Im Oktober 2023 stand der „Mini-Blitzer“ an der Bildechinger Steige. Wenige Meter hinter der stationären Blitz-Anlage. Damals bestritt das Rathaus, dass hier eine Radarfalle aufgebaut wurde. Foto: Jürgen Lück

Das Rathaus Horb betont immer, dass die Geschwindigkeitskontrollen dort gemacht werden, wo Fußgänger oder Radfahrer gefährdet sein können. Doch warum steht der Blitzer an einer Stelle, wo es nicht mal einen Fußweg gibt?

Das Rathaus. Immer wieder wird betont: Wir stellen keine Radarfallen auf. Egal, ob der neue „Mini-Blitzer“ an der Bildechinger Steige steht oder an der Hochbrücken-Baustelle. Doch was macht die TraffiStar S350 Stativlösung an einer Stelle, an der es offensichtlich gar nicht gefährlich ist, Gas zu geben?

 

Die Stadtkasse ist klamm. Fieberhaft suchen die Gemeinderäte und das Rathaus nach Einsparmöglichkeiten, um das dauerhaft drohende Defizit von mindestens 10 Mio. Euro pro Jahr zu reduzieren. Wird jetzt klammheimlich auf Radarfallen gesetzt?

Mini-Blitzer hinter Ampelpfosten versteckt

Der Mini-Blitzer gegen 12 Uhr mittags: Er ist hinter dem Ampelpfosten an der Kreuzung Rauher Stich/B 28 platziert. Foto: Jürgen Lück

Unsere Redaktion entdeckte den „Mini-Blitzer“ am Montag, 11. Februar. Schön versteckt hinter dem Ampelpfosten an der Kreuzung zwischen der Kreuzung am Rauhen Grund, wo es zum Recyclinghof geht, und der B 28 Richtung Bildechingen. Dort ist Tempo 60 laut Verkehrsschild erlaubt. Weil das Ortsschild schon vorher war, kostet einmal blitzen laut ADAC mindestens 20 Euro (außerorts).

Doch warum steht der Blitzer hier? Ist hier Gefahr für Fußgänger oder Radfahrer? Fakt ist: Hinter dem Blitzer und dem Ampelpfosten ist kein Weg auf der Wiese zu erkennen Richtung Haugenstein/Rauschbart.

Kommt man raus, sieht man, dass der gemeinsam genutzte Rad- und Fußweg Richtung Bildechingen gegenüber vom Blitzer ist. Dort geht der Weg auch weiter. Wie gefährlich ist ein Autofahrer, der gegenüber bergauf vielleicht etwas zu viel Gas gibt?

17 Uhr. Die Mini-Radarfalle ist weg. Gut zu sehen: Auf der gegenüberliegenden Seite ist der gemeinsam genutzte Fuß- und Radweg zwischen Bildechingen und Horb. Foto: Jürgen Lück

Fakt ist: Die neue „Traffistar S350 Stativlösung“ gilt als offenbar als der neue Hoffnungsträger bei den Bußgeldeinnahmen. Im Haushaltsplan 2024 ist präzise aufgelistet, was die mobilen Blitzer der Stadt an Fällen (Ordnungswidrigkeitsanzeigen) bringen sollen. Die Lichtschrankenanlage hat 2022 offenbar 3985 Knöllchen gebracht. Im Jahr 2024 waren hier nur noch 2500 Ordnungswidrigkeiten geplant.

Die „TraffiStar S350 Stativlösung“ holte im Jahr 1.684 amtliche Knöllchen, im Jahr 2024 sollten es laut Haushaltsplan 4 000 Ordnungswidrigkeits-Anzeigen sein. Das Rathaus sagt: „Die Stativlösung wird im ähnlichen Umfang auch im Jahr 2025 eingesetzt.“

Ist das nun eine Radarfalle oder nicht?

Rathaussprecherin Diana Fischer: „Mit dieser Frage können wir wenig anfangen. Die Geschwindigkeitsmessanlage wurde an diesem Standort installiert, da es sich um einen Unfallschwerpunkt handelt. Zudem befindet sich hier ein Einmündungsbereich mit querenden Fußgängern und Radfahrern. Darüber hinaus wurden an dieser Stelle wiederholt Überschreitungen der zulässigen Höchstgeschwindigkeit festgestellt.“

Der neue Mini-Blitzer ist sehr flexibel. Er kann sowohl im Bus als auch als Stativlösung eingesetzt werden.

Kann der Mini-Blitzer als Aushilfe zum Doppel-Blitzen dienen?

Kann er auch in den gerade frisch installierten Lasermess-Säulen als Aushilfe eingesetzt werden, weil die „Radarfallen“ bisher nur in einer Richtung Temposünder messen können?

Rathaussprecherin Fischer: „Die Stativlösung basiert auf dem Messsystem Traffistar S 350 der Firma Jenoptik, das sowohl im semistationären als auch im stationären Betrieb eingesetzt werden kann – einschließlich der neuen Tower.“

Ob der Mini-Blitzer jetzt als „Aushilfe“ zum Doppel-Blitzen in den Lasermess-Säulen eingesetzt wird, dazu sagt das Rathaus: „Die Tower selbst sind bereits mit Kameraeinheiten ausgestattet, so dass das andere Messsystem dort nicht zum Einsatz kommt.“