Der Primat im Manne: Im Kinofilm „Better Man“ wird der Entertainer Robbie Williams zum Affen. Foto: epd/Tobis Film

Der britische Popstar Robbie Williams über den Kinofilm „Better Man – Die Robbie Williams Story“, in dem er von einem Affen dargestellt wird, seine Krisen und warum es nicht lohnenswert wäre, sein derzeitiges Leben zu verfilmen.

Der Kinofilm „Better Man – Die Robbie Williams Story“ des australischen Regisseurs Michael Gracey über die ersten dreißig Lebensjahre des Popsängers ist ein Biopic der besonderen Sorte. Der Williams-Darsteller ist ein computergenerierter Schimpanse, in dem der britische Schauspieler Jonno Davies steckt. Im Interview erzählt Robbie Williams, warum er glücklich ist, dass man ihn im Kino zum Affen gemacht hat.

 

Mister Williams, „Better Man“ zeigt Ihr Leben und Ihre Karriere auf eine oft geradezu schmerzhafte Weise. Wie ist es für Sie, diesen Film zu sehen?

Ich habe ihn ungefähr ein Dutzend Mal geguckt und bin immer noch nicht gelangweilt von „Better Man“. Der Film ist eine Wundertüte meines Lebens. Es gibt viel zu bestaunen, und ich staune mit. Ich empfinde eine immense Freude, diesen Film zu sehen.

War es hart, in die dunkelsten Momente Ihres Lebens zurückzukehren?

Das hat glücklicherweise der Schauspieler Jonno Davies für mich übernommen. Er macht einen fantastischen Job. Meine Rolle hat sich darauf beschränkt, den Soundtrack aufzunehmen und mich vorher sehr intensiv und lange mit Regisseur Michael Gracey über mein Leben auszutauschen. Wir haben bestimmt zwölf Stunden lang geredet. Ohne jeden Filter. Ich habe ihm alles erzählt und fand ein perverses Vergnügen dabei, auch wirklich unangenehme und unappetitliche Dinge zu offenbaren. Aber so war ich schon immer. Wenn ich früher auf einer Dinnerparty wegen meiner blöden Sprüche nicht wenigstens ein paar geschockte oder angewiderte Reaktionen ausgelöst habe, dann war das kein guter Abend für mich.

Keine Sorge: Wenn Williams im Sommer 2025 auf Tour geht, steht dieser Herr hier auf der Bühne. Foto: dpa/Henning Kaiser

Der Williams im Film kämpft ständig gegen Selbsthass. Konnten Sie das Gefühl inzwischen in Selbstliebe umwandeln?

Ganz so einfach mochte ich es mir nicht machen. Es nicht so, dass ich den Selbsthass losgeworden wäre. Ich lasse ihn nur nicht mehr so an mich ran.

Der Film zeigt Ihren Weg zum Ruhm auf nicht gerade glamouröse Weise. Waren Sie verblüfft, dass Berühmtsein nicht automatisch zur Glückseligkeit führt?

Das war ein Schock. Es ist ungefähr so, wie wenn du in den Supermarkt gehst und dir ein richtig großes Stück Cremetorte kaufst, mit extradicker Füllung. Und dich tierisch darauf freust. Dann beißt du rein und merkst: Igitt, da ist ja nur billigster, klebriger Abfall drin, der nach gar nichts schmeckt außer nach Zucker. Ich fand es geradezu ärgerlich, dass der Ruhm nicht so lustig war wie gedacht.

Selten ist eine Kokainsucht im Film so ungeschönt gezeigt worden als in „Better Man“.

Ich habe seit 24 Jahren keinen Drink mehr angerührt. Aber ja, Drogen sind ein Werk des Teufels. Ich bin froh, dass der Film eine realistische Vorstellung davon gibt, was Drogen verursachen.

Sie werden in „Better Man“ von einem Affen dargestellt. Klingt erst mal komisch. Aber wirkt nach wenigen Minuten wie selbstverständlich.

Ich bin unvorstellbar stolz auf das, was Regisseur Michael Gracey kreiert hat. Er musste eine Menge von Widerständen überwinden, insbesondere auf der Seite der Geldgeber. Aber ohne den Affen hätte es diesen Film nicht gegeben.

Wie kam es zu der Idee mit dem Primaten?

Ich bin exzentrisch, Michael auch. Die Idee mit dem Affen ist verrückt. Aber ich fand sie auf Anhieb großartig. Wir wollten etwas Besonderes machen. In den vergangenen Jahren sind sehr viele Biopics gedreht worden, viele davon sind ein bisschen langweilig. Und geschönt sind sie auch. Uns war klar, dass wir einen besonderen Kniff brauchen. Ich liebe es, Dinge zu tun, die krass sind.

Der Affe guckt uns den ganzen Film über mit den Augen von Robbie Williams an.

Es ist traurig, aber wahr: Wir Menschen haben mehr Empathie mit Tieren als mit anderen Menschen. Wenn wir ein Tier leiden sehen, fühlen wir mit ihm und können die Bilder nur schwer ertragen. Als Zuschauer gehst du zusammen mit diesem kleinen Schimpansen auf die Reise durch den Film. Jonno Davies, der hinter dem Affe steckt, ist nicht nur magisch, er hat auch einen besseren Hintern als ich ihn je hatte. Ganz im Ernst: Für mich und die Zukunft meiner Karriere ist der Film sehr wichtig. Ich bin ein professioneller Aufmerksamkeitssucher und ein Typ, der auch mit fünfzig noch superehrgeizig ist.

„Better Man“ endet im Jahr 2005. Warum wurde die glücklichere Zeit Ihres Lebens ausgespart?

Weil Konflikte und Traumata besser sind für die Zuschauerzahlen. Niemand will einen Film sehen, in dem nicht viel passiert, außer, dass ein ausgeglichenes Wesen Dinge tut, die ein ausgeglichenes Wesen eben so tut.

Dürfen eigentlich Ihre Kinder den Film schon sehen?

Nein. Meine Kinder sind für „Better Man“ noch nicht alt genug. Sie müssen noch ein bisschen warten. Die sind schon ziemlich smart für ihr Alter, aber noch nicht reif genug, ihren Daddy so zu sehen wie in diesem Film. Ich denke, vierzehn könnte ein passendes Alter sein.

Sie sind jetzt fünfzig. Werden Sie eigentlich gerne älter?

Ja, absolut. Älter zu werden heißt für mich, glücklicher zu werden. Ich liebe mein Leben heute wirklich auf eine massive, nie für möglich gehaltene Weise.

Robbie Williams Superstar

Der Mann
Mit gerade mal 15 Jahren wird Robbie Williams einer von Take That. Die Boyband-Euphorie ist in den 90er Jahren riesig. Nach seinem Ausstieg bei Take That wird Robbie Williams zum gefeierten Solokünstler, schreibt Lieder mit Guy Chambers. Seine Tonträger wurden mehr als 77 Millionen Mal verkauft. Viele Jahre hatte Williams mit Alkohol-, Drogen- und später auch mit Medikamentenabhängigkeit zu kämpfen. Er hat seinen Wohnsitz in Kalifornien und ist seit 2010 mit der Schauspielerin Ayda Field verheiratet. Das Paar hat vier Kinder.

Die Tour Robbie Williams kommt im Sommer 2025 auf Tour und gastiert in deutschen Städten: 25.6.2025 – Gelsenkirchen, Veltins-Arena, 30.6.2024 – Hannover, Heinz von Heiden Arena, 9.7.2025 – Leipzig, Red Bull Arena, 21.7.2025 – Berlin, Waldbühne, 22.7.2025 – Berlin, Waldbühne, 26.7.2025 – München, Olympiastadion, 10.8.2025 – Frankfurt, Deutsche Bank Park.