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Blaue Linien in Balingen Anwohner beschweren sich über Elterntaxis

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Ein Video zeigt den Verkehrsstau und den nicht abreißenden Strom von Bussen und "Elterntaxis". Foto: Siedler

Balingen - Blaue Linien wurden bereits vor den Herbstferien an vier Stellen entlang der Straßen nahe des Schulzentrums Längenfeld gezogen. Sie signalisieren sogenannte "Hol- und Bringzonen" und sollen helfen, den Verkehr unmittelbar an den Schulen zu verringern.

Ab 7 Uhr morgens rollt durch die Straßen rund um das Schulzentrum der Verkehr. Busse, Autos von Eltern, die ihre Kinder zur Schule bringen, und seit dem Frühjahr auch die Laster der Sportplatz-Baustelle sind dort unterwegs. Mitunter geht zu Stoßzeiten nichts mehr. Lautes Hupen und Schimpfen bestimmen dann die Kommunikation an der Wendeplatte.

"Ein Zirkus ist das", sagt Kurt Gess, der direkt daneben wohnt. "Die liefern sich hier eine Verkehrsschlacht", hat Christa Heinzelmann-Hauff beobachtet, die in der Gymnasiumsstraße weiter vorne wohnt. Anlieger der Gymnasiums- und der Lisztstraße leiden unter dem Verkehr, der in den vergangenen 20 Jahren stark zugenommen hat. "Wir hätten schon längst auf die Barrikaden gehen müssen", findet Theo Siedler.

500 bis 600 Autos täglich

Er hat im September ein achtminütiges Video gedreht, das eindrücklich das Verkehrsaufkommen und vor allem den Strom von "Elterntaxis" zeigt. Diese Bilder wiederholten sich beim Abholen am späten Vormittag, vor und nach dem Nachmittagsunterricht, schildern die Betroffenen. Und danach kämen die Teilnehmer von Veranstaltungen, Kursen und Trainingsstunden.

Das Problem sei der ständige Verkehr mitten im Wohngebiet, 500 bis 600 Autos täglich allein im "Hauptzubringer" Gymnasiumsstraße: "Die ganze Straße sagt: ›Das muss ein Ende haben‹", so Siedler.

Doch es bedurfte eines letzten Tropfens, der das Fass des Unmuts zum Überlaufen brachte. Dieser Tropfen war der Bau der neuen Sportanlage Längenfeld.

Vor einem guten Jahr wurde der Plan der Stadt Balingen bekannt: Die neue Anlage soll nicht nur vom Schulsport genutzt werden, sondern auch für die Jugendarbeit der TSG Balingen und des SV Heselwangen zur Verfügung stehen.

Unterschriftenaktion gegen drohenden Verkehrskollaps

Das bedeutet, dass mit Flutlicht bis in die Abendstunden trainiert wird, und die jungen Sportler wieder abgeholt werden. Und noch mehr Verkehr. "Hier wohnen ja nicht nur Rentner", sagt Kurt Gess. "Berufstätige brauchen doch Feierabendruhe."

Für knapp drei Millionen Euro, sind die Längenfeld-Bewohner überzeugt, hätte man anderswo einen besseren Platz bauen können. "Wir haben nichts gegen die Sportler", betont Theo Siedler jedoch, stellvertretend für seine Mitstreiter. Sie sehen den abendlichen Sport vielmehr als Teil des Gesamtproblems.

Es ist der Situation geschuldet, die sich über Jahre hinweg verschlechtert hat, dass 45 Anwohner des Schulzentrums sich in einer Initiative zusammengetan und eine Unterschriftenliste eingereicht haben, um auf den drohenden Verkehrskollaps im Längenfeld aufmerksam zu machen.

Manche von ihnen wandten sich wiederholt direkt an Oberbürgermeister Helmut Reitemann und reichten eigene Ideen ein, wie man die Verkehrsbelastung verringern könnte.

Riskante Situationen für Kinder

Neben der Verkehrsbelastung geht es den Mitgliedern der Anwohnerinitiative auch um die Sicherheit: Immer weniger Kinder würden mit dem Fahrrad oder zu Fuß zur Schule kommen, weil das durch die vielen Autos gefährlich sei. Beim Queren der Straßen sowie beim Aussteigen aus dem "Elterntaxi" gebe es immer wieder riskante Situationen.

Die blauen Linien für die Hol- und Bringzonen an der Mozart und der Lisztstraße sind das erste konkrete Ergebnis all dieser Überlegungen. Dort sollen Eltern ihre Kinder ein- und aussteigen lassen. Sie sind weit genug entfernt, um Privatautos vom Schulgelände fernzuhalten, was die direkten Zufahrtsstraßen zu den Schulen, insbesondere die Gymnasiumstraße deutlich entlasten würde.

Von ihnen aus, so die Idee, sollen die Kinder zu Fuß das letzte Stück Schulwegs gehen. Ob die Zonen genutzt werden oder Eltern weiterhin bis vor zur Wendeplatte fahren, muss sich erst zeigen. Man müsse das Angebot attraktiver machen, findet Christa Heinzelmann-Hauff. Etwa indem Ehrenamtliche die Kinder von der Bringzone zur Schule begleiteten. Die Stadtverwaltung will die Familien mit Hilfe der Schulen über die Zonen informieren und "in der Anfangszeit vor Ort sein".

Haltebuchten für Elterntaxis?

Auf die Hol- und Bringzonen werden Schilder hinweisen, die in Kürze aufgestellt werden. Sie sollen nicht alles gewesen sein: Balingens Oberbürgermeister hat den Anwohnern versprochen, dass in den Straßen rund um das Schulzentrum durchgängig nur noch Tempo 30 erlaubt sein soll: "Wir werden im Bereich der Lisztstraße, kurz vor dem Zebrastreifen bis zur Einmündung in die Weberstraße, Tempo 30 anordnen, sowie im Bereich der Hol- und Bringzone der Mozartstraße", sagt Reitemann dem Schwarzwälder Boten. Auch dafür würden die notwendigen Schilder demnächst geliefert. In der Gymnasiumsstraße gelte schon seit langer Zeit Tempo 30.

"Wir gehen davon aus, dass noch weitere, nachhaltige Verbesserungen folgen", hoffen die Vertreter der Anwohnerinitiative. Vielleicht würden es noch mehr Hol- und Bringzonen? Ja, sagt Balingens OB, neben den vorhandenen soll es eine solche auch auf dem Realschulparkplatz geben.

Ob mittelfristig noch richtige Haltebuchten für die "Elterntaxis" gebaut werden? Reitemann: "Das kommt darauf an, ob sich die Hol- und Bringzonen grundsätzlich bewähren. Denn die Einrichtung von Haltebuchten ist mit finanziellem Aufwand verbunden. In den Hol- und Bringzonen werden eingeschränkte Halteverbote angeordnet und auch kontrolliert", verspricht der Rathauschef weiter.

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