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Bisingen Schwäbisch lernen in vier Lektionen

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Dieses "Nationalgericht" schmeckt jedem Schwaben: Maultaschen in der Brühe - am besten noch mit Kartoffensalat. Foto: betzge/ Shutterstock

Bisingen - Dialekt ist die zur Sprache gewordene Heimat. Gerhard Dehner vom Thanheimer Heimatverein hat einen originellen Schwäbisch-Kurs zusammengestellt: Für alle, die Schwaben werden und solche, die ihr Wissen auffrischen wollen.

Wenn man das Schwäbische mit dem Bayerischen vergleiche, gingen die Bayern mit ihrem Dialekt doch deutlich selbstbewusster um, erklärt Gerhard Dehner. Schon während seines Studiums habe er gemerkt: Man stellt das Schwäbische "unter den Scheffel" – und das völlig zu Unrecht. Denn beim Übersetzen ins Hochdeutsche gehe vieles verloren. Schon in Kindergarten und Schule würden Kinder angehalten, im Schriftdeutsch zu sprechen. Als Leiter des Arbeitskreises Ortsgeschichte des Thanheimer Heimatvereins hat Dehner das nun zum Anlass genommen, einen unterhaltsamen Schwäbisch-Kurs als Bei-Produkt zu seinen sonstigen heimatgeschichtlichen Forschungen zu verfassen – los geht’s!

Dialekte und Unzahl an Mundarten

"Des war no so päb, des hett kenna lätz ausgau!" - haben Sie das verstanden, dann sind sie hier richtig! Wenn nicht, wir betreiben Aufklärung. Ja, an dieser Stelle soll mal wieder richtig Dialekt geredet werden.

In Deutschland gibt es viele Dialekte, wie zum Beispiel bayerisch, schwäbisch, hessisch, sächsisch und so weiter, aber es gibt eine Unzahl von Mundarten, nämlich über 11.000, wie schlaue Menschen herausgefunden haben.

Auch der Heimatverein Thanheim sorgt sich, wie viele im Ländle, um die Seele der Volkssprache. Deshalb haben wir uns mal wieder mit Freude und Enthusiasmus bemüht, alte Worte und aus dem schwäbischen Dialekt, wie er bei uns in Thanheim und im Raum Bisingen gesprochen wurde und teilweise von den älteren Bewohnern heute noch gesprochen wird, weiter zu verzehla, um beim Thema zu bleiben.

Erste Lektion

Ja, der Thanheimer Schwabe spricht selten, sondern er schwätzt, verzehlt, tratschet oder verzapft ebbes, oft Dinge, die ma liaber hälenga weiter sait, weil ma it wast, ob dear, mos wam verzapft hot, es vom Vorverzehler it hinderafiesche (falsch) verstanda hot.

Mit einem Satz übersetzt heißt das, aufpassen beim Weitersagen von Nachrichten.

Ja, aufzupassen gilt es auch im Straßenverkehr, denn um a Härle Hoor hets klepfa kenna und schon schreit einer: Au des war no so päb, des hätt kenna lätz ausgau!

Knapp hergehen und schlimm ausgehen können ja viele Dinge, vor allen Dingen gibt es Sachen, die auch einen Schwaben schiagar nemme griabeg lend (beinahe aus der Ruhe bringen).

Dann kann er nämleg ziemlich grätig weara und fuchteg doa und beinoh an Blafoh nuffgau, wies HB-Männle seinerzeit. Er wird ziemlich ungemütlich mit furchteinflößenden Gesten und geht an die Decke. Möglicherweise fängt er auch an zum debara, was ungefähr das gleiche bedeutet.

Um diesen jemand wieder zur Ruhe zu bringen oder einen Vorteil von ihm zu erlangen, tut man ihm "flattiera", mit schönen Worte umschmeicheln.

Ischt der Wutausbruch irgendwann vorbei, kennt es sei, dass es ihn dann keit (er es bereut).

Das alte Wort "keia" hat sogar mehrere Bedeutungen, so kann man mit einem Schubkarren umkeien und man kann jemandem den Autoschlüssel zukeien oder es kann einen etwas keien, wenn es falsch war.

Schön kompliziert, aber die Ausdruckskraft der mundartlichen Begriffe wie Fuzklemmer, Babbadeggl, Muggaseckele, Schoramokele, Hemmedzettler, Druggsmulle und Hurniglede sind einfach umwerfend oder gschukt guat und eigentlich durch die Übersetzung ins Hochdeutsche Ihrer Seele beraubt.

Die Übersetzungen Windverhinderer, Karton, ein sehr kleines bisschen etwas, Tannenzapfen, Mensch, der sein Hemd heraushängen lässt, verklemmter, scheuer Mensch und ziemliches Unwetter sind so schrecklich, dass da nau no uffm Boda rumwaala und pfittere möchtest bis da so lommelig bischt, dass da dean Gruscht ausem Kopf naus kriagscht.

Verstanda! Guat! Nächste Lektion:

Zweite Lektion

Eigentlich bizzelets me jo schau lang (hatte schon lange Lust), mol eine Hochlied auf die Mundart zu schreiba, aber eines Nachts als I mi so uf meim Pfulba rumdreh, hot mir oar zugeflüsteret, des kascht keakleg doa! (Ich solls wagen)

Und so haunes also jetzt verlickeret und grizzle mir die schwäbische Thanheimer Mundart-Seele aus dem Leib.

I hoff, dass mr des gelunga ischt und nicht als Hurgler bezeichnet werden muss, ein Mensch der sich ungeschickt, tolpatschig benimmt.

Weil mir Katholische erst kürzlich Maria Himmelfahrt gefeiert hend, fällt mr dazu ein. Wenn jemand bei uns die Mutter Gottes anfleht, weil etwas Blödes passiert ist, hört ma gern mol den Satz:

Heilige Muater, ausa Gotzige! (die Einzige)

Wenn man einen steilen Weg hochläuft, wie bei uns s’Krumsteigle zum Friedhof hoch, dann geht es gäh nuff und nacher wieder gäh na.

Wenn die Thanheimer Musikkapelle, ein hervorragendes Orchester, in der Thanheimer Halle probt, kann man schon mal hören, dass bei den Blechbläsern etwas schätteret (unschön blechig klingt), aber nur wenn an den Instrumenten etwas nicht stimmt.

Wenn ein Bild von der Wand fällt, dann war der Nagel, der das Bild halten sollte, zu lodderig in der Wand, saß also nicht mehr fest genug.

Ist jemand verloddert, dann hat er vermutlich wenig persönlichen Halt mehr und führt jemand ein Lotterleben, dann denkt der Mundartige an ein leichtes Leben.

Aber beim tugendhaften Thanheimer Schwaben kommt dies nicht vor.

Wer bei uns im Winter mit dem Kachelofen sei Stub beheizt, muss aufpassa das der Raum it sinkelet, sonst hält man‘s vor Hitze kaum mehr aus. Sollte man dagegen zu lange in kalten Räumen sitzen, dann besteht die Möglichkeit, dass man schnell mal eine Schnuderde, eben einen Schnupfen bekommt.

Jetzt im Sommer geits ja bekanntlich aumol Gewitter, das neben Regen auch kleine Hagelkörner mitbringt, so hört man auch heute noch, "des hot grad ganz schee kitzabohnalet".

Dritte Lektion

Neben den Wendungen und Wörtern, die außergewöhnlich bildhaft, vielfältig und tiefgründig sind, gibt es natürlich im schwäbischen allgemeingültige Sprüche, die überall zutreffen. Hier ein paar Beispiele:

"Ama Zuagucker ischt koa Arbet zveil", saget die Schwaben gern, die lieber andere Menschen arbeiten sehen.

Wissen Sie im Übrigen, dass wir Schwaben, jetzt unabhängig von der jeweiligen Mundart, also auch die Thanheimer sehr knitz sein können, des heißt, dena sitzt der Schalk im Nacken.

Ich erklär’s Ihnen mit a baar Beispiel:

"Wia gohds eigendlich Deim Ma?" – "Ha der isch doch vor drei Moned gschdorba!" – "Drom siehd ma dean so selta!"

"Ja sag amol, hoscht Dau gar nix mid Deira Frau gemeinsam?!" – "Doch, schau, mir häbe am gleicha Dag gheiret!"

Eine schwäbische Kundin fragt am Marktstand: "Heand ihr au an Dill do?" –­ "Noa", sagt der Händler, "aber a lange Gurk, dia duads au!"

Ein Vater: "Ja Bua, morum bäbbescht denn a Bildle vo mir in Dei Schualhefd?" – "Weil d’Lehrere sea will, weler Seggl mir ewe bei de Hausuffgaba hilfd!"

Vierte Lektion

Und zum guten Schluss kam früher auch bei den Thanheimer Schwaben immer das Wort "Sodele" zur Sprache! Dieses Sodele sagte man in der Mundart überall dort, wo man etwas recht und in Ordnung findet, wenn man gibt, nimmt oder eine Sache abschließt.

"Sodele" sagte mal eine Metzgersfrau, als sie das Fleisch auf die Waage legte und der Zeiger ein wenig hinter dem gewünschten Gewicht zurückblieb. Die Kundin, eine Nichtschwäbin reagierte darauf so: "Ich will kein ›Sodele‹, ich möchte Fleisch."

Also deand gschdät (machts langsam), dieser Wahlspruch gilt für älle Schwoba.

Ja, die Sprache der Mundart ist einfach, kernig, voller Lebenserfahrung und Seelentiefe. Wir sollten sie als ein hohes Kulturgut unserer Heimat hüten und pflegen.

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