Biosphären-Ranger Florian Schmidt, links, mit den Praktikanten Farina Fuchs, Jonas Kürbitz und Ali Nagui starten beim Einstieg in die Schönauer Kernzone die Tracker ihrer Smartphones. Foto: Gerald Nill

Das Biosphärengebiet bereitet aktuell neue Infotafeln vor, um Wanderern in Kernzonen zu sagen, was erlaubt ist und was nicht.

„Hier entsteht ein Urwald von morgen“ steht auf kleinen Infotafeln, zum Beispiel am Eingang der Biosphären-Kernzone am Letzberg in Schönenbuchen. Das zu kleine Schild weist auch auf die Gefahren durch Äste hin, die abbrechen könnten. Jetzt will das Biosphärengebiet auf die Besonderheiten der Schutzzonen durch große Infotafeln hinweisen.

 

Der Weg wird mit dem Smartphone erfasst

Ranger Florian Schmidt startet am Bockmattenweg mit drei Praktikanten, die alle vom Fach sind: Biogeowissenschaftlerin Farina Fuchs aus Koblenz, Umweltbiowissenschaftler Jonas Kürbitz und Wirtschaftsgeograph Ali Nagui aus Marokko. Sie starten ihre Smartphones, um den Weg digital zu erfassen und später auf ein Infoschild zu drucken. Ein Wanderweg in einer Kernzone, die eigentlich in Ruhe gelassen werden soll? Ist das kein Widerspruch? „Nein“, erklärt Ranger Schmidt. „Die UNESCO will die Schutzzonen schon begehbar machen als einen Ort der Bildung.“ Drei Prozent eines Biosphärengebietes müssen als Kernzone ausgewiesen werden, im Südschwarzwald sind es 3,3 Prozent. Es sei ein „verstaubter Naturschutzgedanke“, dass Menschen im Kerngebiet nichts verloren haben. Aber: „Wo anfangs vielleicht zwei oder drei Wege waren, lassen wir zwei zuwachsen.“ Besucher sollen natürlich auf dem Weg bleiben, um die Wildtiere nicht zu stören. Das Quartett des Biosphärengebiets startet die Smartphones und marschiert los, um Weglänge, Zeit und Höhenprofil zu erfassen.

Biosphären-Ranger Florian Schmidt, links, mit den Praktikanten Farina Fuchs, Ali Nagui und Jonas Kürbitz zeichnen den Wanderweg in der Schönauer Kernzone mit ihren Smartphones auf. Foto: Gerald Nill

Schon nach wenigen Metern wird klar, dass der Wald hier anders ist. Abgestorbene Bäume bleiben einfach stehen oder liegen und bieten vielen Tierarten neuen Lebensraum.

Florian Schmidt weist auf die vielen Löcher, die Spechte in die alten Baumstämme gehackt haben. Sie dienen anderen Vögeln als Nistplatz, in den umgefallen Exemplaren tummeln sich die Käfer und bieten ausreichend Futter. Käfer, die in einem Wirtschaftswald der Schrecken der Waldbesitzer sind, bleiben hier willkommen. „Wir haben eine sehr gute Zusammenarbeit mit den Förstern“, versichert Schmidt mehrfach. Es sind auch Auszubildende des Todtnauer Forstes, die die neuen Infotafeln in Zusammenarbeit mit dem Biosphärengebiet aufstellen.

Die Natur entwickelt sich im Bannwald von alleine

In der Kernzone dürfen Bäume umfallen, liegenbleiben, verrotten und so Lebensraum für Insekten und Vögel, Reptilien und Amphibien bieten. Foto: Gerald Nill

Die Erfahrung aus alten Bannwäldern zeigt: „Die Natur entwickelt sich von ganz alleine.“ Wo einstmals sterbende Fichten-Monokulturen waren, wachsen Mischwälder mit Buchen, Ahorn und Weißtanne. „Das habt ihr auf dem Belchen gesehen“, ruft Schmidt den Praktikanten in Erinnerung. Die Sorge, dass in dem natürlichen Wald die Vielfalt durch Verschattung eher zurück gehen könnte, zerstreut Umweltbiowissenschaftler Jonas Kürbitz: „Durch Stürme entstehen auch freie Flächen, in denen die Sonne bis auf den Waldboden scheint.“ Tatsächlich finden sich solche natürlichen Lichtungen auch in Schönenbuchen. Schmidt zeigt auf einen uralten bemoosten Steinwall. Ursprünglich ein Grenzwall, bietet er heute Unterschlupf für Blindschleichen und Zauneidechse, Feuersalamander und Bergeidechse.“in Menzenschwand ist die Kreuzotter in solchen alten Steinmauern zu Hause“, berichtet Schmidt. Das Biosphärengebiet kümmere sich aktiv um den Erhalt solcher Lebensräume. Ein beispielhaftes Reptilien-Biotop sei auch die Schwarzahalde bei Häusern.

Schon nach kurzer Zeit kommt die Gruppe zu einem herrlichen Aussichtspunkt oberhalb von Friedhof und Freibad. Weil die Kernzone so nah an der Besiedlung ist, müsse die Besonderheit des Gebietes ins Bewusstsein gerückt werden. Eichen gedeihen an diesem sonnenreichen, trockenen Platz. Eine alte, einfache Holzbank lädt zum Verweilen ein, mehr aber auch nicht.

Ranger Schmidt kennt die Auswüchse des Freizeitdranges, der mit dem Kernzonen-Gedanken kollidiert. In den Sozialen Medien hatte er von Campern auf dem Belchen gelesen. „Das geht gar nicht.“ Ehe solche Posts ungebetene Nachahmer finden, gelang es den Rangern, die Einträge löschen zu lassen. Auch bei Komoot oder Outdoor-Active hätten die Umweltschützer die Möglichkeit, zum Beispiel die unzulässige Veröffentlichung eines neuen Mountainbike-Trails in der Kernzone löschen zu lassen. Sauer reagieren sie auch, wenn Wanderfalken am Belchen, wie beobachtet, durch Drohnen vertrieben werden. Da müssen sich die Ranger für die Einhaltung gewisser Spielregeln einsetzen. „Wir wollen durch die neuen Infotafeln auch sichtbarer werden in der Region,“ sagt Schmidt.

Der Wassermangel ist ein großes Problem

Die vier Biosphären-Naturfreunde laufen über ein ausgetrockenes Bachbett. „Der Wassermangel ist ein großes Thema“, stellt der Ranger fest. Eine Studie im Auftrag des Allmende-Projektes hat ergeben, dass die Wassermenge bis zur Jahrhundertwende um weitere 20 Prozent zurückgehen wird. Der Mensch muss also nachhelfen, um Leben in ökologisch schwierigen Zonen zu ermöglichen. Erst kürzlich hat sich Regierungspräsident Carsten Gabbert vor Ort davon überzeugt, dass die Behörde in einem Naturschutzgebiet über ihren Schatten gesprungen ist, um am Belchen für ausreichend Weidewasser zu sorgen. Auch Reptilien und Amphibien sind fürs Überleben auf das kostbare Nass angewiesen.

Der kurze, lehrreiche Spaziergang auf dem Schönauer Bockmattenweg endet nach 1,9 Kilometern auf dem Philosophenweg und die Smartphone-Aufzeichnung wird gestoppt. Schmidt zeigt kurz, wo demnächst die neue Infotafel aufgestellt wird. Daneben hängt ein Schild mit einem weisen Spruch von Laotse: „Verantwortlich ist man nicht nur für das, was man tut, sondern auch für das, was man nicht tut.“ Wie passend.