Langweilig kann es ihm nie werden. Julian Limberger hat drei berufliche Standbeine: er ist Grundschullehrer, Veranstalter der Comedy-Night und Blindenreporter beim Sport-Club Freiburg.
Nach einem Schülerpraktikum in einem Kindergarten stand für den heute 35-Jährigen, der mit seiner Familie in Hausen ob Verena lebt, fest, dass er sich beruflich mit Kindern befassen würde und er studierte in seiner Heimatstadt Freiburg für das Grundschullehramt die Fächer Deutsch, Geschichte und Sport.
Seine erste Stelle erhielt er 2018 an der Klosterringschule in Villingen. Hierher kam der Freiburger gerne, denn durch seine in Donaueschingen lebenden Großeltern kannte er die Gegend gut.
An der Grundschule mit wahlweiser Ganztagsbetreuung fühlt er sich wohl: „Es gab noch keinen Tag, an dem ich keine Lust zu arbeiten hatte“, sagt er lachend. Als Klassenlehrer einer dritten Klasse begegnet er täglich den Herausforderungen seines Berufsstandes, die nach der Coronapandemie nicht kleiner geworden sind.
„Man merkt Kindern an, wenn sie aufgrund der Lockdowns keinen Kindergarten besuchen konnten“, nennt er ein Beispiel. An seinem „Erstberuf“ liebt er die Kreativität und er genießt es, wenn er seine Schülerinnen und Schüler mit seinen eigenen Interessen begeistern kann.
Radio- und Video-AG
Nachdem er durch ein Praktikum bei einem Radiosender diese berufliche Richtung durchaus in Erwägung gezogen hatte, setzte er diese Neigung an der Klosterringschule mit der Gründung einer Radio- und Video-AG um und erfreut sich dabei stetigen Zulaufs. Alle zwei Monate erschallt im Schulhaus eine von Schülern gemachte Radiosendung mit Berichten sowohl über Kommunalpolitik als auch über das Schulgeschehen, Schülerhobbys und allerlei Themen, die von den Schülern selbst aufgegriffen und zu Radioberichten umgesetzt werden.
Blindenreporter beim SC
Dass dabei auch Sport eine große Rolle spielt, liegt sicherlich auch an Julian Limbergers zweitem Beschäftigungsfeld. Als der Sport-Club Freiburg vor elf Jahren Interessierte suchte, die bei Heim- und Auswärtsspielen des Bundesligisten Menschen mit Sehbehinderung begleiten und das Geschehen auf dem Spielfeld kommentieren, hob er die Hand und ließ sich zum Blindenreporter ausbilden. Rund zehn Personen, im gesamten Stadion verteilt und mit ihm auf der Pressetribüne per Funk verbunden, erleben die Spiele seither mit Limbergers Augen.
Durch etliche Rückmeldung der Betroffenen und die regelmäßigen Trainings weiß er, dass es, anders als bei Radioübertragungen, besonders auf die Schilderung der Spielzüge ankommt. Da fallen Sätze wie „Freiburg kommt mit Günter über links, zehn Meter von der Auslinie auf Höhe der Mittellinie“. Ein anstrengender Job. Deshalb sei man auch immer zu zweit vor Ort und wechsle sich alle zwei bis drei Minuten ab, erzählt der Blindenreporter.
„Fasnet für älle“
Das von der Deutschen Fußballliga schon bei allen Erst- und Zweitligisten initiierte Teilhabe-Angebot gibt es mittlerweile auch bei anderen Sportarten – und bei der Fasnet. Im Kölner Karneval sind derlei Übertragungen für Menschen mit Handicap schon lange eine Selbstverständlichkeit. Gerade eben wurden darauf auch die Villinger Fastnachter aufmerksam und initiierten das inklusive Projekt „Fasnet für älle“, wofür aktuell Helfer und insbesondere Menschen gesucht werden, die sich als besondere Reporter im Sprechen ausbilden lassen würden. Am 29. November findet unter der Leitung von Julian Limberger ein Workshop im Bad Dürrheimer Narrenschopf statt – Anmeldungen über inetragtion@villinger-fasnet.de.
Ein guter Blindenreporter spricht generell gerne, ist sozial eingestellt und „sollte keine Angst vorm Scheitern haben“, nennt Julian Limberger die idealen Voraussetzungen. Sowohl in Konstanz und Aulendorf als auch in Bad Dürrheim war Julian Limberger selbst schon Fasnetsumzug-Kommentator.„Die Menschen sind so dankbar“, sagt er und es sei ein sehr gutes Gefühl, dass man sie auf diese Weise am ganz normalen Leben teilhaben lassen könne.
Comedian und DJ
Fehlt noch die Comedy. Schon als 20-Jähriger stand Julian Limberger als Nachwuchs-Comedian auf diversen Bühnen, entschied sich dann aber, erst einmal „etwas Vernünftiges“ zu lernen, wie es sein Vater damals begrüßte.
Bis heute lässt er sich gerne für private Feiern – auch als DJ – buchen, frönt seinem Hobby aber auch als Veranstalter der „Comedy Night“, die er seit sechs Jahren viermal jährlich im Theater am Turm in Villingen zusammenstellt, das nächste Mal am 20. Dezember.
Das Format hat sich längst herumgesprochen, – die Bewerbungen dafür trudeln inzwischen von alleine ein.