Neulich an der Bildechinger Steige: Der Mini-Blitzer wird installiert. Der Ordnungshüter richtet das Gerät noch, dann versteckt er sich hinter der Mauer. Ein Autofahrer: „Er hat mich gleich doppelt geblitzt!“
Das Rathaus spricht von „Messgeräten“ und „Geschwindigkeitskontrollen“. Für viele Autofahrer sind es Radarfallen. Ein Beispiel gefällig?
Die Bildechinger Steige. Haus Nummer 11. Bergab hinter dem stationären Blitzer. Die Sonne scheint, es ist kurz nach 13 Uhr. Rechts stehen graue und braune Mülltonnen, dahinter vertikal die Betonwand der Garage im Hang. Oben hängt das Zebrastreifenschild.
Stativ mit Kästchen
Vor der Betonwand – auf den ersten Blick kaum zu erkennen: Ein Stativ mit einem Kästchen. Plötzlich kommt der Ordnungshüter ums Eck, richtet noch etwas am Blitzer. Dann verschwindet er hinter der Betonmauer.
Erwischt! Rathaussprecherin Inge Weber: „Es handelt sich um eine Stativlösung von der Firma Jenoptik. Sie wird seit Mai 2022 aktiv für die Geschwindigkeitsmessung eingesetzt!“
Doppelt erwischt
Und sorgt seitdem für jede Menge neuer Einnahmen. Und Ärger. Ein Autofahrer: „Mich hat dieses Ding gleich doppelt auf der Bildechinger Steige erwischt. Als der Bescheid kam, habe ich sofort Einspruch eingelegt. Ich zahle doch nicht doppelt!“
Eine Autofahrerin: „Die lauern einem regelrecht auf! Mich hat es schon mehrmals erwischt!“
Die letzte, spektakuläre Geschwindigkeitsmessung auf der Bildechinger Steige war vor zwei Jahren. Damals mit dem silbernen Blitzerbus.
Anlagenfundus erweitert
Das Rathaus hat seitdem aufgerüstet. Rathaussprecherin Inge Weber: „Ein Messwagen von der Firma ESO GmbH, die semistationäre Messanlage „Marvin“ und in der Kombination zwei mobile Stativlösungen. Die Stativlösung erweitert die bisherige Ausstattung und ermöglicht es an Standorten zu messen, die zuvor nicht möglich waren.“
Gerät mit Lasertechnologie
Der silberne Blitzerbus ungefähr gegenüber der „neuen Stativlösung“ fiel den meisten Autofahrern auf der Bildechinger Steige immerhin ins Auge.
Die kleine Radarfalle. Vermutlich der Traffistar S350 von Jenoptik. Das Gerät setzt auf Lasertechnologie. Der Hersteller schreibt: „Die TraffiStar S350 in Kombination mit einem Stativ eignet sich für jedes Gelände. Sie können die Anlage auch an Orten aufstellen, die schwer zugänglich sind. Das Designkonzept ermöglicht den transportablen Messbetrieb in drei verschiedenen Anwendungen: Neben dem Stativeinsatz nutzen Sie das Messsystem für die stationäre sowie semistationäre Geschwindigkeitsmessung.“
Mehr Bußgeldeinnahmen
Im November 2021 erhöhte die Bundesregierung den Bußgeldkatalog für Temposünder. Der Horber Haushaltsplan 2023: „Es erhöht sich der Planansatz für Bußgelder und Verwarnungen um 700 000 Euro auf 2,4 Mio. Euro. Die Anpassung des Planansatzes ergibt sich unter anderem durch den geänderten Bußgeldkatalog!“
Im letzten vorliegenden Quartalsbericht zum Haushaltsvollzug wurden bis Ende März gut 550 000 Euro Bußgelder erwartet. Es kamen 32178 Euro mehr rein.
Woher? „Der Zahlungseingang ergibt sich aus Bußgeldbescheiden, Verwarngelder aus dem fließenden und ruhenden Verkehr sowie zu einem geringen Anteil aus Baurecht-Zwangsgeldern.“
Sieht also so aus, dass die „Stativlösung“ mit ihrer Platzierung – die im Volksmund Radarfalle heißt – das Stadtsäckel ordentlich füllt. Aber es werden auch Raser erwischt. Der Schlimmste dieses Jahr, so die Rathaussprecherin: „Eine Überschreitung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit um 67 km/h, die zulässige Geschwindigkeit lag bei 30 km/h.