Es ist ein trauriges Jubiläum: Vor fünf Jahren erreichte der Coronavirus den Landkreis Rottweil. Wir erinnern an den ersten Fall.
Mit dem Wissen, was danach alles kam, scheint der Blick auf den ersten Fall im Kreis und die große Ungewissheit heute ganz unwirklich. Fünf Jahre ist es her, als im Kreis Rottweil recht früh in der Pandemie der erste Fall bekannt wurde.
Genau gesagt, fünf Jahre und eine Woche. Es war der 27. Februar 2020, der Tag nach Aschermittwoch, als das Sozialministerium bekanntgab: Das Coronavirus hat den Kreis Rottweil erreicht. Zuvor waren zwei positive Testergebnisse in Tübingen gemeldet worden.
Beim ersten Fall in Rottweil handelte es sich um einen 32-Jährigen, der zuvor im Risikogebiet in Italien gewesen war. Er war am 23. Februar mit seiner Familie aus der Provinz Lodi zurück in den Kreis Rottweil gereist und hatte sich aufgrund der typischen grippeähnlichen Symptome beim örtlichen Gesundheitsamt gemeldet.
Isoliert in der Helios-Klinik
Das Sozialministerium teilte damals mit: „Der Mann wird inzwischen in der Helios-Klinik in Rottweil isoliert behandelt – derweil werden seine Kontaktpersonen ermittelt. Bei seiner Frau, die mit ihm im italienischen Codogno war, sowie bei seinem Kind brachten Tests auf das Coronavirus ein negatives Ergebnis. Sie wurden, so die Mitteilung, nicht in der Klinik behandelt, sondern zu Hause isoliert.“ Die Familie wohne im Kreis Rottweil.
Das Sozialministerium erklärte, man „ermittle derzeit die Kontaktpersonen des 32-jährigen Mannes“, um diese dann – sofern sie Symptome aufweisen – ebenfalls in einer Klinik isoliert behandeln zu können. Die Helios-Klinik vermeldete, man sei vorbereitet gewesen, habe den Pandemieplan des Landes bereits umgesetzt und eine Station als Isolierstation ausgewiesen.
Kurz zuvor tob noch überall die Fasnet
All das sorgte nicht zuletzt deshalb für Verunsicherung, weil in den Tagen zu vor im Jahr 2020 allerorten noch die Fasnet tobte. Ein Jahr später, als sich die Lage drastisch zugespitzt hatte, war dann an Fasnet nicht zu denken. Am 4. Januar 2021 berichtete unsere Redaktion über die Entscheidung der Rottweiler Narrenzunft: Alle Veranstaltungen, und damit auch alle Narrensprünge, sind abgesagt.
Am 17. März jährt sich ein weiterer trauriger Meilenstein zum fünften Mal: An diesem Tag 2020 wurde das erste Todesopfer im Zusammenhang mit dem Coronavirus im Kreis Rottweil gemeldet. Es handelte sich um eine über 80-jährigen Mann, der an einer chronischen Erkrankung gelitten hatte.
Landrat Wolf-Rüdiger Michel wendet sich am 23. März mit einer Erklärung an die Bürger. Er sollte Recht damit behalten, dass man, wie er erklärt, überhaupt nicht absehen könne, wann wieder gesellschaftliche Normalität eintrete. Wichtig sei, dass die medizinischen und pflegerischen Bereiche, die Polizei, die Feuerwehren sowie die Hilfs- und Rettungsdienste handlungsfähig bleiben.
Gleichzeitig bilden sich in diesen Tagen bereits Hilfsinitiativen, die sich um die Grundversorgung von älteren Mitbürgern kümmen und helfen, wo Not am Mann ist. Unglaubliches leisten von Beginn an über Jahre hinweg die Mitarbeiter im Gesundheitswesen, in den Kliniken, in der Pflege.
Kurz vor dem Jahreswechsel 2020 wird dann klar, dass am 15. Januar 2021 das Kreisimpfzentrum in Rottweil in Betrieb gehen wird. Impfstoff ist zu dieser Zeit noch rar.
Jetzt, fünf Jahre später, werden in der Statistik, die auf Daten des Robert-Koch-Instituts basiert, 343 Todesfälle im Kreis Rottweil im Zusammenhang mit dem Coronavirus ausgewiesen. Die Zeit mit der mit Abstand höchsten Zunahme an Covid-Erkrankten war Mitte März 2022. Mehr als 68 000 Infektionen sind registriert – das entspricht einer Infektionsrate von knapp 49 Prozent bei 140 446 Kreisbewohnern.