Der Kunstverein Hasemann-Liebich widmet sich mit einer Sonderausstellung dem Vermächtnis der Maler-Geschwister Roman.
Mit der Vernissage zur Sonderausstellung mit Werken der Malerfamilie Roman öffnete der Kunstverein Hasemann-Liebich am Sonntag ein weiteres Fenster zur Kunstgeschichte des Malerdorfs Gutach. Kurator Andreas Schätzle hatte, aufbauend auf lediglich zwei Roman-Werken im Privatbesitz und befeuert vom Geist der umfangreichen Korrespondenz zwischen der Roman-Familie und Wilhelm Hasemann, die ihm von Hasemann-Urenkelin Ellen Heinemann überlassen worden war, binnen kurzer Zeit eine umfangreiche Werkschau von Bildern aus dem Oeuvre von Max (der „zahme“ Roman), Viktor (der „wilde“ Roman), der „Blumenmalerin“ Frida und Max‘ Ehefrau Käthe Roman-Försterling zusammengetragen.
Zum Tode Frida Romans hatte es in einer Karlsruher Galerie letztmals 1919 eine Ausstellung mit den Werken der Geschwister gegeben.
Die Gutacher Ausstellung holt nun, mehr als 100 Jahre später, die Geschwister Roman aus der Vergessenheit. Max und Viktor standen als Landschaftsmaler in der Tradition Wilhelm Hasemanns. Dank der Schwarzwaldbahn war ein Besuch in der Gutacher Malerkolonie ohne viel Reisestrapazen möglich. Max Roman und Wilhelm Hasemann entdeckten gemeinsam den Nutzen der Fotografie für ihre Malerei – beispielhaft in der Ausstellung dokumentiert durch fotografische Ansichten aus Gengenbach, die Hasemann angefertigt hatte. Max Roman dienten sie als Vorlage für ein Bild.
Viktor Roman trug den Beinamen „der Wilde“
Warum Max‘ Bruder Viktor den zeitgenössischen Beinamen „der Wilde“ verliehen bekommen hatte, illustrierte Schätzle an zahlreichen Anekdoten: Während Max schnell an der Kunstschule in Karlsruhe Karriere machte, schwänzte der ebenfalls als Zeichenlehrer angestellte Viktor gerne einmal die Lehrerkonferenzen und verbrachte seine Zeit lieber in Gutach. Hier fand der „hochoriginelle Freund Wilhelm Hasemanns“ viele köstliche Abende in den Wirtshäusern vor. Neben guten Geschichten von seinen zahlreichen Reisen hatte er auch immer guten Tabak dabei.
Aus Max‘ Werk sind zahlreiche Landschaftsbilder in der Ausstellung vertreten, die sonnendurchfluteten italienischen Landschaften wechseln sich ab mit badischen Auenlandschaften in herbstlichen Farben. Von Viktor Roman sind schöne Aquarelle, unter anderem ein Porträt einer Magd, für die Ausstellung ausgewählt worden. Die Zusammenarbeit beider Brüder mit Wilhelm Hasemann wird in der Ausstellung mittels einer Vitrine mit Skizzen und Grafiken zu dem berühmten Standardwerk „Jensen – der Schwarzwald“ dokumentiert.
Frida Roman hatte es als Frau in der Kunstwelt schwer
Gut recherchiert ist auch der künstlerische Werdegang der Schwester Frida Roman, die es als Frau in der Kunst ungleich schwerer hatte. Erst 1888 wurde sie nach beharrlichem Warten im Alter von 31 Jahren an der Karlsruher Zeichenschule zugelassen. Dem „schwachen Geschlecht“ wurde aber lediglich der Besuch der „Blumenklasse“ gestattet. Zwar fanden ihre Blumen-Stillleben Käufer in den Reihen des Freiburger Kunstvereins. Ihr eigentliches Interesse galt aber der für „Blumenmädchen“ unschicklichen Porträtmalerei.
Eindringlich bat Frida 1896 in einem Brief an Wilhelm Hasemann um Privatstunden in Gutach. Sie wolle endlich auch „Köpfe malen“. Der Bitte kam Hasemann nach. Max‘ Frau Käthe Roman-Försterling reüssierte künstlerisch unter anderem an der staatlichen Majolika in Karlsruhe. Dort erhielt sie als erste Frau den Auftrag, Keramiken zu entwerfen. Ihr künstlerisches Schaffen endete mit der Scheidung von Max Roman und der darauffolgenden Entmündigung unter Verweis auf psychiatrische Gutachten. Mit der Emigration in die USA verlor sich Roman-Försterlings Spur 1930. Das künstlerische Erbe der Geschwister Roman geriet nach dem Tod Fridas 1918 (Max war bereits 1910, Viktor 1916 verstorben) weitgehend in Vergessenheit.
Öffnungszeiten
Die Sonderausstellung im Hasemann-Liebich-Museum ist noch bis zum 16. August 2026 zu sehen. Öffnungszeiten sind samstags, sonntags und feiertags von 14 bis 17 Uhr.