Seit rund 40 Jahren bekocht TuS-Chefkoch Bernhard Baur (Mitte) mit seinen Helferteams die Gastmannschaften in der Breitwiesenhalle. Foto: Ranft

Beim 49. Ergenzinger internationalen Jugendfußballturnier der B Junioren um den "Bitzercup" wurde am Wochenende eines mehr als deutlich: Die Zeitenwende ist auch im Gäu angekommen.

Rottenburg-Ergenzingen - Das Rahmenprogramm wurde doch deutlich abgespeckt. "Ein Programm, wie wir es in den vergangenen Jahrzehnten gefahren haben, schaffen wir einfach nicht mehr", erklärte Ex-Turniermanager Hermann Baur, der nach wie vor unterstützend tätig war und sich im Vorfeld um das Drum Herum am Stadion gekümmert hatte. "Dazu fehlen uns einfach die Helfer", sagte er. So gesagt, so geschrieben, was wohl für die Zukunft bedeuten wird, der Jugendfußball spielt die Hauptrolle, das Rahmenprogramm ist die Zugabe. Vorsitzender Rainer Sabitzer sah das Turnier nach den Unzulänglichkeiten der Pandemie unlängst bei einem Pressegespräch als eine Art Neubeginn, auf dem es aufzubauen gelte.

Festzelt innerhalb der Sportanlage

Übrigens, Kritik gab es deshalb über das ganze Wochenende hinweg so gut wie keine. Vielmehr brachten die Besucher viel Verständnis dafür auf, dass das Volksfest im Gäu, wie es im Volksmund genannt wurde, eben nicht in gewohnter Form stattfand. Da gab es sogar ein dickes Lob von etlichen überwiegend jüngeren Besuchern. Sie freuten sich darüber, dass das kleine Festzelt nun innerhalb der Sportanlage stand, ein kleiner Vergnügungspark vor Ort war und die Wege vom Stadion zum Unterhaltungsbereich wesentlich kürzer geworden sind.

An Besuchern jedenfalls mangelte es am Freitagabend nicht. Allerdings vergnügten diese sich überwiegend im Freien an den Stehtischen und rund um den Bierausschank, was im Festzelt, wo die Band "Dicke Fische" aufspielte, doch erhebliche Lücken hinterließ. Am Samstagabend ging dann die "Schwoba Komede" mit Markus Zipperle und Elsbeth Gscheidle über die Bühne, bei fast vollem Festzelt.

Neuer Rasen für 605.000 Euro

Vor viel kommunaler und örtlicher Prominenz, darunter auch Ergenzingens künftiger Ortsvorsteher Timo Wachendorfer, wurde am Samstagnachmittag der neu sanierte Rasenplatz offiziell seiner Bestimmung übergeben. Rottenburgs OB Stephan Neher verwies darauf, dass der neue Rasen insgesamt mit 605.000 Euro zu Buche geschlagen habe und dass es nun keine Ausreden bezüglich sportlicher Misserfolge mehr geben könne.

Bitzer-Geschäftsführer Christian Wehrle verwies darauf, das sein Konzern seit nunmehr zehn Jahren "Titelsponsor" für dieses Fußballturnier ist und dass Bitzer dereinst mit 200 Mitarbeitern in Ergenzingen gestartet, nunmehr auf eine Belegschaft von 600 Kräften verweisen könne. Ergenzingens stellvertretende Ortsvorsteherin Cornelia Ziegler-Wegner stellte fest, dass sich der neue grüne Rasen im Stadion sehen lassen könne und dass man in Ergenzingen stolz darauf sei, dass sich die Jugendfußballer mit dem Nachwuchs prominenter Bundeligaclubs messen dürfen. Abschied nahm der Turn- und Sportverein an diesem Nachmittag auch von Ex-Ortsvorsteherin Daniela Quintana Leiva. Vereinsboss Rainer Sabitzer und Frank Schäfer überreichten ihr ein Trikot mit der Aufschrift "Danke für Alles".

Seit rund 40 Jahren Koch

Für einen der zahlreichen Helfer des Turn- und Sportvereins änderte sich trotz "Zeitenwende" nur wenig. Die Rede ist hier von Bernhard Baur, der seit rund 40 Jahren in der Breitwiesenhalle zweimal pro Tag rund 400 Jugendfußballer, Funktionäre, Schiedsrichter und sonstige Mitglieder der Fußballdelegationen mit seinem Team bekocht. "Wir versuchen hier, jedem gerecht zu werden", so Baur. Nach Rücksprache mit den Mannschaften wird deftig schwäbisch, vegan, oder vegetarisch zubereitet und aufgetischt. Natürlich werde auch den Bedürfnissen der Muslime Rechnung getragen. Beliebt seien vor allem aber Spaghetti Bolognese oder mit Tomatensoße. Auch mediterrane Gerichte stehen auf dem Speisezettel. Gekocht wurde in zwei Schichten mit je sieben Helferinnen und Helfern. Ein dickes Lob durfte Baur bereits am Freitagabend von den Gästen aus Hoffenheim hören. Deren Kompliment lautete: "Besser als im Hotel." Überhaupt gehe es bei den Mahlzeiten sehr diszipliniert zu, so der erfahrene Koch. Gegessen werde erst, wenn das ganze Team komplett am Tisch sitze. Das habe der legendäre TuS-Trainer Walter Baur dereinst eingeführt und das werde auch noch in heutiger Zeit so praktiziert.