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Bisingen Wolkendecke wird zum Verhängnis

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Von Jörg Wahl

Bisingen. Es war ein Donnerstagmittag 1945, als das Gebrumme von Motoren die Bisinger erschreckte und Sirenen Fliegeralarm gaben: Der Luftangriff auf Bisingen jährt sich morgen zum 70. Mal.

24 Menschen starben am 22. Februar 1945 beim Luftangriff auf die Gemeinde Bisingen. Dieser Tag jährt sich morgen, Sonntag, zum 70. Mal. Die Mitglieder des Heimatvereins Bisingen-Steinhofen haben die Ereignisse dieses Tages anhand von Dokumenten und Zeitzeugenaussagen aufgearbeitet. Der Luftangriff galt eigentlich der Stadt Mössingen. Dort sollten der Bahnhof und zwei Eisenbahnbrücken über die Steinlach und die Bahnhofstraße zerstört werden. Bisingen war Ausweichziel.

Die Operation "Clarion" (Kriegstrompete) war die größte Luftangriffskampagne der Alliierten während des Zweiten Weltkriegs. Strategisch wichtige Verkehrspunkte in Deutschland sollten innerhalb von 48 Stunden zerstört werden. Insgesamt 3500 Bomber und etwa 1500 Kampfflugzeuge der United States Army Air Forces und der Royal Air Force flogen 9000 Einsätze.

Am 22. Februar 1945 starteten gegen 11 Uhr sieben mittelschwere Bomber der amerikanischen 17. Bomber-Gruppe von ihrer Basis in Dijon (Frankreich) mit dem Ziel Mössingen. Jede Maschine hatte zwei Tonnen Bombenlast an Bord. Am Albtrauf wurden sie von den Bisinger Einwohnern schon gesichtet, diese lösten Fliegeralarm aus. Eines der Flugzeuge musste wegen eines technischen Defekts umkehren. Die anderen fanden ihr primäres Ziel Mössingen in einer Wolkendecke. Die Flugzeuge schwenkten wegen der schlechten Sichtverhältnisse ab und flogen zum Ausweichziel Bisingen.

Die Bisinger suchten nach einem sicheren Versteck in den zwei etwas größeren Luftschutzräumlichkeiten – das Gasthaus Waldhorn und die "Sonne". In Bisingen befanden sich außerdem einige bunkerähnliche Unterstände. Manche flüchteten auch aufs freie Feld und in den Wald. 48 Bomben mit jeweils 250 Kilogramm wurden über der Ortsmitte abgeworfen. Im Bereich der Eisenbahnbrücke (Hauptstraße) war alles in wenigen Sekunden in Schutt und Asche gelegt. Das Bahngleis wurde unmittelbar vor der Brücke getroffen, so war der gesamte Zugverkehr lahm gelegt, und der Nachschub von Rüstungsgütern wurde verhindert.

Die ehemalige Gaststätte und Metzgerei Sonne war in unmittelbarer Nähe der Eisenbahnbrücke und wurde voll getroffen. 24 Menschen starben bei dem Angriff, fast alle von ihnen befanden sich im Luftschutzkeller der "Sonne". Unter ihnen waren sechs Kinder im Alter zwischen vier Wochen und 15 Jahren. Zwei von diesen Kindern, vier und neun Jahre, wurden damals von Pforzheim nach Bisingen zu Verwandten gebracht, weil man sie dort in Sicherheit wähnte. Da es vor dem Angriff lange geregnet hatte, drangen die Bomben tief in den Boden ein. Für die Menschen, die sich im Kellergeschoss aufhielten, gab es kein Entrinnen.

Die Leichen konnten nur mit großer Kraftanstrengung und viel Zeitaufwand aus dem Sonnenkeller geborgen werden – sie waren teils bis zur Unkenntlichkeit zerquetscht. Mit Holz-Zweirädern wurden sie abtransportiert und bis zur Beerdigung in der Firma Maute aufbewahrt. Die Opfer wurden auf dem Friedhof in Bisingen in einem Massengrab beigesetzt – auch dabei versetzten Tiefflieger die Leute in Angst und Schrecken.

Mit dem Fliegerangriff war nicht alles vorbei, denn abgeworfen wurden auch Zeitzünder. Ein solcher ging am Tag darauf, 23. Februar 1945, in den frühen Morgenstunden im "Hans-Jörg-Haus" in der Hauptstraße hoch. Glücklicherweise waren keine Menschen mehr im Haus.

Die Gemeinde Bisingen hat den Opfern des Fliegerangriffs 1955 eine Gedenkstätte auf dem Friedhof errichtet. In der Kriegergedächtnisstätte in der Friedhofskapelle sind die Namen der Toten auf Steintafeln aufgeführt. Zudem sind links und rechts der Wendelinskapelle die Gräber der Bombenopfer und gefallenen Soldaten aus Bisingen.

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Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

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