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Bisingen Dichterfürst beschreibt die Waschweiber

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Ein idyllisches Plätzchen: Der Lenaubrunnen in Steinhofen ist schön gestaltet. Zwei Dichter – Goethe und Lenau – haben an dieser Stelle literarische Spuren hinterlassen. Foto: Wolf Foto: Schwarzwälder Bote

Goethe und sein Sekretär Geist waren vor fast 223 Jahren aufmerksame Beobachter. Auf der Reise durch das Schwabenland im Herbst 1797 von Dichter Goethe und seinem Sekretär Johann Ludwig Geist war die Hechinger Stiftskirche gerade erst aus dem Blickfeld verschwunden.

Bisingen-Steinhofen (wo). Schon kurz hinter Wessingen bemerkte der damals 48-jährige Goethe dann an: "Der Feldbau ist überhaupt der einer rauheren Gegend". In Wessingen sah der passionierte Gesteinssammler Goethe "auf der Chaussee sehr dichten, inwendig blauen Kalkstein, mit splittig muscheligem Bruche, fast wie Feuerstein".

Doch gleich hinter diesem Ort Wessingen – erneut eine erwähnenswerte Kirche, das damals erst zwei Jahre alte Gotteshaus in Steinhofen, die Mutterkirche des Kirchspiel. Kein Wunder also, dass das unbestechliche Auge des Dichters sich erneut an dem klassizistisch gehaltenen Bau in frischen Farben erfreute: "Sehr hübsche Kirche auf der Höhe".

Dann ging es aber auch schon stracks die heutige "Hechinger Straße" hinunter, wieder einmal an einer der nicht wenigen für Kutschen gefährlichen Stellen vorbei auf der damaligen "Schweizer Straße", die in großen Linien der jetzigen B 27 folgt.

Für Dichter Goethe und seinen Sekretär Geist gingen solche Abfahrten glatt. In Ruhe wurden sie Zeugen einer heute fremdartigem "Waschszene" der Waschfrauen und –männer von Steinhofen, im heutigen Dorfmittelpunkt wo heute der Lenaubrunnen steht. Goethe lies dann seinen Sekretär notieren: Hier in Steinhofen und in einigen Dörfern vorher war bei den Dorfbrunnen eine Art von Herd eingerichtet, auf dem das Wasser zum Waschen auf der Stelle heiß gemacht wird. Sein 23-jähriger Sekretär Geist beschrieb das Steinhofener Erlebnis näher: "Ein Herd gebaut, auf welchem viele Gefäße mit Wasser standen, um es hier siedend zu machen. Um denselben herum sah ich eine große Gesellschaft von Weibern und Mädchen, welche hier miteinander wuschen und sich wechselseitig mit Gesprächen nach ihrer Art unterhielten. Einige Mannspersonen hatten ihre Hemden nahe an einem Baum auf ein Beet gebreitet und arbeiteten sie mit nassen Bürsten recht wacker durch."

Die Szenerie, bei der die Männer die Wäsche auf einem Beet gebreitet kräftig durchbürsteten, erinnert an das Flachsbrechen. Der Schauplatz 1797 in Steinhofen (damals etwa 350 Einwohner groß) war am heutigen Lenaubrunnen auf dem Schulplatz, wo nun munter ein Brünnlein fließt. Zu Goethe und Geists Durchreise jedoch floss das Wasser zum Waschen an jener Stelle oft unregelmäßig, teils aus Grubenschächten (Zisterne) in denen sich das Regenwasser sammelte, und teils aus Tiefbrunnen mit Grund- und Quellwasser.

Auch der Dichter Lenau machte einen Zwischenstopp in Steinhofen im Jahre 1833

Abschließend bemerkten Goethe und sein Geist in ihrer Niederschrift: "Man sah noch viel Kartoffeln, Hanf, Wiesen und Triften" rund um einen wunderschönen Ort. Auch der Dichter Lenau machte einen Zwischenstopp im Jahre 1833 in Steinhofen. Dort soll er zu seinem Gedicht "Der Postillion" inspiriert worden sein, das mit Wehmut von seinem toten Kameraden handelt. Dieses Lenaumotiv zieht sich durch die jüngere Geschichte Steinhofens. 1922 zierte er als Steinrelief das Ehrenmal für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs, das bis 1956 vor der Steinhofener Kirche stand. Danach wurde es ersetzt durch das heutige Kriegerdenkmal für die Toten beider Weltkriege. Als selbstständiges Lenaudenkmal hängt das Relief heute am Fuß des Kirchhügels beim Malergeschäft Fecker. Dem leidenschaftlichen Dichter widmeten die Steinhofener ein weiteres Denkmal.

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