Während der Pandemie und daher noch mit Mundschutz wurde im Dezember 2021 die neue Katastrophenschutzhalle eingeweiht – durch Landrat Sven Hinterseh im Beisein des Bundestagsabgeordneten Thorsten Frei, der Landtagsabgeordneten Niko Reith, Martina Braun und Guido Wolf sowie Bürgermeister Michael Kollmeier, Bezirksbrandmeister Christoph Glaisner, und einiger Kreisräte. Gesegnet wurde die Halle durch Diakon Michael Radigk. (Archivbild) Foto: Landratsamt Schqwarzwald-Baar-Heuberg

Große Unwetter, Trockenheit, Schäden in der Infrastruktur, eine ansteckende Krankheit, großflächige Stromausfälle, Versorgungsengpässe... Durch die Krisen der vergangenen Jahre rückte der Katastrophenschutz wieder stärker in den Fokus. Auch der Kreis VS hat im größeren Umfang investiert.

Im Zuge der vielen Krisen der vergangenen Jahre – die Coronavirus-Pandemie und der Krieg in der Ukraine sind nur die größten – wurde in Deutschland der Katastrophenschutz wieder stärker in den Blick genommen.

 

Auch im Schwarzwald-Baar-Kreis wurde hier in größerem Ausmaß investiert. Eine der größten Investitionen war der Bau einer Katastrophenschutzhalle auf dem Grundstück der alten Salzhalle in Hüfingen, direkt an der B 27 und der B 33. Aber es passierte in den vergangenen Jahren noch wesentlich mehr.

Behälter aufladen und los!

Schon 2018 beschloss man unter anderem die Anschaffung eines Wechselladerfahrzeugs. Das rund 220 000 Euro teure Fahrzeug macht es möglich, dass je nach Einsatzbedarf unterschiedliche Abrollbehälter aufgeladen und schnell an Ort und Stelle gebracht werden können. So gibt es laut „Leistungsbilanz Kreispolitik 2019 – 2024“ zum Beispiel einen Abrollbehälter „Logistik, Technische Einsatzleitung“ des Landkreises oder einen Abrollbehälter „Notfallstation“ des Landes Baden-Württemberg. „Die Beschaffung des Wechselladerfahrzeugs auf Kreisebene sichert durch die vielseitigen Einsatzmöglichkeiten und die enorme Kosteneffizienz die ständige Einsatzbereitschaft auch für neue beziehungsweise zunehmend komplexere Einsatzlagen“, so die „Leistungsbilanz Kreispolitik 2019 – 2024“.

Neues Fahrzeug

Im Oktober 2023 beauftragte der Ausschuss für Umwelt und Technik die Beschaffung eines Ersatzfahrzeugs für einen inzwischen 36 Jahre alten Gerätewagen „Gefahrgut“. Dabei wird aber nicht alles Bisherige weggeworfen. „Aus Gründen der Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit wird die einsatztaktische Beladung des alten Fahrzeugs zum Teil im neuen Fahrzeug weiterverwendet.“ Die Kreisverwaltung spricht von Kosten von 857 000 Euro.

Satellitentechnik

Für die Absicherung der Kommunikation des Verwaltungs- und Führungsstabs des Landkreises wurde laut Kreisverwaltung Ende 2022 Satelliten-Kommunikationstechnik beschafft. Diese könne sowohl stationär, als auch mobil zum Einsatz kommen. „Dies ermöglicht die Kommunikation zu allen übergeordneten und nachgelagerten Krisenstäben – auch wenn die drahtgebundenen Verbindungen ausfallen.“ Damit stehen laut Kreisverwaltung für die Telefonie und für Internetverbindungen getrennte Satelliten-Kommunikationssysteme bereit.

Die integrierte Leitstelle

Erneuert wird regelmäßig die Hardware der Integrierten Leitstelle beim Schwarzwald-Baar-Klinikum. Aufgabe der Integrierten Leitstelle ist es – so steht es auf der Internetseite des DRK-Kreisverbands VS – „Hilfegesuche und Alarmmeldungen entgegen zu nehmen, über die Auswahl der Hilfe- oder Rettungsmaßnahmen zu entscheiden und den Einsatz der notwendigen Akteure zu veranlassen beziehungsweise zu koordinieren“.

Bei der Integrierten Leitstelle in der Klinikstraße 22 herrscht im Katastrophenfall auch Hochbetrieb. (Archivfoto) Foto: Sautter

Die Rede ist von Einsätzen von der Notfallrettung, über Krankentransporte und Feuerwehr bis zur Vermittlung im ärztlichen Notfalldienst. Dabei befindet sich die gesamte Hardware im 24-Stunden-Dauerbetrieb. Die Leitstelle ist seit Februar 2017 in Betrieb. Das macht inzwischen rund 380 Wochen und mehr als sieben Jahre. „Um die Betriebssicherheit weiterhin dauerhaft sicherzustellen, muss in einem Zyklus von fünf Jahren die gesamte Systemhardware der EDV und der Kommunikationstechnik ersetzt werden“, so die Kreisverwaltung.

Alarm per App

Im Laufe der Jahre seien auch zusätzliche Funktionen und Aufgaben, wie zum Beispiel die „Nora“-Notruf-App und umfangreiche Steuerungsfunktionen hinzugekommen. „Nora“ ist eine App für Smartphones, die es insbesondere „Menschen mit Sprach- und Hörbehinderung ermöglicht, Notrufe abzusetzen“. Da einige Hersteller dieses System wieder abkündigten, „mussten die entsprechenden Teilgewerke in Zusammenarbeit mit einem Fachplaner neu ausgeschrieben und vergeben werden.

Die Technik wurde unterbrechungsfrei während des Betriebs ausgetauscht“, so die „Leistungsbilanz Kreispolitik“. Der Austausch der Systemhardware werde sich laut Kreisverwaltung aber noch bis Ende 2024 hinziehen. „Hier machen sich Lieferengpässe bemerkbar.“ Das Projektvolumen für den Austausch der Hardware in der Integrierten Leitstelle beläuft sich auf mehr als 2,6 Millionen Euro. „Diese Kosten werden je hälftig durch den Landkreis sowie durch die Kostenträger des Rettungsdienstes getragen, also die Krankenkassen“, schreibt die Kreisverwaltung.

Großen Einsatz geübt

Eine große Katastrophenschutzübung, bei der auch die Abläufe von der Wasserversorgung bis zur Kommunikation und Koordination der Einsatzkräfte getestet wurde, gab es im Oktober 2022. An der Übung – unter anderem an der Linachtalsperre – waren rund 250 Einsatzkräfte von Freiburg über Waldshut bis Konstanz beteiligt. Das Regierungspräsidium Freiburg hatte diese kreisübergreifende Übung ein Jahr lang geplant und vorbereitet.

Die Schutzhalle

Die Katastrophenschutzhalle bei Hüfingen kostete am Ende übrigens rund 790 000 Euro. Das Land förderte das Vorhaben laut Kreisverwaltung mit 141 000 Euro. Am 29. November 2021 wurde die Halle ihrer Bestimmung übergeben. Die Halle hat sechs Stellplätze und im rückwärtigen Bereich ein Hochregalsystem. „Hier können verschiedene Einsatzmaterialien gelagert werden. Zudem wurde eine Werkbank für kleinere Reparaturarbeiten installiert. Der Aufbau der Halle ist auf das Notwendigste beschränkt. Speziell bei den sanitären Anlagen konnten Synergieeffekte mit der angrenzenden Straßenmeisterei genutzt werden“, so die Kreisverwaltung. Und an die Zukunft ist auch schon gedacht. „Das Design der Skelettbauweise und die modulare Gestaltung ermöglichen perspektivisch eine Erweiterung der Halle.“