Was tun bei einem Blackout? Die Stadt Balingen ist vorbereitet. Foto: Aveledo

Nach dem Blackout in Spanien und Portugal: Was passiert, wenn mehrere Tage der Strom ausfällt? Darauf gibt die Stadt Balingen Antworten und weist auf die Notfalltreffpunkte für Bürger hin.

Licht aus, Internet weg, Geldautomaten funktionieren nicht und der Verkehr versinkt im Chaos: Wenn über längere Zeit die Stromversorgung ausfällt, hat das heutzutage weitreichende Auswirkungen. Was dann zu tun ist und wo man im Notfall Hilfe bekommt, darüber informiert die Stadt Balingen auf Nachfrage unserer Redaktion.

 

Wer ist zuständig?

Im Falle eines Blackouts oder eines anderen Schadensereignisses sind zunächst die Gemeinden in der Pflicht, gewisse Hilfe zu leisten. Wichtig ist jedoch, dass im Falle eines Stromausfalls die Gemeinden nicht zur Vollversorgung der Bevölkerung verpflichtet sind. „Alle Bürger müssen sich vielmehr selbst auf einen Stromausfall vorbereiten“, so Stadtsprecher Dennis Schmidt.

Bei allen anderen Großschadensereignissen liege die Zuständigkeit der Gemeinden bei der Bewältigung des Schadensereignisses insbesondere durch die Inanspruchnahme der Fähigkeiten der örtlichen Feuerwehren und die Einbeziehung gegebenenfalls notwendiger externer Stellen. Je nach Schadensereignis sehe die Bewältigung sehr unterschiedlich aus.

Notfalltreffpunkte

Im Fall eines großflächigen Stromausfalls hat das Land Baden-Württemberg im Herbst 2022 Rahmenempfehlungen zur Einrichtung von Notfalltreffpunkten an die Gemeinden herausgegeben. Anlass waren der russische Angriff auf die Ukraine und die damals eingetretene Energieknappheit durch die Reduzierung der Gaslieferungen aus Russland.

Vier Standorte in Balingen

Auch die Stadt Balingen hat die Rahmenempfehlungen erhalten und auf dieser Grundlage für dieses Schadensereignis sogenannte Notfalltreffpunkte auf ihrem Gemeindegebiet eingerichtet. „Diese wurden zunächst technisch mit Notstromaggregaten ausgerüstet, die in der Lage sind, die entsprechenden Standorte mit Strom zu versorgen“, so Schmidt. Dies wurde 2024 abgeschlossen. Insgesamt wurden vier Standorte geschaffen: Die Turn- und Festhalle in Ostdorf, die Turnhalle der Sichelschule Balingen, die Turnhalle in der Grundschule in Zillhausen sowie das Schulzentrum in Weilstetten mit der Turnhalle und den Räumlichkeiten der VHS.

Bevölkerung muss sich selbst versorgen

„Die Notfalltreffpunkte sind ein Angebot der Stadt Balingen und dort werden bei länger andauerndem Stromausfall die nötigsten Hilfeleistungen konzentriert“, so der Pressesprecher. „Sie stellen jedoch eben keine Rundumversorgung der Bevölkerung dar. Es wird dort eine Stromversorgung bereitgestellt.“ Die Bevölkerung könne dort in geringem Umfang Strom beziehen, um beispielsweise Kleingeräte aufzuladen. Zudem stellen sie durch den Umstand, dass sie notstromversorgt sind, auch weithin sichtbare und beleuchtete Anlaufstellen dar, was insbesondere in Notsituationen in der Nacht sowohl für die Bevölkerung als auch für die Einsatzkräfte der Blaulichtfamilie von zentrale Bedeutung ist.

Gemeinde bietet Hilfe an

„In den Notfalltreffpunkten erhält man Informationen zur Krisenlage und zu bestimmten notwendigen Verhaltensweisen und es kann ein Notruf abgesetzt werden“, informiert Schmidt. Diesbezüglich werden die Notfalltreffpunkte mit einem Verbindungsmann der Feuerwehr besetzt sein, die über Funk die Funktion der 110 und 112 übernehmen. „Als Informationsdrehscheibe kann sich ein Notfalltreffpunkt auch dahingehend entwickeln, dass durch die Bevölkerung auf freiwilliger Basis Hilfe angeboten wird, so dass von dort aus auch die Koordinierung dieser Hilfsangebote und des Bedarfs erfolgen kann.“ Als Anlaufstellen dienen die Treffpunkte auch als Informationsstandorte um über die Schadenslage und die Verhaltensweise zu informieren.

Notfalltreffpunkte gehen im Mai in Betrieb

„Neben der technischen Ausrüstung der Standort galt es in einem weiteren Schritt eine personelle Einsatzplanung vorzunehmen und die hierfür eingesetzten Personen in die Aufgaben einzuweisen“, erklärt er. Dies erfolge aktuell durch das Amt für öffentliche Ordnung und Bürgerservice. „Nach Abschluss der Unterweisung erfolgt die Auslieferung der Notfallsets an die Notfalltreffpunkte und die interne offizielle Inbetriebnahme der Notfalltreffpunkte.“ Dies wird voraussichtlich noch im Mai erfolgen. Die Unterweisungen sind aufgrund von Personalfluktuationen ebenso eine Daueraufgabe wie die Aufrechterhaltung der technische Bereitschaft.

Bevölkerung informieren

In einem dritten und letzten Schritt sei nun beabsichtigt, die Bevölkerung öffentlichkeitswirksam und auf Dauer über die Errichtung der Notfalltreffpunkte für den Fall eines großflächigen Stromausfalls zu informieren und auch unter Bezugnahme auf die Informationen und Hilfestellungen des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe zu einer Eigenvorsorge zu animieren.

Feuerwehr wird ausgestattet

Die Ausstattung der Feuerwehr erfolgt über den Feuerwehrbedarfsplan, welcher sich an den spezifischen Anforderungen der Stadt orientiert. Auch Feuerwehrgerätehäuser sind im Fall eines Stromausfalls notstromversorgt, um ihren Aufgaben nachzukommen. Im Falle eines Stromausfalls werden diese auch schon nach 15 Minuten besetzt und dienen bis zur Einsatzbereitschaft der Notfalltreffpunkte als Notrufanlaufpunkte für die Bevölkerung.

Wie werden Bürger informiert?

Die Information der Bevölkerung bei anderen Großschadensereignis erfolgt über die Nina-Warn-App, welche durch die Hilfsorganisationen zentral angesteuert werden kann und auf Schadensereignisse hinweist und erste Verhaltenshinweise gibt. „Wir empfehlen daher nachdrücklich, die Warn-App zu installieren“, weist Schmidt hin.

Weitere Informationen: www.notfalltreffpunkt-bw.de/

Zehn Tage ohne Einkaufen – das sollte man auf Vorrat im Haus haben

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe hat eine Check-Liste für Notfallvorsorge und richtiges Handeln in Notsituationen erstellt. Darin wird darüber informiert, dass im Falle einer Katastrophe wie Hochwasser, Stromausfall oder Sturm besteht die Gefahr besteht, dass Lebensmittel nur noch schwer zu bekommen sind. Daher sollen Bürger für einen ausreichenden Vorrat sorgen. Ziel müsse es sein, zehn Tage ohne Einkaufen
überstehen zu können. Ebenfalls findet sich dort ein Beispiel für einen zehntägigen Grundvorrat für eine Person. Dieser entspricht circa 2200 Kilokalorien pro Tag
und deckt damit im Regelfall den Gesamtenergiebedarf ab.