Ulrich Hanfstein, Julian Osswald und Peter Günther mit Plakat und Mustertüten. Foto: Frey

Seit zehn Jahren gibt es die Bioenergieanlage im Gewerbegebiet Sulzhau. Hier werden Dünger und Kompost zu Biogas verwertet.

Kreis Freudenstadt - "Jede Bananenschale zählt", sagen die beiden Geschäftsführer der Bionergie Freudenstadt, Ulrich Hanfstein und Peter Günther. Und fordern damit die Einwohner im Landkreis auf, noch mehr auf die Qualität des Bioabfalls zu achten.

Der wird in einem nachhaltigen Prozess in der Bioenergieanlage im Gewerbegebiet Sulzhau in Form von Biogas, Dünger und Kompost verwertet. Der aktuelle Aufsichtsratsvorsitzende, Freudenstadts Oberbürgermeister Julian Osswald ist stolz auf diese Anlage, die es nun seit zehn Jahren gibt.

Anlage hat sich zum Erfolgsmodell entwickelt

Im Pressegespräch blickt Julian Osswald auf die Erfolgsgeschichte der Bioenergie Freudenstadt zurück. Die beiden Kooperationspartner, die Abfallwirtschaft des Landkreises, und die Stadtwerke Freudenstadt, gründeten vor zehn Jahren gemeinsam die Bioenergie Freudenstadt. "Damals gab es noch nicht viele solcher Anlagen und wir hätten unseren Biomüll an den Bodensee zum Verbrennen transportieren müssen", erläutert Osswald. Das wäre weder regional noch nachhaltig gewesen, daher entstand die Idee der Bioenergie-Anlage.

"Es war ein Pilotprojekt und in der Testphase mussten auch wir Lehrgeld zahlen", so der Oberbürgermeister, der sich den Vorsitz im Aufsichtsrat mit dem Landrat im zweijährigen Turnus teilt. Die Kinderkrankheiten seien inzwischen beseitigt und die Anlage habe sich zum Erfolgsmodell entwickelt.

Ulrich Hanfstein, Leiter der Abfallwirtschaft des Landkreises, erklärt den Kreislauf der Bioabfallverwertung. Jährlich werden bis zu 18.000 Tonnen Bioabfälle und Grüngut angeliefert, knapp 12.000 Tonnen Biomüll kommt aus dem Kreis Freudenstadt, etwa 4000 Tonnen aus dem Kreis Pforzheim, ein kleinerer Teil wird aus Tübingen hierher transportiert, der Rest ist Grüngut. Die Kapazitätsgrenze der Anlage liegt bei 18.000 Tonnen, mehr darf und kann sie nicht verarbeiten.

Störstoffe werden aufwendig und teuer herausgefiltert

Daher sei schon bei der Anlieferung ganz entscheidend, dass möglichst Bioabfall von hoher Qualität eingebracht wird. Denn die Lastwagen werden bei Einfahrt gewogen, was dann später aussortiert werden muss, wird auf diese Kapazität angerechnet. Die Bioabfälle werden dann auf Störstoffe untersucht, das sind vor allem Plastik, Metall und Glas. Die werden in einem aufwendigen und teuren Prozess herausgefiltert und entfernt. "Jede Tonne, die wir entfernen müssen, kostet mehrere hundert Euro", sagt Hanfstein. Dieser Restmüll müsse dann in die Verbrennungsanlage nach Böblingen gefahren werden.

Peter Günther berichtet von Küchenmessern, Bremsscheiben und sogar von einem Kaffeevollautomaten, die schon im Biomüll entdeckt worden seien. Die Kunden hätten also die Möglichkeit, die Preise für die daraus entstehende Energie selbst zu beeinflussen, indem sie ihren Bioabfall so gut wie möglich sortieren. Ganz schlimm seien die als kompostierbar bezeichneten "Biokunststoffbeutel", die verrotten nur ganz langsam und seien in der Anlage nicht zu verwerten.

Was "guter Bioabfall" ist und was auf keinen Fall in die Biotonne gehört, darüber informiert die Bioenergie auf ihrer Website in einem Erklärfilm. Generell könne man sagen, dass Lebensmittelreste privater Haushalte "Qualitätsbioabfälle" seien, Grüngut, vor allem Rasenschnitt sollte besser beim Recyclingcenter abgegeben werden.

Flyer erklärt wie man Bioabfall richtig entsorgt

Nach der Trennung der Störstoffe werden die Abfälle im Kernstück der Anlage, dem Fermenter, vergärt. Dabei entsteht Biogas, das an die Stadtwerke Freudenstadt geliefert wird. Die erzeugen in ihrem Blockheizkraftwerk in der Nordstadt daraus Strom und Wärme, im letzten Jahr waren das fast 15 Millionen Kilowattstunden. Der Bioabfall wird dann nach 21 Tagen abgepresst, dabei entstehen Flüssigdünger und Kompost für die heimische Landwirtschaft. Der Kreislauf erfüllt also die Kriterien "natürlich, regional und nachhaltig". "Bioabfälle sind pure Energie, sie gehören deshalb unbedingt in die Biotonne, jede Bananenschale im Restmüll ist vergeudete Energie", verdeutlicht Ulrich Hanfstein.

Vor Kurzem seien auch an private Haushalte im Kreis Infopakete verschickt worden, darin waren eine Musterpapiertüte, ein Aufkleber als Hinweis für die Biotonne und ein Flyer, wie man Bioabfall richtig entsorgt. Die Papiertüten sollen demnächst im Lebensmittelhandel und in Drogeriemärkten erhältlich sein, derzeit gibt es wohl noch Lieferschwierigkeiten.

Info: Feier

Das Jubiläum – und die gute Zusammenarbeit – wird am Wochenende 24. und 25. September, jeweils von 11 bis 16 Uhr gefeiert. Es gibt Führungen über die Anlage, vielfältige Informationen rund um das Thema Abfall und Ressourcen, aber auch ein Gewinnspiel und eine Bewirtung durch die Erlacher Höhe.