Das Areal auf der das umstrittene Bauprojekt in der Hechinger Straße geplant ist. Derzeit wird dort schon abgerissen. Foto: Stopper

Bisingen wächst. Über Bauanfragen für insgesamt 50 neue Wohneinheiten, verteilt auf drei Projekte, hat am Dienstag der Bisinger Gemeinderat beraten. Größtes Vorhaben ist ein Gebäudekomplex neben dem Gelände der ehemaligen Elektrogerätefirma Kress. An allen drei Projekten gab es Kritik aus dem Rat.

Bisingen - Mal wieder als erster Rat meldete sich Klaus Ertl, aber was er sagte, teilten an diesem Abend viele Räte. Er sei "beinahe auf Krawall gebürstet" wegen diesem Tagesordnungspunkt. Denn es sei ja so, dass im Fall Bugen das Landratsamt als Baurechtsbehörde das Projekt schon genehmigt habe. Der Gemeinderat werde zwar um sein Einvernehmen gebeten, verweigere er das, ändere das aber nichts. "Was machen wir denn hier überhaupt?", fragte er.

Waizenegger verweist auf Landesrecht

Bürgermeister Roman Waizenegger wies zwar darauf hin, dass die Behandlung im Gemeinderat zum einen den Gesprächsfaden zu den Bauträgern knüpfe, und man in Verhandlungen viel erreichen könne. Aber im Grunde gab er Ertl recht. "Dass das Einvernehmen des Gemeinderats verlangt werde, sei im Grunde "ein zahnloser Tiger". Aber das Land habe das eben so vorgesehen.

Pultdach mit Dachgauben stößt auf einhellige Ablehnung

Besonders krass wurde dies beim Bauvorhaben an der Hechingerstraße 46, ein Hallengelände neben der Esso-Tankstelle, wo aktuell schon der Abrissbagger wütet. Sechs Einzelgebäude mit insgesamt 33 Wohneinheiten sollen hier entstehen, unterkellert mit einer Tiefgarage.

Eigentlich ist das ganze Gebäude so geplant, wie das der Bebauungsplan hier vorsieht, so Waizenegger, das Problem aber sei das Dach. Im Bebauungsplan wurde die Gestaltung hier freigestellt, der Bauherr plant nun das ungewöhnliche Modell eines Pultdachs mit Dachgauben, um den Raum optimal auszunutzen. Gespräche wurden hier geführt, der Bauherr bleibt aber bei seiner Vision. Quittung vom Rat: Dem Vorschlag, das Einvernehnem nicht zu erteilen, folgte der Rat ohne Gegenstimmen. Ob das das Projekt verhindern kann, ist aber zweifelhaft.

Gemeinderäte wollen die Nachbarn schützen

Das Einvernehmen verweigert wurde auch einem Bauprojekt, das neun Wohneinheiten am Frongrabenweg 10 schaffen soll. Viel zu groß, zu viel Fläche versiegelt, zu nahe an den Nachbarn – dazu gab es viele kritische Worte aus dem Rat. Roman Waizenegger wies darauf hin, dass in den Verhandlungen mit dem Bauherr schon ein Kompromiss erzielt wurde, denn möglicherweise dürfe der noch größer bauen. Und das Gremium habe diesem Weg früher schon mal zugestimmt. Das nutzte aber nichts. Ebenfalls einstimmig verweigerte der Rat auch dieser Bauanfrage das Einvernehmen.

Immerhin ein Projekt findet Gnade

Immer ein Projekt fand dann Gnade vor dem Gemeinderat, aber auch hier gab es vier Gegenstimmen. Es ging um die Bauvoranfrage zum Bau eines Mehrfamilienhauses mit acht Wohnungen nebst Tiefgarage an der Straße im Bugen vorgelegt. Für das Gebiet gibt es keinen Bebauungsplan, ein Vorhaben ist deshalb danach zu beurteilen, ob es sich nach Art und Maß der Bebauung in die Umgebung einfügt. Das wird von mehreren Räten kritisch gesehen, denn auch hier wird Nachbarn eng auf die Pelle gerückt.