In Oberreichenbach wurde der Entwurf der kommunalen Wärmeplanung vorgestellt. Sie zeigt einen Weg, wie die Kommune bis 2040 Wärme ohne CO2-Ausstoß produzieren kann. Das sind die Ideen.
Baden-Württemberg hat beschlossen, dass die Wärmeversorgung bis 2040 klimaneutral sein soll. Deshalb müssen Kommunen eine kommunale Wärmeplanung aufstellen. Kommunen bis 100 000 Einwohner haben für die Erstellung dieses Konzepts bis 2028 Zeit.
Oberreichenbach hat sich schon jetzt mit dem Thema beschäftigt und das Büro FACT aus Böblingen und das Büro Form Follows You mit der Erarbeitung der Wärmeplanung beauftragt. Das kostete knapp 50 000 Euro, die Oberreichenbach fast komplett gefördert bekommt.
Die Ergebnisse wurden am Montagabend im Rathaus vorgestellt. Bei der Analyse hat FACT auf Daten des Netzbetreibers, der Schornsteinfeger oder die Gebäudealtersklassen zurückgegriffen.
Was bedeutet die Wärmeplanung für die Bürger? Der Plan soll Bürgern bei der Entscheidung helfen, auf welche Heizungsanlagen sie künftig setzen. Die Wärmeplanung untersucht, welche Anlagen in welchen Gebieten langfristig sinnvoll und wirtschaftlich sind.
Die Wärmeplanung sei eine „Orientierungshilfe“, erklärte Theresa Münzenberger von Form Follows You. Rechtliche Bindung habe sie nicht. Wegen der Wärmeplanung müsse also keine Heizung akut ausgetauscht werden. Anders sei dies, wenn der Gemeinderat für Teilgebiete bestimmte Regelungen treffe.
Und Münzenberger verwies auf das Gebäudeenergiegesetz. Demnach dürfen bestehende Heizungen zwar repariert werden, müssen dann aber einen bestimmten Anteil treibhausgasneutraler Energieträger verwenden. Ähnliche Vorgaben gebe es auch bei einem Heizungstausch.
Auf diese Energieträger setzt Oberreichenbach aktuell In der Gesamtgemeinde gibt es rund 1100 Gebäude. Etwa die Hälfte wurde zwischen 1979 und 1999 errichtet, nur acht Prozent danach. 16 Prozent sind sogar älter als 1919.
Fast 60 Prozent heizen mit Erdöl, 30 Prozent mit Biomasse wie Holz oder Pellets. Da es kein Gasnetz gibt, spielt dieser Energieträger kaum eine Rolle. In Würzbach gibt es ein kleines Nahwärmenetz mit Biogas. Aber von den insgesamt etwa 900 Heizungsanlagen in der Kommune sind fast 80 Prozent Verbrennerkessel. Elf Prozent beträgt der Anteil der Wärmepumpen.
Insgesamt 27,3 Gigawattstunden Energie brauchen alle Oberreichenbacher pro Jahr für die Wärmeerzeugung. Fast alles davon verbrauchen Wohngebäude. Durch den momentanen Wärmemix entstehen so rund 5230 Tonnen CO₂ pro Jahr.
Diese Potenziale gibt es Um diesen Ausstoß zu reduzieren, schlägt Matthias Leisin von FACT die Nutzung erneuerbarer Energieträger vor.
Allein durch die Nutzung von Waldrestholz ließen sich mehr als zehn Gigawattstunden erzeugen. Geothermische Erdsonden könnten weitere 28 Gigawattstunden pro Jahr bringen. Allerdings nicht in Oberkollbach, da es dort ein Wasserschutzgebiet gebe.
Dazu liefere die Abwärme des Rechenzentrums der Firma Comeback rund 2,8 Gigawattstunden Abwärme pro Jahr. Diese lasse sich über ein Wärmenetz nutzen.
Und es ließe sich Energie durch bessere Gebäudedämmungen sparen. Auf knapp 6,7 Gigawattstunden belaufe sich hier das Einsparpotenzial bis 2040, so Leisin. Hierbei geht er von einer Sanierungsrate von 1,5 Prozent pro Jahr aus. Damit reduziere sich der Wärmebedarf um 14 Prozent gegenüber dem heutigen Stand.
Das soll bis 2040 passieren Dieser reduzierte Bedarf soll dann 2040 zu 35 Prozent über Holz sowie zu knapp 60 Prozent über Wärmepumpen gedeckt werden. Letztere könnten entweder mit Außenluft oder mit Geothermie betrieben werden.
Der Strom dazu könne von einer eigenen PV-Anlage stammen, so Leisin. Welche Variante Sinn ergebe, müsse im Einzelfall geprüft werden. Allerdings biete sich bei alten Gebäuden an, auf Biomasse zu setzen. Bei Gebäuden mit hohem Wärmebedarf biete sich die Wärmepumpe mit Geothermie an.
In Würzbach könne das bestehende Wärmenetz aus-, für die dem Rechenzentrum nahen Gebäude eines aufgebaut werden. Hier müssten sich aber erst Nutzer und ein Betreiber finden. Insgesamt spielten dezentrale Lösungen deshalb die Hauptrolle.
Mit all den Maßnahmen käme man dem Ziel, keine Treibhausgase mehr auszustoßen, schon sehr nahe, so Leisin. Nur die Null werde nicht erreicht, weil die Biomasse-Nutzung eben CO₂ verursache.
Wie geht es weiter? Die Wärmeplanung wird Anfang 2026 öffentlich ausgelegt. Dann haben die Bürger vier Wochen Zeit, sich alle Unterlagen anzuschauen und können Stellungnahmen abgeben. Dann steht die Wärmeplanung im Gemeinderat zum Beschluss. Anschließend können die Bürger die Daten auch über ein Online-Portal einsehen.
Bürgermeister Johannes Schaible betonte, dass die Planung alle fünf Jahre überarbeitet werde, um auf aktuelle Entwicklungen zu reduzieren. Münzenberger betonte, dass Beratungsangebote wichtig seien, damit die Bürger künftig besser entscheiden könnten, auf welche Heizungsart sie setzen.