Katja Blöchle führt seit fast 20 Jahren das „Blattwerk“ in Hopfau und setzt dort auf nachhaltige und saisonale Blumen. Der Verzicht auf Pestizide kommt bei den Kunden an.
„Wenn man Kolleginnen, die seit 17 Jahren bei mir gearbeitet haben, verliert, weil ich hier keine Arbeit geben kann, tut das weh“, sagt Floristikmeisterin Katja Blöchle.
Und spielt dabei auf die letzten Jahre an. Erst die Corona-Pandemie mit massiven Einschränkungen für den Einzelhandel, dann der Abriss der Brücke im Ort und nach einer kurzen Pause weitere Sperrungen wegen Baumaßnahmen.
Arbeit mit Naturprodukten
„Kunden akzeptieren einmal einen Umweg von acht Kilometer“, lautet ihre Einschätzung. Aber wenn das dauerhaft der Fall sei, orientierten sie sich irgendwann doch um.
„Meine Floristin auf Minijob-Basis und ich beißen uns durch“, lautet ihre Devise. Denn die Arbeit mit der Natur sei einfach ihre absolute Leidenschaft.
Blumen statt Medikamente
Doch obwohl Blöchle seit 27 Jahren als Selbstständige in der Blumenbranche tätig ist, war ihr das nicht in die Wiege gelegt. „Eigentlich habe ich in einer Apotheke gearbeitet“, verrät die 58-Jährige.
Dann habe sie aber alles umgeschmissen und sei in eine kleine Blumenwerkstatt gegangen, bis es sie 2006 wieder nach Hopfau zog. „Meine Familie wohnt hier – und die geht mir über alles“, erklärt sie.
Sehr persönliche Beziehungen
So eröffnete sie In der Au 13 das „Blattwerk“. „Bald haben wir unser 20. Jubiläum“, blickt Blöchle nach vorne. „Wir dürfen Menschen mit unseren Blumen durch alle Lebensabschnitte begleiten“, beschreibt sie ihre Arbeit.
Das fange bei Geburt und Taufe an, gehe über Kommunion und Konfirmation bis zur Hochzeit und schließe auch die Beerdigung mit ein. „Manchmal bin ich auch ein bisschen Psychologin oder Ärztin“, kommt sie auf die die vielseitigen zwischenmenschlichen Erfahrungen zu sprechen.
Natur „aus dem Herzen“
Denn mit Blumen ließen sich Gefühle auf eine andere Art ausdrücken – „und das tut den Menschen gut“, stellt sie fest. Vor 13 Jahren habe sie auch noch die Meisterin gemacht – und zwar in der Akademie für Naturgestaltung in Zwettel/Österreich.
Die Meisterschule sei sehr naturorientiert, was Blöchle ganz aus dem Herzen spreche. Von Farbenlehre über Gestaltung bis hin zur Botanik habe sie viel Neues gelernt. „Ich habe das berufsbegleitend neben Familie und Selbstständigkeit gemacht“, erinnert sie sich.
Bio-Qualität kommt an
Und diese Naturverbundenheit ist auch im Blumengarten spürbar. „Hier bauen wir unsere eigenen Schnittblumen – wenn möglich, aus Demeter-Bio-Samen – an“, erklärt sie. Es werde ganz auf Pestiziden verzichtet und auf Saisonalität gesetzt.
„Es gibt kein Gewächshaus, sondern nur einen Vlies-Tunnel“, sagt sie. So könne man im Freien eben nur das anbauen, was um die Jahreszeit von Natur aus wachse. Der Verzicht auf Spritzmittel werde auch von den Kunden geschätzt.
Viele Wünsche erfüllen
„Einige Konditoren schmücken ihre Torte mit unseren Rosen“, nennt sie ein Beispiel. Da seien Blumen, die frei von Giftstoffen sind, natürlich sehr gefragt. Und auch für sie selbst hat der Bio-Anbau Vorteile. „Viele Floristen leiden wegen der giftigen Mittel an Allergien“, thematisiert sie ein weiteren Problem.
Wer etwas Ausgefallenes wolle – etwa eine Ecuador-Rose –, könne jedoch auch kommen. Die langstieligen Blumen aus dem mittelamerikanischen Land bestelle man dann über den Großhändler. „Wir haben eine große Bandbreite an Kunden“, beschreibt Blöchle die Wünsche.
Kräuter und „offene Werkstatt“
So seien aktuell Setzlinge fürs Gemüsebeet sehr gefragt, aber auch Blumenschmuck zum Heiraten. „Sommer heißt Hochzeit“, bringt sie es lachend auf den Punkt. Neben Gala-Abende für Firmen kümmere sie sich auch um das Anlegen von Blumen- und Kräutergärten – natürlich mit Bio-Pflanzen.
„Vor allem Hotels und Gastronomen sehen den Wert unserer Bioprodukte“, sagt sie. Mit solchen Auftragsarbeiten sei sie von Montag bis Donnerstag beschäftigt, während am Freitag und Samstag die „offene Werkstatt“ anstehe.
Dann könne man ins „Blattwerk“ kommen, um sich vor Ort beraten oder sich einen individuellen Blumenstrauß zusammenstecken zu lassen. „Da gibt es unerschöpfliche Gestaltungsmöglichkeiten“, kommt Blöchle auf den Variantenreichtum der Pflanzen – direkt aus dem Glatttal – zu sprechen.