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Bisingen Umfahrung abgelehnt, Lärm geblieben

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Dieser Verlauf war für die Nordumfahrung Anfang der 2000er-Jahre vorgesehen: Von einer neuen B27-Abfahrt wäre die angedachte Strecke über die Bahnlinie verlaufen, vorbei an der Bahnhofstraße und mit einer Verschwenkung nach Norden um Thanheim herum. Nach dem Tunnel durch den Ebersberg hätte die Strecke in die Stichstraße eingemündet.Fotos: Archiv Foto: Schwarzwälder Bote

Die Freien Wähler haben den Bau einer Ortsumfahrung für Bisingen ins Gespräch gebracht. Anlass dafür ist der Verkehrslärm, über den sich zahlreiche Anwohner beklagen. Das Thema ist alt: 1967 wurde es erstmals im Gemeinderat besprochen.

Bisingen (aka). Es war eine denkwürdige Entscheidung: "Bisingen legt Nordumgehung zu den Akten", titelt der Schwarzwälder Bote am Montag, 23. September 2002, einen Tag nach dem Bürgerentscheid. Dieser Entscheidung ging eine lange Geschichte voraus. Das sind ihre wichtigsten Etappen:

1967 erstmals beraten

Die politische Diskussion über die Notwendigkeit einer Umfahrung für Bisingen reicht zurück bis in die 1960er-Jahre. 1967 befasst sich der Gemeinderat erstmals mit dem Thema. Der Tenor: Die Gemeinde müsse sich ernsthaft mit dieser Frage beschäftigen.

Vorschlag: Südumfahrung

Mehr als zehn Jahre später, in der Januar-Gemeinderatssitzung von 1978, legt die Straßenbauverwaltung dem Gremium den Entwurf für eine Südumfahrung vor (von der L 360 bei Thanheim zur B 463 nach Steinhofen).

Anfang der 1990er-Jahre startet die Stadt Albstadt verstärkte Aktivitäten, um die Stichstraße zwischen Thanheim und Onstmettingen auszubauen. Im März 1992 fasste der Ortschaftsrat Thanheim den Beschluss, diesem Ausbau nur zuzustimmen, wenn Thanheim eine Umgehung erhält.

Nachrangiger Bedarf

Ende 1995 wird im Generalverkehrsplan des Landes Baden-Württemberg der Stichausbau in den vordringlichen Bedarf, die Südumfahrung Bisingens in den nachrangigen Bedarf aufgenommen.

Etwa ein Jahr später lehnt der Gemeinderat Bisingen die Planungen für den Ausbau der Stichstraße ab, insbesondere weil der Ausbau nicht auf den Bau einer Ortsumfahrung für Bisingen abgestimmt ist. Im Dezember 1999 legt der Landkreis einen mittelfristigen Entwurf des Straßenbauprogramms vor. Darin enthalten ist eine Ortsumfahrung Zimmern.

Gesamtlösung im Blick

Im Februar 2000 fassen die Bisinger Ortschaftsräte folgende Beschlüsse: Thanheim und Wessingen lehnen eine separate Umgehung Zimmerns ab und fordern im Fall eines Stich-Ausbaus eine Umfahrung für Thanheim und Bisingen. Zimmern stimmt für eine Umgehung Zimmerns, unter der Bedingung, dass eine Gesamtlösung gefunden wird.

Ebenfalls im Februar 2000 fasst der Gemeinderat den Beschluss, dass im Hinblick auf eine Ortsumfahrung eine Lösung gefunden werden muss, die im Sinne Bisingens und aller Ortsteile sein muss.

Gutachten wird vorgestellt

Im Februar 2001 wird im Rahmen einer öffentlichen Bürger-Veranstaltung ein Verkehrskonzept vorgestellt, das der Gemeinderat zuvor in Auftrag gegeben hatte. Als verkehrstechnisch beste Lösung wird nun jedoch die Nordumfahrung genannt (bis zu diesem Zeitpunkt war eine Südumfahrung im Gespräch).

Wenige Tage später gründet sich in Thanheim die "Bürgerinitiative gegen eine Lebensraum zerstörende Ortsumgehung". Weitere Projektgegner schließen sich zu Interessengruppen zusammen.

Beschluss: Bürger fragen

Im Mai 2002 sprechen sich alle Ortschaftsräte und der Gemeinderat für die Notwendigkeit einer Ortsumfahrung für die Gesamtgemeinde aus, weil der Stich-Ausbau zu diesem Zeitpunkt konkrete Züge annimmt.

Einen Tag später fasst der Gemeinderat den Grundsatzbeschluss, die Abstimmung über eine Machbarkeitsstudie für die Variante 2c (Nordumfahrung) einem Bürgerentscheid zu unterstellen.

Nur 153 Stimmen

Nach mehreren Informationsveranstaltungen für die Einwohner fällt am 22. September 2002 die Entscheidung: Die Bürger stimmten dagegen, eine solche Studie in Auftrag zu geben – mit einer ganz knappen Mehrheit von nur 153 Stimmen. Während sich die Vertreter der Interessengruppen und der Bürgerinitiative freuten, äußerten sich die kommunalpolitisch engagierten Bisinger kritisch über das Ergebnis. Unter dem Eindruck des Bürgerentscheids war bald auch eine Südumfahrung vom Tisch. Eine Umgehung war seither nicht mehr im Gespräch.

Ärger über Verkehrslärm

Mit dem Verkehrslärm befasste sich der Gemeinderat in seiner Sitzung vom Februar 2016. Schon damals waren 30er-Zonen im Gespräch. Nach weiteren Gemeinderatssitzungen wurde im November 2019 der Lärmaktionsplan vorgestellt. Dieser soll Wege aufzeigen, den Lärm zu minimieren. Konkreter geworden ist dabei die Einrichtung von 30er-Zonen auf bestimmten Straßenabschnitten zu bestimmten Tages- und Nachtzeiten. Klar geworden ist auch: Was laut den gesetzlichen Richtlinien als zu viel Lärm definiert ist, muss nicht unbedingt dem subjektiven Gefühl der Anwohner entsprechen. Und nicht überall, wo sich der Gemeinderat 30er-Zonen wünscht, können wohl solche entstehen, weil übergeordnete Behörden dabei ein Wörtchen mitzureden haben.

Gelingt ein neuer Anlauf?

Nun bringt Klaus Ertl für die Freien Wähler die Umfahrung wieder in die öffentliche Diskussion ein. Ob der Gemeinderat sich von diesem kühnen Vorschlag überzeugen lässt?

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