Sängerin Elly Lapp und Pianist Michael Quast eroberten mit ihrem Chansonabend „Von Kopf bis Fuß“ im Handstreich Wolfachs Blauen Salon. Foto: Buchta

Elly Lapp und Pianist Michael Quast präsentierten einen Chansonabend im Blauen Salon des Wolfacher Rathauses. Ihr Programm „Von Kopf bis Fuß“ umfasste die 1920er- bis 1940er-Jahre.

Der Blaue Salon im Rathaus platzte schier. Unzählige Besucher waren zu Elly Lapps Chansonabend „Von Kopf bis Fuß“ erschienen. Die Chansonniere hatte ein bunt gemischtes Programm dabei, alles zugeschnitten auf ihre faszinierende, verrucht-verrauchte Altstimme.

 

Freche Songs aus den „Roaring Twenties“ bis zu den Vierzigern, Chansons von Größen wie Zarah Leander und Marlene Dietrich, aufmüpfige Balladen von Kurt Weill, Bertold Brecht oder Friedrich Hollaender und tiefgründiger Blues.

Leander, Dietrich und Brecht im Programm

Einen „Cocktail mit Liedern, die das Leben schrieb“, nannte sie das. Dazu hatte Lapp zur Begleitung ihrer Songs den Jazzpianisten Michael Quast mitgebracht. Der jedoch drohte, die Sängerin mit seinen meisterhaft schrägen Akkorden stellenweise glatt an die Wand zu spielen.

Mit dem bejubelten Song „Warum soll denn eine Frau kein Verhältnis haben?“, mit dem einst Fritzi Massary im Film „Eine Frau weiß, was sie will“ frech-frivol die bürgerliche Doppelmoral besang, begann das Programm – und das Publikum war bereits zu diesem Zeitpunkt völlig aus dem Häuschen.

Mit Zarah Leander fragte sie sich, durch die Reihen schlendernd und sich einen passenden „Ansingpartner“ suchend: „Kann denn Liebe Sünde sein?“ Fast übergangslos servierte sie danach den verzweifelt-erotischen Friedrich-Hollaender-Song „Ich weiß nicht, zu wem ich gehöre“ – am Flügel vom verschmitzt vor sich hin schmunzelnden Michael Quast atemberaubend rhythmisch begleitet.

Musiker spielten drei Zugaben für das Publikum

Beim „Macky-Messer-Song“ aus Bertold Brechts „Drei-Groschen-Oper“ drehte der Pianist vollends auf und riss neben dem Publikum auch die Sängerin hörbar mit – getoppt noch durch Kurt Weills „Surabaya Johnny“, für das der Beifall schier grenzenlos war. Natürlich durfte da auch Hugo Wieners „Der Novak lässt mich nicht verkommen“ fehlen, ein frivoles Lied, das einst auf dem Verbots-Index landete.

Besonders anrührend gerieten den beiden Andrea Bocellis Abschiedssong „Time to say goodbye“ und, als tiefgründiger Blues, Cole Porters „Mein Mann ist verliebt“. „Vor der Pause eine Erinnerung an eine große Dame“, kündigte die Sängerin Hildegard Knefs „Für mich solls rote Rosen regnen“ an, den die beiden mit viel Schmelz in Stimme und Instrument gestalteten. Was war da im zweiten Teil noch an Steigerung möglich?

Elly Lapp griff vor allem tief in die Mottenkiste alter Ufa-Melodien mit „Heut’ Abend lad’ ich mir die Liebe ein“, „Der Wind hat mir ein Lied erzählt“ oder „Die fesche Lola“. Mit der Titelmelodie des Abends, „Von Kopf bis Fuß“ und dem hoffnungsfrohen „Ich weiß, es wird einmal ein Wunder gescheh’n“, bei dem der Pianist in seinen schrägsten Boogie verfiel, wollten sich die beiden vom begeisterten Publikum verabschieden. Doch erst nach drei Zugaben ließen die begeisterten Besucher des Blauen Salons das Duo ziehen.

Nächstes Konzert

Das Programm im Blauen Salon des Wolfacher Rathauses wird am Sonntag, 1. Februar, mit der Oper „Cosi fan tutte“ von Wolfgang Amadeus Mozart fortgesetzt.