Aber: Bei den immergrünen Bäumen kann es zu „Frost-Trocknis“ kommen, weiß der Bisinger Revierleiter André Conzelmann. Ein immerwährendes Problem: der Käferbefall.
Der Winter ist die Haupteinschlagszeit für den Forst. Weil der Baum da eine Art „Winterschlaf“ hält, erklärt Bisingens Revierleiter André Conzelmann.
Vor allem aber würden in der frostigen Jahreszeit an den umgebenden Bäumen weniger Schäden verursacht – und: „Wenn der Boden durchgefroren ist, ist das ideal für die Holzrückung.“ Außerdem werde der Waldboden dann kaum verletzt.
Aus alledem könnte der Laie schließen, dass der seit Mitte Dezember fast durchgehend herrschende Frost dem Wald insgesamt guttut. Ja und nein.
„Natürliches Frostschutzmittel“
„Grundsätzlich“, macht der Forstingenieur deutlich, „braucht die Natur den Frost“. Zum Beispiel der so beliebte Bärlauch – um zu keimen. Alten Laubbaumbeständen könnten die Minustemperaturen auch wenig anhaben, weil sie Zuckerverbindungen in sich tragen, die wie ein „natürliches Frostschutzmittel“ wirken. Bei den immergrünen Bäumen verhalte es sich etwas anders, weiß der 47-Jährige. Da kann es zu „Frost-Trocknis“ kommen, wenn der Boden gefroren ist, die Bäume aber schon Wasser verdunsten. Zu beobachten seien Trockenschäden zum Beispiel an Weißtannen. Die Folge: Absterben und Verfärbungen. Bei Spätfrost (im Frühjahr) komme das Erfrieren von Knospen und jungen Trieben sowie die Rotfärbung dazu – Schäden davon tragen würden hier vor allem jüngere Pflanzen.
Ganz allgemein würden die Bäume damit anfällig für den Käfer- und Pilzbefall. An erster Stelle die Buchen, Eschen und Tannen. Tötet der Frost den Käfer denn nicht? Nur bedingt, sagt André Conzelmann. Larven und Eier überlebten die Kälte meist nicht, aber den Käfern, die in den Bäumen oder im Waldboden überwintern, „machen bis zu minus 25 Grad nichts aus“. Um bei plus 16 Grad schon wieder auszuschwärmen. Einzig „problematisch“ sei für den Käfer ein feuchter, milder Winter.
Käferholz raus aus dem Wald
Immer dieser Käfer… wobei in unserer Region der Buchdrucker der Hauptschädling ist – und bevorzugt die Fichte befällt. Der so häufig genannte Borkenkäfer gilt als großer Sammelbegriff. Gibt es eine Möglichkeit, dem Schädlingsbefall wirkungsvoll Paroli zu bieten? Ja, die sofortige Aufarbeitung, also Fällung. Danach müsse das Holz ebenso zügig raus aus dem Wald. Das Entrinden gehöre außerdem dazu.
Die Kommune, sagt der Revierleiter, arbeite das Käferholz konsequent auf. In großer Zahl angefallen sei es nach dem Sturm im August 2023. Das Problem: der Privatwald. Würden deren Besitzer (die sich zum Teil nicht mal in dieser Rolle – und damit Verantwortung – wissen) so stringent nach ihren Bäumen schauen, wie es der Forst tut, wäre das Käfer-Problem zumindest kleiner. Denn dieser fliege nicht nur bis zum nächsten Baumbestand, sondern würde vom Wind auch weitergetragen – also aus der nächsten Umgebung heraus.
André Conzelmann
André Conzelmann ist seit August 2023 Leiter des Forstreviers 5 (Bisingen). Der gebürtige Albstädter hat Forstwirtschaft in Rottenburg studiert. Im Kirchspiel zeichnet der Forstingenieur für eine forstwirtschaftliche Betriebsfläche von zirka 850 Hektar verantwortlich.