Wer es am Schwenninger Marktplatz aktuell eilig hat, für den kann es teuer werden. Die Platzierung des Blitzers hat dabei eine besondere Ironie, findet unsere Autorin Simone Neß.
Manchmal schreibt die Stadt die Ironie der Geschichte selbst. Denn offenbar wusste man in der Uhrenindustriestadt schon immer: Zeit ist Geld.
Dieses Motto wird am Schwenninger Marktplatz aktuell besonders wörtlich genommen. Denn dort hat die Stadt einen Blitzeranhänger platziert – und der lauert ausgerechnet im Schatten der Statue „Eilende Zeit“.
Mit ihrer Sanduhr und dem wallenden Kleid sieht die steinerne Dame wahrlich gestresst aus – so, wie vielleicht manch Autofahrer, sobald das rote Blitzlicht aufleuchtet.
In Schwenningen wird die Statue auch „Olfewiib“ genannt, was sich auf die „Elf-Uhr-Frauen“ der Uhrenindustrie bezieht. Um 11 Uhr begann damals für die Arbeiterinnen die Mittagspause, in der sie nach Hause eilten, um das Essen für die Familie vorzubereiten. Pünktlich um 13 Uhr standen sie dann wieder in den Uhrenfabriken.
Wer es aktuell am Marktplatz also zu eilig hat – ganz egal zu welcher Uhrzeit – und an der Statue unbedacht vorbeirauscht, der muss mit einem entsprechenden Bußgeldbescheid rechnen. Schneller als 20 Kilometer pro Stunde darf hier nicht gefahren werden – da sucht so mancher noch eilig das Bremspedal und hofft, dass die Zeit auf seiner Seite ist.
Wären die „Elf-Uhr-Frauen“ also noch heute unterwegs, hätten sie womöglich einen Punkt in Flensburg, noch bevor das Essen fertig ist.