Die Schützengilde Tailfingen hat ihr Portfolio um eine Disziplin erweitert: den Blasrohrsport. Einen deutschen Jugendmeistertitel hat der Verein schon errungen – aber natürlich will er sein Angebot nicht nur in der Spitze, sondern auch in der Breite entwickeln.
Erstmals hat die Schützengilde beim traditionellen Ostereierschießen am Palmsonntag auch ein kostenloses Schnupperschießen mit dem Blasrohr angeboten. Nicht nur am gewohnt stark frequentierten Luftgewehrstand, sondern auch bei den Blasrohrschützen bildete sich rasch eine Schlange von Interessenten, die sich von Schießleiter Thorsten Bouillon – er ist zugleich Ansprechpartner für den Blasrohrsport im Schützenkreis Zollernalb – in die neue Sportart einführen ließen. Es galt, aus sieben Meter Entfernung einen roten Apfel zu treffen; wem es gelang, der erhielt einen Schokohasen. An die 70 Besucher, darunter viele Kinder und Jugendliche, nahmen im Lauf des Tages an dem Testlauf teil, und nicht wenige dürften buchstäblich auf den Geschmack gekommen sein.
Neue Disziplin? – das Blasrohr zählt zu den ältesten Waffen der Menschheit. Die Virtuosen, die damit erfolgreich auf Jagd gehen, sind bekanntlich im Amazonasurwald zu Hause, aber auch hierzulande hat das Rohr eine lange Tradition als „Spielzeug“-Klassiker: Thorsten Bouillon kann sich noch gut an seine ersten Kunststoffrohre aus dem Aquaristik-Fachgeschäft erinnern; als Munition dienten ihm und seinen Kameraden getrocknete Erbsen. Danach verlegte er sich auf andere Sportarten, aber als vor etwa zehn Jahren das Blasrohr wieder auf der Bildfläche erschien – diesmal als Sportgerät – , da entdeckten er und seine Familie es von Neuem und versuchen nun, es im Zollernalbkreis hoffähig zu machen.
Zwischen einem und 1,70 Metern
Das Aquariumrohr und die Erbsen haben allerdings ausgedient; für Blasrohre gibt es mittlerweile eigene Geschäfte und Geschosse: Sportblasrohre existieren in unterschiedlichen Längen zwischen einem und 1,70 Metern. Der Blasrohrsportverband Deutschland, einer von zwei Dachverbänden – der andere ist der Deutsche Schützenbund – , trägt in zwei Rohrklassen Wettkämpfe aus, nämlich in der Klasse B für 1,60 Meter lange Rohre und in der Klasse C für 1,20 Meter. Die Sportgeräte bestehen aus Aluminium; die Wanddicke divergiert: Die Cracks ziehen stärkere Rohre vor, weil die ruhiger „am Mund“ liegen als die Leichtgewichte. Schwerer als zweieinhalb Kilo sollte ein Blasrohr allerdings nicht sein.
Karbonfaser statt Hülsenfrucht
Und was wird verschossen? Keine Hülsenfrüchte, sondern Darts, maximal 15 Zentimeter lange Pfeile aus Karbonfaser mit einer Edelstahlspitze und einem den Flug stabilisierenden Kunststofftrichter am Ende. Die Entfernung divergiert; der Nachwuchs bläst aus fünf, die Großen aus sieben Meter Distanz, und zwar auf eine Scheibe mit fünf konzentrischen Kreisen und 19, 5 Zentimetern Durchmesser. Im Wettkampf gilt es zehn Runden à sechs Darts zu bestehen, also 60 Versuche. Nach Adam Riese können maximal 600 Punkte erzielt werden; Hermann Sammiller aus dem bayerischen Greding brachte es vor kurzem auf 595.
Noch 13 Punkte bis zum Optimum
Thorsten Bouillon fehlen bis zu dieser Marke noch acht Punkte – er hat die besten Vorsätze, sie aufzuholen und Sammiller im Oktober bei den DSB-Meisterschaften in Frankenthal in der Pfalz Paroli zu bieten, aber so weit oben ist die Luft natürlich dünn. Seine Tochter Julia Sophie ist auf der Titeljagd schon einen Schritt weiter; sie wurde im März im hessischen Dietzenbach deutsche Jugendmeisterin.
Ein Sport mit Zukunft
Einen Ligabetrieb gibt es noch nicht, aber Thorsten Bouillon arbeitet daran und sieht sich durch jüngste Anfragen benachbarter Vereine ermutigt. Er glaubt an die Zukunft des Blasrohrsports, nicht zuletzt deshalb, weil er so voraussetzungslos ist und niemanden ausschließt: „Wer einen Kirschkern ausspucken oder einen Luftballon aufblasen kann, ist schon mit dabei.“
Weitere Informationen gibt es auf den Internetseiten schuetzengilde-tailfingen.de und www.dsb.de sowie bei Thorsten Bouillon, 0176/20 47 03 58.