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Bisingen Kesselhaus wird platt gemacht

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Maute-Areal: Das Kessel- und Maschinenhaus wird abgerissen. So hat es Bisingens Gemeinderat am Dienstagabend beschlossen. Foto: Engelhardt

Bisingen - Die Würfel sind gefallen: Der Gemeinderat hat auf Antrag von Dieter Fecker (CDU) den Abriss von Kessel- und Maschinenhaus beschlossen.

Am Dienstagabend hat das Gremium Nägel mit Köpfen gemacht. Neun Gemeinderäte haben mit "Ja" gestimmt, vier haben sich enthalten und zwei sind gegen den Abriss gewesen. Feckers Antrag im Wortlaut: "Der Gemeinderat beschließt, das Kessel- und Maschinenhaus abzubrechen." Gisela Birr (SPD), Heinz Heyeckhaus (Alternative Liste) und Alexander Mayer (CDU) mussten die Abstimmung von den Zuschauerreihen verfolgen. Sie gelten rechtlich als befangen, weil sie in direkter Nähe des Maute-Areals wohnen oder dort ihren Betrieb haben. Der Entscheidung ist eine längere Diskussion vorausgegangen. Fecker begründet seinen Antrag so: Seit dem Kauf des Maute-Areals Ende 2017 sind "sehr viel Mühe" und – er meint das in positivem Sinne – "sehr viel Geld" in den Entscheidungsprozess geflossen, wie die Industriebrache entwickelt wird. Fecker: "Die Zeit für Ergebnisse ist gekommen." Vor allem Klaus Ertl (Freie Wähler) hat dieser Sicht widersprochen: Er hätte die Entscheidung über den Antrag am liebsten verschoben. Helmuth Alznauer (SPD) sagte dagegen: "Am liebsten würde ich das ganze Gelände platt haben, um es effektiver beplanen zu können."

Abriss ist deutlich günstiger

Eigentlich ist es eine simple Rechnung: Das Kessel- und Maschinenhaus in den Rohbauzustand zu bringen, kostet laut Expertenmeinung geschätzte 400 000 Euro. Aufwand für die Sanierung nicht eingerechnet. Und der Abriss liegt bei um die 260 000 Euro. Die Lage ist eindeutig. Doch mit Zahlen haben die Gemeinderäte bei ihrer Sitzung am Dienstagabend interessanterweise nicht argumentiert. Stattdessen haben die Mitglieder des Gremiums andere Aspekte in die Waagschale geworfen.Nach dem Vortrag von Ingenieur Michael Sieber, der Kamin, Kessel- und Maschinenhaus eingehend untersucht hat, eröffnet Klaus Ertl (Freie Wähler) die Diskussion, die er am liebsten gleich wieder beendet hätte: Er will die Untersuchungsergebnisse erst einmal "sacken lassen" und in den Fraktionen besprechen. Gisela Birr (SPD) wendet vehement ein: "Es hat keinen Sinn, noch länger Zeit zu vertrödeln. Was will man noch diskutieren? Die Bevölkerung will eine Antwort." Dieter Fecker (CDU) schlägt in die gleiche Kerbe: "Die Zeit für Ergebnisse ist gekommen."

"Der Gemeinderat beschließt..."

Danach formuliert er einen Antrag, der es in sich hat: "Der Gemeinderat beschließt, das Kessel- und Maschinenhaus abzubrechen." Beobachter könnten es als Herausforderung interpretieren: Jetzt müssen die Gemeinderäte erstmals seit dem Kauf des Maute-Areals Ende 2017 Farbe bekennen. Abreißen oder erhalten? Dafür, dass dieses Thema auch einen Teil der Bevölkerung sehr emotionalisiert, steigt im kleinen Saal der Hohenzollernhalle ein sachlischer Showdown. Viellicht hat Fecker mit seinem überraschenden Antrag den einen oder anderen überrumeplt? Ist das der Grund, warum nur zwei Besucher in die Gemeinderatssitzung gefunden haben? Bei einem Thema, das sonst auf deutlich größeren Zuspruch trifft?

Michailidis: "Für mich ist die Zeit zu kurz"

Alles andere als Zuspruch für seinen Antrag erhält Fecker von Christoph Michailidis (Freie Wähler): "Für mich ist die Zeit zu kurz" – zu kurz, um eine solch weitreichende Entscheidung zu treffen. Vielleicht finde die Stadtentwicklungsgesellschaft ja "morgen" einen Investor, der das Gebäude saniert und danach betreibt? Ertl wiederholt seine Idee, einen Architektenwettbewerb auszuschreiben. Die Bewerber könnten ihre Pläne mit oder ohne Kesselhaus schmieden. Dann wählt man eben das beste Vorhaben aus. Überhaupt möchte er die alte Bausubstanz erhalten. Und – das sind nicht seine Worte, so hat er es gemeint – eine Erinnerung an einen raumgreifenden Teil Bisinger Geschichte für immer auslöschen.Bürgermeister Roman Waizenegger über den Architektenwettbewerb: "Das macht nur Sinn, wenn wir wissen, was wir wollen."

Dann könnten Verwaltung und Gemeinderat sagen: "Plant mit oder ohne Kesselhaus." Sein Vorschlag: Das Thema Abriss oder Erhalt diskutieren, wenn die Ausschreibung zum Abbruch des Schornsteins beraten wird. Dieser kann nämlich gesprengt werden. Falls er explodierend einstürzen und nicht händisch abgetragen werden soll, müsste ein Teil des Kesselhauses ohnehin zurückgebaut werden. Waizenegger hat auch auf die Schwierigkeiten hingewiesen: Es gehe ja nicht nur um den Erhalt, sondern auch um die Nutzung. Eine Gastronomie mitten in der Wohnbebauung? Konrad Flegr (Alternative Liste) schließt sich Waizenegger an: "Ich bin überzeugt, dass an einem Abriss nichts vorbeiführt." Doch auch er würde lieber auf die Beratungen über die Ausschreibung zum Kamin-Abriss warten.

Fecker zieht Antrag nicht zurück

Waizenegger nutzt den Moment. Dreht sich fragend zu Fecker. Wird er den Antrag zurückziehen? Den Feuerwehrkommandanten lässt das kalt: "Man muss irgendwann entscheiden", stellt er klar, um gleich auf das "Fass ohne Boden" hinzuweisen, zu dem sich Maschinen- und Kesselhaus doch entwickeln könnten. Helmuth Alznauer (SPD) meldet sich, er hat das Schlusswort: "Ich will lieber das ganze Gelände platt haben."

Neun Ja-Stimmen

Dann gebe es ein zusammenhängendes Grundstück, das man "effektiver" beplanen könne.Die Gegner des Antrags verstummen. Nur noch mit ihrem Handzeichen bei der Abstimmung können sie ihre Kritik zum Ausdruck bringen. Bei zwei Nein-Stimmen, vier Enthaltungen und neun Ja-Stimmen wird der Antrag angenommen. Gisela Birr (SPD), Alexander Mayer (CDU) und Heinz Heyeckhaus (Alternative Liste) müssen Diskussion und Abstimmung von den Zuschauerrängen aus verfolgen. Sie gelten juristisch als Befangen, weil sie in direkter Nachbarschaft zum Maute-Areal wohnen oder ihren Betrieb haben. Freilich raunt Birr in der Sitzungspause: "Wenn Herr Fecker den Antrag nicht gestellt hätte, hätte ich es getan."

Alles zum Maute-Areal finden Sie auf unserer Themenseite.

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