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Bitz Thema Windkraft wird heiß diskutiert

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Andreas Glück (Zweiter von rechts) und seine FDP-Fraktionskollegen diskutieren mit Bürgern aus Bitz. Foto: Eyrich

Bitz - Das Thema Windkraft wird im windärmsten Bundesland heiß diskutiert – Grund genug für die FDP-Fraktion im Landtag, sich bei mehreren Bürgerinitiativen vor Ort zu informieren und deren Argumente zu hören.

Weil der Bitzer Bürgermeister es grundsätzlich begrüßt, wenn Politiker mit Betroffenen sprechen wollen, hat Hubert Schiele gerne die Rathaustür geöffnet für die Vertreter der FDP-Fraktion im Landtag, die sich anhören wollten, was die Bitzer Bürgerinitiative Windkraft (BBIWK), die Winterlinger Interessengemeinschaft Fachberg/Riedern (IG), "Gegenwind Hohenzollern – Bürgerinitiative gegen die Zerstörung eines intakten Naturraums" (GWH) und der Landesverband baden-württembergischer Bürgerinitiativen gegen Windkraft in Natur- und Kulturlandschaft (LVB) zu sagen hatten. Sie alle erwarten sich Hilfe auf politischer Ebene und wollen sachorientierte, ideologiefreie Diskussionen und Entscheidungen, wie sie deutlich machten.

Die Bitzer Bürger hätten "jeden Glauben in den Rechtsstaat verloren", sagte Jochen Lottermoser von der BBIWK. Das Landratsamt Zollernalbkreis habe gegen die Verordnung für den Naturpark Obere Donau vier Windräder genehmigt, für die 12 000 Hektar Wald "zerstört" würden, obwohl es die Wirtschaftlichkeit selbst für grenzwertig halte, die Greifvogelexpertin Marion Gschweng 20 Milanhorste im betroffenen Gebiet gefunden habe und dieses ein Wasserschutzgebiet sei: "Artenschutz, Wald, Wasser – die Behörde tut, als ginge uns das nichts an." Deshalb habe die BBIWK den Bürgerbeauftragten der Landesregierung und den Petitionsausschuss des Landtags eingeschaltet.

Bitsch: "Großkonzerne kommen durch Genossenschaften doch noch zu ihren Pfründen"

Herbert Bitsch von der IG will seine Klage gar bis zum Bundesverfassungsgericht durchfechten, zumal es neue Methoden zur Berechnung des Infraschalls gebe und inzwischen auch eine natürliche Person Artenschutz einklagen könne. "Sie müssen diesen Unsinn abstellen, dass die Großkonzerne über Bürgerenergiegenossenschaften doch noch zu ihren Pfründen kommen, und dafür sorgen, dass bei allen Gutachten unabhängige vereidigte Gutachter beauftragt werden", forderte er ebenso wie ein Gesetz, das eine Umweltverträglichkeitsprüfung für jedes Windrad vorschreibe.

Michael Thorwart von der GWH ist Professor für Theoretische Physik und legte Zahlen vor, nach denen Windkraft nach Pumpspeicherkraftwerken die geringste Energiedichte habe – die höchste hätten Kernkraftwerke. Er hat als Ziel der Windkraftbefürworter eine "ökosoziologische Umgestaltung der Gesellschaft" ausgemacht. Die Kernkraft ließen sich nicht durch erneuerbare Energien ersetzen: "Wir müssten den Energieverbrauch auf 60 Prozent absenken." Der Windatlas, durch "unzuverlässige Methoden" aufgestellt, beziehe wichtige Aspekte wie Temperatur, Vegetation, Luftschichten und Turbulenzen nicht ein und diene nur "dem Herstellen von Genehmigungen". Von der FDP erwartet er, "die Ideologie, die dahinter steht, und die Folgen für die Bürger herauszuarbeiten".

Landwirt Hans Schmid aus Burladingen-Hermannsdorf befürchtet Schaden für Mensch und Tier durch Infraschall, zu dem Biologe Wolfgang Müller aus Rangendingen neue Untersuchungen angestellt hat, wie er sagte. Werner Letsch aus Bitz geht es zudem um die Landschaft: "Ich beobachte diese Wälder seit meiner Kindheit. Da oben machen Windräder wenig Sinn."

Hubert Schiele: "Kleinvieh macht Mist – und viele zusammen erreichen etwas"

Mehrere Redner unterstützten das Argument von Andreas Glück von der FDP-Fraktion, dass Deutschland nur 2,3 Prozent des weltweiten CO2-Ausstoßes verursache und es damit "dem Weltklima ziemlich wurscht" sei, was Deutschland tue, worauf Bürgermeister Hubert Schiele heftig intervenierte: "Das Erneuerbare-Energien-Gesetz hat viele Technologien marktfähig gemacht und ist in vielen Ländern kopiert worden. Kleinvieh macht Mist, und viele zusammen erreichen etwas. Wir können andere animieren, mitzumachen" – da seien auch Vorbilder gefragt.

"Baden-Württemberg hat die geringste Windhöffigkeit in Deutschland", hielt Glück dagegen. "Wenn wir eine Wende wollen, muss jeder sein Bestes beitragen, nicht das Schlechteste." 50 Prozent der Energie würden für Wärme genutzt, 30 Prozent für Verkehr und nur 20 Prozent für Strom. Da seien Mittelstand, Häuslebauer, Tüftler und Erfinder gefragt, und nicht jede baden-württembergische Windkraftanlage müsse auch im Land stehen. Hubert Schiele hingegen hält es für "ziemlich unfair, alle Windräder in den Norden zu stellen". Zudem seien gerade Großverbraucher von der EEG-Umlage befreit – "also Ihr Klientel". Und die Autoindustrie "treibt, was sie will – da hätte man vor Jahren schon ansetzen sollen". Er persönlich fahre seit Jahren mit Erdgas.

Glück und seiner Partei hingegen geht es um eine "offene Energiewende", bei der nur das Ziel festgelegt sei, so dass man "die unterschiedlichen Technologien in den Wettbewerb miteinander schickt". Auch eine Abstandsregel für Windräder wie in Bayern – dort sind zwei Kilometer Abstand zu Siedlungen Pflicht – habe seine Fraktion bereits gefordert, im Landtag dafür aber keine Mehrheit bekommen.

Walter Müller vom LBV erinnerte an die Kommunalwahlen 2019 und forderte die Teilnehmer der Runde auf, eigene Listen zu bilden, wenn sie in den bestehenden Fraktionen kein Gehör fänden.

 
 

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