Bike-Sharing erfreut sich steigender Beliebtheit in Friesenheim. Eine Station ist am Rathaus zu finden. Foto: Bohnert-Seidel

Schüler aus Friesenheim erhielten Einblicke in die Arbeit des Gemeinderats. Thema waren die Mobilitätsstationen, aber auch die schwieriger werdende Finanzlage.

Der Gemeinderat traf sich am Montag zu einer außergewöhnlichen Zeit: Ab 15 Uhr war die öffentliche Sitzung des Gemeinderats – und das hatte einen Grund. Extra für alle achten Klassen an der Realschule und Werkrealschule Friesenheim hat der Gemeinderat früher getagt. Zuvor haben sich die 125 Schüler im Rathaus umgeschaut und erhielten einen Einblick in die kommunale Arbeit. Zur Gemeinderatssitzung stellten sie auch einige Fragen. „Jeder Schüler soll die Verwaltung einer Kommune kennenlernen. Jeder Neuntklässler im Landtag gewesen sein und jeder Zehntklässler einmal den Bundestag erlebt haben“, sagt Schulleiterin Angelika Philipzen gegenüber unserer Zeitung.

 

Vielleicht war die Regionalplan Südlicher Oberrhein in der Teilfortschreibung „Windenergie“ nicht unbedingt von größtem Interesse bei der Jugend. Eigens für diese Sitzung hatte die Verwaltung jedoch die Vorstellung der Nutzungszahlen von den Mobilstationen auf den Tisch gelegt. Schließlich können Jugendliche ab dem 16. Lebensjahr ein Fahrrad an den Mobilitätsstationen ausleihen. Julia Berger von der Wirtschaftsförderung hat das Zahlenwerk vorgelegt. Zuvor wurde jedoch Bürgermeister Erik Weide von einem Schüler nach seiner Motivation, Bürgermeister zu werden, gefragt. Lapidar meinte er: „Weil ich nicht wusste, worauf ich mich einlasse.“ Dann fügte er hinzu: „Es ist ein abwechslungsreiches Amt, was viel Spaß macht. Ich habe einen guten Gemeinderat, der mich selten ärgert und gute Mitarbeiter.“ Außerdem wollte der Schüler wissen, was in der Gemeinde gut laufe und was sehr schlecht.

Was fällt in den Aufgabenbereich eines Bauamtsleiters? Markus Reinbold hat sein Amt den Achtklässlern vorgestellt. Foto: Bohnert-Seidel

Finanziell stehe die Gemeinde noch sehr gut da, so Weide. Große Projekte wie die Sternenberghalle, die saniert worden ist, sowie viele neue Plätze wurden mittels Fördergelder fertiggestellt. Finanziell seien die Zukunftsaussichten jedoch mehr als katastrophal. „Finanziell wird es sehr eng werden“, so Weide. Das Geld wird in den Gemeinden knapper. Jede zusätzliche Busverbindung im ländlichen Raum über den ÖPNV koste viel Geld. Umso wichtiger seien Mobilitätsstationen als flexibles Angebot, erklärte Weide.

Das Carsharing wird noch nicht so gut angenommen

Zu den Mobilitätszahlen betonte Berger: „Friesenheim baut seit 2024 schrittweise ein Mobilitätsnetzwerk mit Bike- und Carsharing-Angebot auf.“ Ziel sei die Ergänzung des bestehenden Mobilitätsangebots durch flexible und klimafreundliche Mobilitätsformen. Angebote gibt es mittlerweile an der Sternenberghalle, am Rathaus in Friesenheim, am Campingplatz in Schuttern, am Bahnhof, an den Ortsverwaltungen in Schuttern und Heiligenzell sowie auf dem Dreiangel in Oberschopfheim und am Landgasthof Mühlenhof in Oberweier.

Carsharing gibt es am Rathaus, dort werde es auch von den Mitarbeitern der Gemeinde genutzt. Weiteres Carsharing ist am Bahnhof möglich sowie demnächst in Oberweier. Dort steht das Bikesharing bereits zur Verfügung. Das Carsharing werde noch nicht so gut angenommen, so Berger. Damit das Carsharing für den Betreiber wirtschaftlich wird, braucht es 20 Kunden pro Fahrzeug und Monat. In Friesenheim sind es aktuell knapp zehn Kunden. Beim Bikesharing sei ein starker Anstieg bis im April 2026 zu verzeichnen. In vier Monaten hätten durchschnittlich 87 Nutzer pro Monat das Ausleihangebot für Fahrräder angenommen. In der Summe ist es seit Einführung des Systems im Jahr 2024 zu 1156 Ausleihen gekommen. Beliebteste Fahrräder sind die Pedelecs.

Berger geht auf die Investition der Stationen ein

Natürlich sei diese Mobilitätsnutzung auch für die Gemeinde nicht zum Nulltarif zu haben, so Berger weiter. Die Gesamtkosten für die Mobilitätsstationen Sternenberghalle und Bahnhof liegen bei knapp 11.4000 Euro. Die Mobilitätsstationen am Rathaus und am Campingplatz schlagen mit knapp 138.000 Euro zu Buche. Die Förderquote liegt bei knapp 33 Prozent. Bei derzeit zwölf Stadträdern und acht Pedelecs entstehen jährliche Betriebskosten von rund 20.000 Euro. Wenn alle Räder in Betrieb sind, entstehen jährliche Betriebskosten in Höhe von 40.000 Euro. Die laufenden Betriebskosten liegen pro Stadtrat und Monat bei 67 Euro. Das E-Bike kostet 108 Euro pro Monat. Es gelte die Bekanntheit des Angebots zu steigern, so Berger.

Geplante Maßnahmen

Die geplante Maßnahmen zur Nutzergewinnung sind: Mobilitätspaten für Carsharing, dauerhafte Bewerbung der Mobilitätsangebot, stärkere Einbindung bei Veranstaltungen, Social-Media-Kampagne, Kooperation mit Fahrschulen, Ansprach von Schulen und Jugendclubs, Gewinnung sogenannter Ankernutzer über Unternehmen, Integration der Fahrzeuge in den kommunalen Fuhrpark.