Die einstimmig wiedergewählten Amtsinhaber des Präsidiums des Blasmusikverbandes Hegau-Bodensee (von links): Verbandsjugendleiter David Krause, Verbandsschriftführer und stellvertretender Verbandsdirigent Kuno Rauch, stellvertretender Präsident Jürgen Schröder, Präsident Johannes Steppacher, stellvertretender Verbandsjugendleiter Simon Geigges und Verbandskassier Günter Speicher. Foto: Hahn

Hobby: Lockerungen geben Grund zur Hoffnung auf Normalität / Proben in gewöhnlichen Räumen erlaubt

Kreativität, Einfallsreichtum und ein hohes Maß an Engagement für das eigene Hobby prägen die Blasmusik seit Beginn der Pandemie mehr denn je.

Blumberg. Mit zuversichtlichem Optimismus richteten die 86 Mitgliedsvereine bei der Versammlung des Blasmusikverbandes Hegau-Bodensee in Tengen ihren Blick nach vorne.

Der Musikverein Ried­öschingen war diesmal Ausrichter der Veranstaltung und umrahmte diese unter der Leitung seines Dirigenten Roland Schey musikalisch. In den meisten Fällen ist die Ausrichtung der Verbandsversammlung an ein Vereinsjubiläum geknüpft. Der Ried­öschinger Musikverein hätte dieses Jahr sein 120-jähriges Bestehen mit einem großen Zeltfest am Vatertags-Wochenende gefeiert und dabei zugleich das Bezirksmusikfest des Bezirks III Randen ausgerichtet, der einen der neun Bezirke im Blasmusikverband Hegau-Bodensee darstellt. Das Fest fiel Corona zum Opfer, die erste Jubiläums-Jahreshälfte verlief in musikalischer Hinsicht zwangsläufig stumm.

Doch statt Trübsal zu blasen, übten sich die Musiker in Geduld und freuen sich, seit Juli endlich wieder im Probelokal gemeinsam in ihre Instrumente blasen zu können. Unter Einhaltung der 3G-Regeln und eines Hygienekonzepts ist es den Vereinen zum jetzigen Zeitpunkt wieder gestattet, in ihren gewöhnlichen Proberäumen zu üben, da die Abstandsregeln lediglich noch eine Empfehlung, aber keine Verpflichtung mehr darstellen. Dies bedeutet eine wesentliche Erleichterung, welche den Vereinen auch in der kühlen Jahreszeit die Rückkehr zu einem fast normalen Probebetrieb ermöglicht und sie vorsichtig positiv in die Zukunft blicken lässt. Diese Aufbruchstimmung prägte die Versammlung und zog sich dabei wie ein roter Faden durch die zahlreichen Wortbeiträge.

Trotz Corona bleiben Musiker am Ball

Rainer Gradinger als Stellvertreter des Blumberger Bürgermeisters Markus Keller lobte in seinem Grußwort die Kreativität, mit der die Musikvereine versucht hatten, sich etwas einfallen zu lassen, obwohl ihnen die Corona-Krise stark zusetzte. So wurden einfallsreiche Lösungs- und Überbrückungsmöglichkeiten entwickelt, um dem Hobby trotzdem nachzugehen.

Sowohl die Akteure selbst als auch die Zuhörer lechzten nach Aufführungen und Darbietungen, wie die Freiluft-Konzerte des Musikvereins Riedöschingen auf dem Kirchplatz oder nach dem Erntedank-Gottesdienst im Pfarrgarten gezeigt hätten.

"Es ist nichts selbstverständlich", nannte Andreas Jung, Bundestagsabgeordneter des Wahlkreises Konstanz, die zentrale Erkenntnis der Pandemie. Obwohl die Corona-Zeit noch nicht vorüber sei, könnten die Menschen nun gemeinsam aus ihr herauswachsen. Die Krise habe den Blick geschärft für das, was etwas wert sei und was Werte schaffe. Dazu gehörten Musikvereine. Gerade in Zeiten der gesellschaftlichen Spaltung brauche es Menschen, die zusammenhalten, viel Zeit für ihr Hobby und die Vereinsarbeit aufbringen, und sich engagieren. Corona habe auch gezeigt, dass Internet und Fernsehen offensichtlich nicht ausreichten, da die Leute danach dursteten, wieder einmal rauszukommen. Sie brauchten das persönliche Erlebnis und wüssten die durch die Vereine ermöglichten Aufführungen und Konzerte wieder sehr zu schätzen. Beeindruckt zeigte sich Jung von der Nachwuchsarbeit der Vereine und Jugendorchester, in denen die Kinder und Jugendlichen eine Heimat und auch Aufgaben fänden, an welchen sie wachsen können. Er plädierte für schützende, aber auch handhabbare Corona-Regeln und sicherte zu, dass die Politik alles tun werde, was möglich sei, um das Ehrenamt zu stärken.

Maximale Zustimmung aller anwesenden Vereine erhielt der Präsident des Blasmusikverbandes, Johannes Steppacher. Mit einstimmigem Ergebnis aller 85 abgegebenen Stimmen wurde er in geheimer Wahl für die nächsten zwei Jahre im Amt bestätigt, das er seit 2015 innehat. Neben dem Präsidenten wurden sein Stellvertreter Jürgen Schröder, Verbandskassier Günter Speicher, Verbandsschriftführer und stellvertretender Verbandsdirigent Kuno Rauch, Verbandsjugendleiter David Krause sowie der stellvertretende Verbandsjugendleiter Simon Geigges bestätigt.

Jugendarbeit soll gefördert werden

In seinem Rückblick zollte Johannes Steppacher allen Vereinen und Akteuren Respekt und Anerkennung: "2020 war ganz anders, als wir es erwartet hatten. Wir alle mussten unsere Arbeit den Gegebenheiten anpassten und waren bemüht, die besten Lösungen zu finden und anzubieten." Dabei seien tolle Ideen entstanden, an die er lobend erinnerte: Musik von den Balkonen mit Stücken wie "Freude schöner Götterfunken", Märsche mit großem Abstand durch die Straßen, Aufführungen und Proben in großen Scheunen, Hallen oder auf Freiluftplätzen. Als Schwerpunkte für die zukünftige Arbeit des Verbandes nannte er die Jugendarbeit, die finanziell gefördert werden solle und ab Frühjahr 2022 hoffentlich auch wieder im Verbands-Jugendblasorchester (VJBO) fortgeführt werden könne, sowie ein kostenloses Bildungsangebot. Als wesentlicher Bestandteil ist hierfür ein Verbandstag am 19. März 2022 in Beuren an der Aach geplant, der kostenlose Seminare zu Themen wie Alphornblasen, gute Probenarbeit und Nachwuchssuche oder Pressearbeit der Vereine anbietet. Mit Zuversicht planen die Vereine auch wieder größere Veranstaltungen wie zum Beispiel das Verbandsmusikfest vom 13. bis 15. Mai 2022 in Orsingen sowie ein Ehrenmitgliedertreffen am 13. November 2022 in Wahlwies.

Der Blasmusikverband Hegau-Bodensee umfasst 86 Mitgliedsvereine, darunter mit denen aus Riedöschingen und Kommingen zwei aus dem Schwarzwald-Baar-Kreis. Daneben umfasst das Verbandsgebiet vier Vereine aus dem Landkreis Tuttlingen, einen Verein aus dem Kreis Sigmaringen und 79 Kapellen aus dem Kreis Konstanz. An der Spitze des Verbands steht Präsident Johannes Steppacher.