In Eutingen im Gäu steht eines von vier DHL-Paketzentren in Baden-Württemberg. Wir waren vor Ort und durften hinter die Kulissen des 114.000 Quadratmeter großen Grundstücks schauen. [Archiv]
Eutingen - Es ist circa 15 Uhr. Mit Sicherheitsschuhen und Warnweste ausgestattet – dazu mit einer OP-Maske – betrete ich mit Pressesprecherin Jasmin Derflinger und Jens Rapp, dem Leiter des Paketzentrums, einen der wichtigsten Räume des gigantischen Gebäudes. Hier sitzt die Schichtleitung, welche die gesamte Produktion steuert. Überall ist modernste Technik, mehrere Kameras zeigen die verschiedenen Eingänge, gerade fährt ein Lastwagen vor und meldet sich an. "Bitte fahren sie zum Tor 212 vor", wird er angewiesen. Der Mitarbeiter sagt mit einem Grinsen: "Richtig spannend wirds hier gegen 18.30/19 Uhr. Dann kommen die LKWs im Minutentakt an."
Hundertausende Pakete
Die Menge an Paketen, die dann nach Eutingen – ins 1995 fertiggestellte Zentrum – gebracht werden, lässt sich nur erahnen. Denn bereits am frühen Nachmittag ist eine Menge los. Wir betreten die Produktionshalle, welche auf zwei Schenkel aufgeteilt ist. "Beide sind identisch aufgebaut. Der linke Schenkel ist 231 Meter lang, der Rechte sogar 259 Meter. Die Stirnbreite des Paketzentrums beträgt 126 Meter", erklärt Rapp. Man weiß gar nicht wo man hinschauen soll.
In der Halle herrscht ein ordentlicher Geräuschpegel. Und es gibt eine Menge "Verkehr". Pakete werden von A nach B gebracht, verschiedene und moderne Fahrzeuge sind unterwegs. "Da braucht man einen speziellen Führerschein", erklärt Rapp. Aber auch gelbe Fahrräder sind zu sehen. Die Wege sind nun mal weit und Zeit ist ein knappes Gut im Paketzentrum.
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"Die durchschnittliche Menge an Paketen, die hier aktuell täglich ein- und ausgehen, beträgt 270.000 Stück", erläutert Rapp. Ich staune über diese immense Zahl. Doch das ist nur die Spitze des Eisbergs, denn Rapp kommt auf das Weihnachtsgeschäft zu sprechen. "Dann haben wir hier im Paketzentrum Eutingen auch mal über 500.000 Pakete täglich." Jasmin Derflinger ergänzt: "Deutschlandweit sind es circa 6,7 Millionen Pakete pro Tag." In Eutingen können im optimalen Fall pro Stunde 34.000 Pakete bearbeitet werden. Für diese Menge braucht es ein starkes und großes Team.
Viele Aufgaben für Rapp
Die Summe an Mitarbeitern ist beim Gang durch das Zentrum schwer zu schätzen. Fest steht aber: Die Stimmung ist gut. Hier eine Faust zur Begrüßung, da ein kurzes Hallo. Ein Mitarbeiter verteilt Orangen an die Kollegen. Rapp meint: "Wir achten sehr auf den Arbeits- und Gesundheitsschutz. Viele Kollegen sind bereits schon viele Jahre hier." Insgesamt sind rund 500 Mitarbeiter in Eutingen tätig, dazu gibt es 100 Abrufkräfte, die beispielsweise im Weihnachtsgeschäft oder in Teilzeit mitarbeiten. Koordiniert werden sie von Jens Rapp – die Personalplanung ist neben dem Arbeitsschutz und der Budgetierung eine seiner wichtigsten Aufgaben. "Ich schaue jeden Tag über die verschiedenen Schichten. Und bin grundsätzlich in alle wichtigen Entscheidungen eingespannt", so der 34-Jährige.
Ein Quereinsteiger
Seit knapp eineinhalb Jahren leitet Rapp das Paketzentrum in Eutingen. 37 Stück dieser Art gibt es in Deutschland, neben Eutingen ist Baden-Württemberg noch mit Lahr, Bruchsal und Köngen vertreten. Rapp ist Quereinsteiger und erst seit 2017 bei der Deutsche Post DHL. "Ich war 3,5 Jahre Betriebsleiter im Zustellstützpunkt (ZSP) Albstadt-Tuttlingen. Mein Ziel war es schon irgendwann ein Paketzentrum wie in Eutingen zu leiten." Zuvor sammelte er über zehn Jahre Erfahrungen in einer Führungsposition bei der LIDL-/Schwarzgruppe. Derflinger, die extra aus München angereist ist, ergänzt: "In einem ZSP werden auch Briefe verschickt. Man kann sich die Rolle von Herrn Rapp dort als Betriebsleiter vorstellen. Jetzt ist er sozusagen Geschäftsführer."
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Was er an seiner Arbeit schätzt? "Kein Tag ist wie der andere. Man muss immer wieder sofort Entscheidungen treffen. Das macht mir Spaß." Wie groß der Faktor Stress bei dem hektischen Treiben im Paketzentrum ist? "Das hängt immer davon ab, was man daraus macht. Natürlich gibt es stressige Tage, aber das Gefühl, wenn eine Schicht beendet ist und alles funktioniert hat, ist einfach schön", gibt Rapp einen Einblick in seine Gedanken.
Gutes Wetter hilft
Zurück in die Gänge des Paketzentrums. Die Worte von Rapp klingen nach. Sind durchaus nachvollziehbar. Die Mitarbeiter bewegen sich wie ein eingespieltes Team. Jeder Handgriff sitzt. Bei kleineren Störungen blinkt eine orangene Lampe auf. Innerhalb von ein paar Sekunden ist der Fehler schon wieder behoben. Die Mitarbeiter helfen sich gegenseitig. "Ein abteilungsübergreifender Austausch ist sehr wichtig", meint Rapp. Bis auf ein Wartungsfenster jeden Tag herrscht rund um die Uhr Betrieb.
Beim Rundgang bleiben wir alle paar Meter stehen. Rapp erklärt jeden Schritt, kennt die Details. Er wirkt tiefenentspannt. Ob dies auch mal anders ist, frage ich ihn? "Der Worst-Case ist ein Stromausfall. Da geht dann eine Menge Zeit verloren. Schlechtes Wetter kann sich auf unsere Abläufe auswirken. Es ist schwieriger für die Lastwagen auf den Straßen, beim Ausladen werden Barcodes auf den Paketen eventuell nass. Gutes Wetter hilft uns", betont Rapp. Am heutigen Tag scheint die Sonne, Mitarbeiter machen ihre Pause gerne an der frischen Luft, je Schenkel sind draußen Zelte aufgebaut.
Corona sorgt für Zunahme an Paketen
Ich frage was die Corona-Pandemie generell für Auswirkungen auf die Paketzentren hat. "Die Paketmenge ist natürlich exorbitant nach oben gegangen. Zu den Hoch-Zeiten der Pandemie war es wie im Weihnachtsgeschäft", berichtet er. Aber Rapp und sein Team haben auch diese Herausforderung gemeistert. Mit vielen Eindrücken verabschiede ich mich um kurz nach 16 Uhr von ihm. Die heiße Phase des Tages steht ja noch an, da will ich nicht stören...
Info: Der Ablauf vor Ort
Durchschnittlich gehen 145.000 Pakete täglich in Eutingen ein. Der Barcode auf dem Paket verrät alle wichtigen Informationen, so liest die Anlage ob das Paket in der Region bleibt oder in ein anderes Paketzentrum (zum Beispiel nach Hamburg) gebracht werden muss. Der sogenannte Vorsorter leitet das Paket dementsprechend an einen der beiden Hauptsorter weiter. Dort wird das Paket erneut gescannt und landet über Rutschen im richtigen Container. Diese werden dann abends von den Lastwagen abgeholt und an den richtigen Ort weitertransportiert. Gebiete in die mehr ausgeliefert wird, haben mehrere Container, kleinere Gebiete teilweise nur einen. Diese Daten werden regelmäßig überprüft und gegebenenfalls Anpassungen vorgenommen. "Das ist ein laufender Prozess. Bei mehr Paketen braucht es ja auch mehr Fahrzeuge", zeigt Rapp die Zusammenhänge auf. Es gibt 35 Förderbänder im Paketzentrum.. Pakete die beschädigt oder nicht gelesen werden können, landen in der Abteilung Nachbearbeitung und dann wieder auf den Förderbändern. Rapp erklärt: "Der grundsätzliche Prozess bleibt gleich, natürlich versuchen wir die Abläufe immer weiter zu optimieren, wenngleich wir schon maximal schnell sind."