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Birkenfeld Zeugin widerspricht Protokollen

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Vor Verhandlungsbeginn: Der Hauptangeklagte Massimiliano V (Vierter von links) bespricht sich mit seinen Anwälten. Die drei anderen Angeklagten, Konstantinos I. (vorne links), Christian K. (vorne rechts) und Anil C (hinten rechts) schützen ihre Gesichter mit Aktenordnern. Fotos: Kunert Foto: Schwarzwälder Bote

Im Prozess um die Ermordung des Büchsenmachers Simon P. aus Birkenfeld geht es gleichzeitig auch um den versuchten schweren Raub und die Verabredung zur Ermordung einer Witwe aus Maulbronn, an der drei der vier Angeklagten beteiligt gewesen sein sollen.

Karlsruhe/Birkenfeld. Weshalb der achte Verhandlungstag im Schwurgerichtssaal des Landgerichts Karlsruhe ganz im Zeichen dieses mutmaßlichen Tat-Komplotts stand. Zuerst wurde Anita M., das mutmaßliche Opfer, die auch als Nebenklägerin in diesem Verfahren auftritt, als Zeugin vernommen. Was manche Überraschung für das fünfköpfige Richtergremium, Staatsanwältin und auch die Verteidigung barg.

Ungewöhnlich einfühlsam stellt an diesem Vormittag der Vorsitzende Richter seine Fragen. Was diese enthüllen, ist eine ungewöhnliche, aber zumindest für Anita M. über weite Strecken auch erfüllende Liebesbeziehung zu dem wesentlich jüngeren Angeklagten Konstantinos I. (26 Jahre). Kennengelernt habe man sich 2016 bei der gemeinsamen Arbeit; nach dem Tod ihres Mannes 2015, habe sie sich "in Arbeit gestürzt", um die Trauer zu verarbeiten. Neben dem Job als Krankenschwester arbeitete sie deshalb "in Zwölfstunden-Schichten" gemeinsam mit dem Angeklagten für eine Sicherheitsfirma.

Man kam ins Gespräch, tauschte sich aus – immer auch über sehr private, persönliche Themen. Kam sich näher. Aber eine Beziehung zu dem über 30 Jahre jüngeren Mann? Zuerst habe sie sich dagegen gewehrt, berichtet Anita M.; ein erstes Rendezvous sagte sie kurzfristig wieder ab. "Aber er blieb hartnäckig". Weshalb sie den jungen Griechen irgendwann dann doch zu sich nach Hause einlud – um nicht beim Spazierengehen durch Pforzheim mit dem so viel jüngeren Mann gesehen zu werden.

Anita ist offensichtlich eine lebenslustige Frau, trägt hier vor Gericht modische Jeans, ein passendes ärmelloses Top, Strass-Sandalen und hat eine knallgelbe Handtasche dabei. "Ich bin zwar blond, aber nicht blöde." Leichtfertig stürzt sie sich nicht in dieses Abenteuer. Als die Beziehung zu Konstantinos I. trotzdem langsam in Gang kommt, werden die privaten Kontakte regelmäßiger, er bekommt einen Schlüssel zu ihrem Eigenheim in Maulbronn, in der auch noch (im Keller) eine Tochter von Anita M. wohnt. Es werden gemeinsame Reisen unternommen – die Anita M. bezahlt; unter anderem – das wird später an diesem Tag die Tochter noch aussagen – auf die Seychellen. Auch einen "AMG"-Mercedes least Anita S., wohl um ihren jungen Liebhaber zu beeindrucken. Aber auch sie selbst "mag schnelle Autos".

Allerdings – der junge Grieche hat auch noch "eine Freundin" – die ihn aber, so Anita M., "genervt habe". Trotzdem leiht sie Konstantinos I. insgesamt 3000 Euro, damit er auch mit seiner (jungen) Freundin Urlaub machen kann. Später, nach einer ersten Trennung von dem jungen Griechen im Laufe des letzten Jahres, wird Anita M. per Inkasso-Unternehmen dieses Geld zurückfordern. Man einigt sich auf Ratenzahlung (die der Angeklagte bis heute erfüllt), kommt sich auch wieder näher. Und die Beziehung wird schließlich wieder aufgenommen.

Bis zu jenem "verhängnisvollen" Tag im Herbst vergangenen Jahres, wo "irgendetwas komisch war", so Anita M.. Ihr junger Freund sei nach einem gemeinsamen Essen in ihrem Haus sehr aufgeregt gewesen, konnte nicht schlafen. Sie dann auch nicht. Er wollte noch am Handy spielen, sie sah jedoch auf ihrem eigenen Smartphone, dass er bei Whatsapp online war – und stellt ihn zur Rede. Er leugnet. Was Anita M. zu ihrem Misstrauen treibt, bleibt hier vor Gericht unklar; vielleicht Eifersucht. Aber sie spioniert ihm nicht nur in dieser Nacht, auch am folgenden Tag hinterher. "Ich kannte ihn ja sehr gut, ich wusste, dass etwas nicht stimmte". Das sie mit diesem hartnäckigen Verhalten eventuell den geplanten Mord an ihr, der (laut Anklage) wie ein Selbstmord aussehen sollte, vereitelt hat, ahnt sie nicht.

Als Konstantinos I. dann wegen der Beteiligung an der Ermordung von Simon P. verhaftet wird, sei sie "aus allen Wolken gefallen". Warum er verhaftet worden war, dass sagte man ihr, als sie selbst im Tatzusammenhang verhört wurde, jedoch anfangs nicht.

War die ursprüngliche Befragung rechtswidrig?

Auch, dass die Polizei auf den Handys von drei der vier Angeklagten über die Verabredung zur Ermordung von Anita M. gestolpert war und sie (auch) deshalb befragten, teilten die Beamten ihr erst Stunden, nachdem die Befragung begonnen hatte, mit. - Womit die ursprüngliche Befragung der Zeugin durch die Soko Wagner "rechtswidrig" erfolgt sei, wie die Anwälte der Angeklagten anschließend nach der Anhörung von Anita M. hier vor Gericht in einer gemeinsamen Erklärung zu Protokoll geben. Und sie deshalb die Nichtberücksichtigung der ursprünglichen Vernehmungsprotokolle von Anita M. bei der Urteilsfindung verlangen.

Der Zeugin nicht von Anfang an zu sagen, worum es bei dieser ersten Befragung als Zeugin eigentlich ging, sei eine "grobe Täuschung" gewesen, weil sie so nicht habe beurteilen können, ob sie nicht vielleicht ein Zeugnisverweigerungsrecht gehabt hätte.

Keine Einflussnahme durch den Angeklagten

Tatsächlich hatte Anita M. hier vor Gericht auch mehrfach ihren vom Vorsitzenden Richter zitierten Vernehmungsprotokollen der Soko Wagner widersprochen: "Das habe ich so nicht gesagt!", lautete mehr als einmal der Kommentar der Witwe auf die Nachfragen des Richters – etwa zu dem Vorwurf, der Angeklagte Konstantinos I. habe sie zu einem Testament zu seinen Gunsten gedrängt; was ein Motiv für die vermutete Verabredung zum Mord hätte sein können. Tatsächlich habe es, so Anita M. ausdrücklich, solch eine Einflussnahme auf sie durch den Angeklagten nie gegeben.

Weshalb einer der beiden Anwälte des Hauptangeklagten Massimiliano V. eine "gewisse Irreführung" des Gerichts und der Anklagebehörden durch die polizeilichen Ermittler sieht: "So deutlich habe ich noch nie erlebt, dass die Polizei Zeugen Worte in den Mund legt", die diese nie gesagt hätten. "Ich bitte, sich daran zu erinnern" im weiteren Verlauf des Verfahrens, "welchen Wert und Qualität die Polizei-Protokolle haben."

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