Franz Moser (Mitte) bedankt sich bei Johannes Waldschütz (rechts) und Armin Braun (links) für den Geschichtsvortrag von Mariazell und Locherhof. Foto: Herzog

Nach dem Willen der Nationalsozialisten sollten Locherhof und Mariazell bereits 1939 sich zu einer Gemeinde zusammenschließen. Gut 33 Jahre später war es dann soweit.

Im zweiten Teil des Vortrags zu den beiden Ortsjubiläen 700 Jahre Locherhof und 750 Jahre Mariazell in der Mühlbachhalle durchleuchtete Kreisarchivar Johannes Waldschütz erneut die Geschichte von Mariazell, die um 1800 fortgesetzt wurde.

 

Mariazell kam 1806 zu Württemberg. 1840 löste sich Hardt von Mariazell, wodurch die Bevölkerungszahl um 40 Prozent auf 692 sank. Erst 1970 stieg sie auf mehr als 900. 1886 wurde ein Schulhaus errichtet, das heutige Rathaus in der Ortsmitte, und 1893 die Kirche gebaut.

Nachdem bis 1895 noch zwei Drittel der Bevölkerung in der Landwirtschaft arbeitete, ergaben sich neue Arbeitsmöglichkeiten in den Fabriken von Locherhof und Schramberg. Die Stadt trieb eine Streckenführung der Schwarzwaldbahn über Hausach, Schiltach, Schramberg, Sulgen, Mariazell, Weiler und Villingen an, gebaut wurde jedoch nur die badische und teurere Lösung.

Mehl im Güllefass

Kurz vor Ausbruch des Weltkriegs 1914 gab es elektrisches Licht. Während des Kriegs wurden Orgelpfeifen entfernt, und es musste Geschirr aus Messing und Nickel abgegeben werden.

Die „spanische Grippe“ um 1920 und eine Hungersnot sorgten für schwierige Zeiten. 1939 wollten die Nazis den Zusammenschluss von Locherhof und Mariazell, die Zustimmung des Gemeinderats Mariazell lag bereits vor. Da brach der Zweite Weltkrieg aus, bei dem Getreide im Beichtstuhl und Mehl im Güllefass versteckt wurden.

Prägnante Worte

Unter den vielen von Johannes Waldschütz ausfindig gemachten Geschichten ragte die von Erich Jauch heraus, die aktuell präsenter denn je ist: „Etwas Dümmeres wie ein Krieg gibt es wirklich nicht. Es gibt ja eigentlich nur Verlierer. Es hätte jeder genug zum Leben. Aber dann kommt so ein Wirrkopf mit großem Maul, der meint, er könnte die Welt erobern.“

1946 wurde August Schumacher zum Bürgermeister gewählt, zwischen 1950 und 1952 folgten der Bau einer Wasserleitung und Pumpstation mit Wasserhochbehälter. In den Bauboom der 1960er-Jahre fielen die neue Schule, Anbau Kindergarten und Sonnensaal und verbreiteten bescheidenen Wohlstand.

Kampf um Selbständigkeit

Während der 1972 verstorbene Bürgermeister Schumacher um die Selbständigkeit Mariazells kämpfte, wollte das Innenministerium die Ortschaft nach Schramberg und Locherhof nach Dunningen eingemeinden. Als klar war, dass Mariazell und Locherhof zusammengehen, sollte die neue Gemeinde „Mariahof“ heißen. Die Landesregierung lehnte das ab, weshalb man sich auf Eschbronn einigte. Im Februar 1973 wurde Siegfried Kammerer zum ersten Bürgermeister gewählt. Auf ihn folgte 1989 Walter E. Ziegler (bis 2013).

„Das Fundament ist bereitet“

Im Anschluss beantworteten Johannes Waldschütz und Armin Braun – er berichtete über Locherhof – Fragen von Bürgern. Als Ex-Gemeinderat Manfred Schmieder sagte, noch heute seien Fundamentteile der geplanten Kirche von Unternehmer Karl Härdtner vorhanden, blickte Bürgermeister Franz Moser zu Pfarrer Eberhard Bühner und schmunzelte: „Herr Bühner, das Fundament ist bereitet.“