In Durmersheim wurden die dortigen Wildblumenflächen in Augenschein genommen. Foto: Honorarfrei

Die Planung für „Natur nah dran“-Projektflächen startet nach einer Besichtigung und Schulung in Durmersheim. Ziel ist es, insektenfreundliche Grünflächen auch in Albstadt zu schaffen.

Rund 60 Vertreterinnen und Vertreter der für 2026 geförderten Kommunen nahmen kürzlich an einer Schulung im Rahmen des NABU-Projekts „Natur nah dran“ in Durmersheim teil. Mit dabei waren auch vier Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus Albstadt: Franziska Eppler und Roland Allgaier vom Betriebsamt, Sarah Brobeil und Johannes Luippold vom Stadtplanungsamt. Die Stadt Albstadt berichtet darüber in einer Pressemitteilung.

 

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer erhielten Informationen dazu, worauf es bei insektenfreundlichen Grünflächen ankommt, damit im Siedlungsraum Lebensräume für Wildbienen, Schmetterlinge und Vögel entstehen. Bei der Veranstaltung besuchten sie Wildstaudenflächen und Wildblumenwiesen, die die Gemeinde Durmersheim 2024 mit Unterstützung des Naturschutzbunds Deutschland (NABU) angelegt hat.​

Besuch von Fachleuten

Am 19. Mai begann die konkrete Planung für Albstadt mit einer Flächenbesichtigung. Vor Ort waren Naturgartenplanerin Melanie Klemp und Anette Marquardt, Mitarbeiterin des NABU und Mathias Stauß der örtlichen Naturschutzbundgruppe, um gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern der Stadt in Augenschein zu nehmen, wie sich ausgewählte Grünflächen naturnah umgestalten lassen.

Die Fachleute begutachteten dabei die jeweiligen Standorte und gaben Empfehlungen für geeignete Maßnahmen. Bei besonders nährstoffreichen Flächen mit starkem Unkrautdruck empfiehlt es sich zum Beispiel, den gesamten Boden auszutauschen. Im Anschluss werden regionaltypische Wildstauden gepflanzt oder Wildblumen eingesät. Diese brauchen besonders mageren Boden, um wachsen zu können.

Wildblumen können sich ausbreiten

An anderen Stellen reicht es hingegen aus, zunächst nur einen Teil einer Rasenfläche aufzufräsen und nach weiterer Bearbeitung mit neuem Saatgut zu bestücken. Von hier aus können sich Wildblumen in den Folgejahren weiter ausbreiten. Damit diese eine Chance zum Wachsen haben, mäht die Kommune hier nur noch selten. Die Naturgartenplanerin fand bei mancher Fläche schon einige Wildpflanzen, die heimischen Insekten Nektar und Pollen bieten. Hier werden weitere Arten zugepflanzt, um die Fläche noch artenreicher zu machen. Die Umstellung der Mahd bietet dafür die Voraussetzungen.

Die Besichtigung der Flächen bildet gemeinsam mit der Auftaktschulung die Grundlage für den nächsten Schritt: Für die ausgewählten Flächen wird eine Detailplanung angefertigt. Im Herbst beginnt die Umsetzung. „Das Entscheidende dabei ist: Geduld, Geduld, Geduld“, betonte NABU-Projektleiter Martin Klatt. Das bestätigten die Erfahrungen aus Kommunen wie Durmersheim, die ihre Flächen bereits länger insektenfreundlich pflegen. „Wir setzen verschiedene Maßnahmen ein. Auf manchen Flächen funktioniert es auf Anhieb gut, andere brauchen etwas länger“, so Klatt weiter.

Spart langfristig Arbeit

Warum sich das nicht nur für die Natur, sondern auch für die geförderten Kommunen lohnt, erläuterte Martin Klatt in der Schulung. „Für die Insekten zählt jeder Quadratmeter. In den Kommunen entstehen wertvolle Wildpflanzenflächen, die sich im Laufe der Zeit immer weiter entwickeln werden. Hat sich eine Wiese oder ein Wildstaudenbeet einmal etabliert, wird nur wenige Male im Jahr gemäht und eine Bewässerung ist – mit Ausnahme der ersten Jahre – auch in heißen Sommern in der Regel nicht notwendig. Das spart der Kommune Arbeit und Geld.“

Projekt fördert Biodiversität

Das Kooperationsprojekt
 „Natur nah dran“ von NABU und Land wird gefördert durch das Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg. Ziel ist es, Städte und Gemeinden mit Rat und Tat dabei zu unterstützen, Grünflächen im Sinne der Biodiversität umzugestalten. Von 2022 bis 2026 werden jährlich 15 Städte und Gemeinden gefördert. Das Projekt startete 2016 und ist in der zweiten Projektstaffel. Insgesamt wurden bereits 136 Kommunen gefördert, über 1000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer in Workshops geschult und 290.000 Quadratmeter naturnah umgestaltet.