprechend erst vor Ort von der Polizei genehmigt.

Der Marsch führte zu etlichen Verkehrsbehinderungen. Die bis dahin recht friedliche Stimmung kippte zunehmend. Mit Bannern und Sprechparolen machte die Gruppe ihrem Ärger Luft und äußerte neben Heckler & Koch und der gesamten Rüstungsindustrie auch Kritik an der Bundesregierung.

40 Platzverweise verhängt

Auf dem Fußweg Schützensteige gab es dann erste körperliche Auseinandersetzungen zwischen Polizeibeamten und den Demonstranten. Die Situation stand kurz vor der Eskalation, auch in der Oberstadt gab es Konflikte. Der Protestzug beruhigte sich aber wieder und kam schließlich ohne weitere Zwischenfälle am Bahnhof an. Dort wurden zum Abschluss mehrere Reden gehalten und die Demonstration schließlich offiziell beendet.

In seinem Fazit zeigte sich Polizeisprecher Ferraro trotz der Zwischenfälle zufrieden. "Wir bewerten den Gesamteinsatz zufriedenstellend. Die Rangeleien hatten aus unserer Sicht noch nichts mit Eskalation zu tun. Stand jetzt haben wir keine Verletzten zu melden. Der Kräfteaufwand war aus meiner Sicht gerechtfertigt. Es hat sich gelohnt, dass wir so präsent vor Ort waren." Zudem erklärte er, dass Platzverweise gegen 40 Demonstranten ausgesprochen worden seien. Erklärtes Ziel des Polizeipräsidiums Konstanz sei gewesen, einen reibungslosen Ablauf des Schichtdienstbetriebes der Firma Heckler & Koch zu gewährleisten, hieß es am Abend. Dies sei gelungen.

Ebenfalls zufrieden zeigt sich am Nachmittag Pressesprecherin Lisa Mendel vom Bündnis "Rheinmetall entwaffnen". "Wir waren präsent auf den Straßen und haben ein Zeichen gegen die Rüstungsindustrie gesetzt. Zudem hatten wir ein buntes Repertoire an Protestformen. Aus unserer Sicht hat die Polizei eine unverhältnismäßige Drohkulisse aufgebaut und es war klar zu sehen, auf welcher Seite sie steht. Wir wollten viele Menschen erreichen und das haben wir denke ich geschafft."n Weitere Bilder und Videos auf www.schwarzwaelder-bote.de