Die Biotopverbundplanung für den Erhalt der Artenvielfalt war Thema im Bad Wildbader Gemeinderat. Foto: Bernd Mutschler

Der Erhalt der Artenvielfalt ist eine zentrale Herausforderung unserer Zeit. Mit einer landesweiten Planung sollen koordiniert Flächen geschaffen werden – auch in Bad Wildbad.

Beim Naturschutz sei es wichtig, „nicht jedes Fleckchen für sich“ zu betrachten, vielmehr gehe es darum, eine „zusammenhängende Naturlandschaft zu erhalten“, sagte der Bad Wildbader Bürgermeister Marco Gauger in der jüngsten Gemeinderatssitzung. Grund war die Vorstellung der kommunalen Biotopverbundplanung für Bad Wildbad.

 

„Der Erhalt der Artenvielfalt ist eine zentrale Herausforderung unserer Zeit“, heißt es in der Sitzungsvorlage zum Tagesordnungspunkt. Trotz vieler Ansätze und Bemühungen sei es bis heute nicht gelungen, eine Trendwende beim Artensterben herbeizuführen. In Baden-Württemberg seien etwa 50 000 hier lebende Tier- und Pflanzenarten mittlerweile 46 Prozent als gefährdet einzustufen, heißt es weiter.

Biotopverbund stufenweise auf- und ausbauen

Grund hierfür sei der Verlust von Lebensräumen und die Zerschneidung der Landschaft, was beispielsweise durch neue Baugebiete, Änderung der Landnutzung, klimatische Bedingungen oder dem Bau von Straßen bedingt sei. Deshalb fördere das Land den Ausbau eines landesweiten funktionalen Biotopverbunds. Ziel dabei sei es, bis 2030 den Biotopverbund stufenweise auf 15 Prozent des Offenlands auf- und auszubauen.

Damit dies gelingt, müsse landesweit ein Netz von Lebensräumen entstehen, die miteinander verbunden sind, um den Austausch von Tier- und Pflanzenarten untereinander sowie Wanderbewegungen zu ermöglichen. Nur so könnten sich gefährdete, weniger mobile Arten wieder in die Fläche ausbreiten und langfristig stabile Populationen bilden.

Auf kommunaler Ebene soll die „landesweite Verbundkulisse“ konkretisiert und ein Maßnahmenkonzept entwickelt werden. Das beauftragte Büro Planbar Güthler GmbH untersucht aktuell die Gemarkung Bad Wildbad. In ersten Abstimmungsterminen mit den Fachbehörden seien bereits erste Schwerpunkträume und Zielarten definiert worden.

Timo Wätjen vom beauftragten Büro gab in der jüngsten Gemeinderatssitzung einen Überblick über den aktuellen Sachstand. Im Sommer und Herbst habe es erste Geländebegehungen gegeben. Zudem sollen noch vorhandene Tierarten erfasst werden. Das soll bis Winter 2027 umgesetzt werden.

Sehr komplexes Thema

Bürgermeister Marco Gauger wies darauf hin, dass es ein sehr komplexes Thema sei. Erstaunt zeigte er sich darüber, dass Trockenmauern „durchaus positiv gesehen werden“, weil sie Lebensraum für zahlreiche Tiere sein können.

Mathias Fey (AfD) verstand nicht, warum man einerseits für die Windräder alles kaputtmache und dann andererseits wieder Maßnahmen für den Tierschutz mache. Wätjen bestätigte, dass es da eben einen Interessenskonflikt zwischen Natur- und Klimaschutz gebe.

Werner Kriech sprach den Wald an, der immer weiter ins Tal hinunter wachse. Hier sei es wichtig, sagte Wätjen, dass man versuchen müsse, den Wald an manchen Stellen zurückzudrängen.

„Absolut freiwillig“

Uwe Göbel (CDU-Fraktionsvorsitzender) fragte nach den Kosten für die Planung und die Arbeiten und wie man mit Privatflächen umgehe. Die Planung werde zu 90 Prozent und die Umsetzung der Maßnahmen zu 70 Prozent gefördert, lautet die Antwort. Maßnahmen des Landschaftserhaltungsverbands würden sogar komplett gefördert. Privatpersonen würden zu nichts gezwungen, das sei „absolut freiwillig“.

Rita Locher (Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler) fragte, ob man für die Aufwertung von Flächen Ökopunkte erhalten könnte? Dies sei möglich, sagte Gauger, man müsse die „Maßnahme richtig bewerten lassen, dass es ins Ökokonto einzahlt“.