Der Erhalt der Linden liegt Anwohnern am Herzen – im Vertrag sind sie kein Thema.Archiv-Foto: Müller Foto: Schwarzwälder Bote

Grozstraße: Bauherr ändert seine Pläne

Bitz (key). Kleine Ursache, große Wirkung: Weil der Grundstückseigentümer des Flurstücks 613 in der Grozstraße 21 drei zweigeschossige Wohngebäude errichten will, ist eine Änderung des Bebauungsplanes "An der Linden-, Groz- und Olgastraße" notwendig – und dadurch wiederum ein städtebaulicher Vertrag zwischen dem Eigentümer und der Gemeinde Bitz.

Demselben hat der Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung die Zustimmung erteilt. Im Rahmen des Änderungsverfahrens soll nun geprüft werden, ob das Bauverbot für die Fläche, auf der das Wohnhaus stehen soll, aufgehoben werden kann, zumindest in Teilen.

Seit 2013 schon ein strittiges Thema

Zur Erinnerung: Das seit 2013 geplante Bauvorhaben beschäftigte das Gremium auch im vergangenen Sommer. Weil sich auf dem grünen Kleinod inmitten eines Wohngebiets einst die Mitarbeiter von Groz-Beckert unweit des Bitzer Firmengebäudes in ihren Pausen unter den mächtigen Linden erholten, war der westliche Zipfel der Fläche seit 1937 mit einem Bauverbot versehen, das auch im jüngsten Bebauungsplan von 1969 festgehalten ist. 2013 verkaufte die Firma das Grundstück, 2014 wurden acht Bäume gefällt, 2015 hatte der Gemeinderat festgestellt, dass die Fläche schützenswert sei und eine Bebauung mit Bedacht vonstatten gehen soll.

Eine Bauvoranfrage für ein Mehrfamilienhaus mit sieben Wohneinheiten und ebenso vielen Garagen im Sommer 2020 hatte Anwohner auf den Plan gerufen. Bürgermeisterstellvertreter Wolfgang Ziemen hatte die "Salamitaktik" des Bauherrn kritisiert: Die Pläne, die der in den vergangenen Jahren vorgelegt habe, seien immer größer geworden. Das Bauverbot für Teile der Fläche, das nur für Wohngebäude gilt, hatte der Bauherr umgangen, indem er Garagen dort plante.

Eigentümer stellt Bauvoranfrage zurück

Bürgermeister Hubert Schiele hatte damals angekündigt, das Gespräch mit dem Bauherrn zu suchen und an ihn zu appellieren, die betagten Bäume zu erhalten oder einen ökologischen Ausgleich zu schaffen.

Das Ergebnis nun: Der Grundbesitzer hat seine Bauvoranfrage für ein Mehrfamilienwohnhaus mit sieben Garagen zurückgestellt. Seinem Alternativvorschlag für drei zweigeschossige Wohngebäude war der Gemeinderat bei der Vorstellung positiv gegenüber gestanden, wie aus der Sitzungsvorlage hervorgeht. Die Kröte, die Kosten des Bebauungsplanverfahrens tragen zu müssen, wird der Grundbesitzer nun schlucken müssen – schließlich hat er sie verursacht.

Einen Anspruch darauf, dass eine Satzung zur Bebauungsplanänderung aufgestellt wird, hat er dadurch nicht – ebenso wenig wie auf Schadensersatz, wenn die ganze Sache scheitert. Für die Bebauungsplanänderung strebt die Gemeinde dafür ein beschleunigtes Verfahren an.

Was aus den Linden wird, die auf dem Grundstück stehen, ist im Städtebaulichen Vertrag kein Thema. Der Beschluss zur Zustimmung des Gemeinderats zum Städtebaulichen Vertrag fiel indes fast einstimmig aus – ein Gemeinderat enthielt sich.

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