Während die Bahnhöfe in Schiltach und Alpirsbach modernisiert werden, werden in Schenkenzell und Loßburg die Bahnhalte wohl bis 2026 gestrichen. Unser Leser Stefan Mäntele fragt sich, wie Menschen so zum Bahnfahren motiviert werden sollen – und kritisiert mangelnde Unterstützung.
Der Artikel „Millionen-Projekt der Bahn ist abgeschlossen“ mag auf den ersten Blick beeindruckend klingen: Nur 357 Tage von der Auftragserteilung bis zur Umsetzung, 3,1 Millionen Euro Investitionen und ein erklärtes Ziel, die Zahl der Bahnreisenden bis 2030 um 30 Prozent zu steigern. Doch für die Bürgerinnen und Bürger in Schenkenzell liest sich das Ganze wie blanker Hohn.
Während die Bahnhöfe in Schiltach und Alpirsbach modernisiert werden, werden in Schenkenzell und Loßburg die Bahnhalte gestrichen – angeblich wegen einer fehlende Weiche in Freudenstadt. Diese Weiche soll jedoch erst 2026 gebaut werden. Warum wird also jetzt schon ein Konzept umgesetzt, das Orte abhängt, statt darauf zu warten, dass die Infrastruktur vollständig ist?
Wer von Schenkenzell nach Freudenstadt reisen möchte, muss erst mit dem Bus nach Schiltach fahren, dort in den Zug umsteigen und dann Richtung Freudenstadt weiterreisen – um am Bahnhof in Schenkenzell vorbeizufahren. Wie sollen Menschen unter solchen Bedingungen motiviert werden, die Bahn zu nutzen?
Die vorgeschlagene „Lösung“ – Schienenersatzverkehr mit Bussen – ist kaum ein Trost. Einerseits sollen CO₂-Emissionen durch batterieelektrische Züge reduziert werden, andererseits werden diese durch zusätzliche Busverkehre wieder erhöht. Auch die Mehrkosten durch die Busse bleiben unerwähnt.
Kritische Stimmen sucht man vergeblich
Wenn klar ist, dass höhere und längere Bahnsteige für die neuen Züge erforderlich sind, warum wurden dann in Schenkenzell nicht dieselben Investitionen getätigt wie in Schiltach und Alpirsbach? Während sich die Bürgermeister der Nachbargemeinden auf Fotos feiern lassen, hätte es Solidarität und Unterstützung gebraucht. Kritische Stimmen, die sich gegen die Streichung der Halte stark machen, sucht man vergeblich.
Die Bahn will bis 2030 einen Fahrgastzuwachs von 30 Prozent erreichen – doch wer Vertrauen in die Bahn fordert, muss dieses auch verdienen.
Stefan Mäntele, SchenkenzellSchreiben Sie uns: leserbriefe@schwarzwaelder-bote.de. Mit der Übersendung erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihr Leserbrief in der Printausgabe, im E-Paper sowie im Onlinedienst des Schwarzwälder Boten veröffentlicht wird. Wir behalten uns Kürzungen vor. Leserbriefe entsprechen nicht notwendig der Meinung der Redaktion.