Der Kanton Basel-Stadt ist eine Velohochburg. Spitzenreiter ist die Stadt aber auch bei den Fahrraddiebstählen, wie ein schweizweiter Vergleich zeigt.
„Ich habe mein Velo über Nacht vor unserem Haus abgestellt, am nächsten morgen war es weg“, erklärt ein Familienvater dem Autor dieser Zeilen. Dieser hat das hochpreisiges Zweirad an seiner Wohnadresse bemerkt, abgestellt an einer Hecke. Ein Anruf bei der Basler Polizei gab dann den entscheidenden Hinweis: Diebesgut! Schnell war der Kontakt zum Besitzer hergestellt, der noch am selben Tag das mittlerweile von der Polizei sichergestellte Zweirad wieder in Empfang nehmen konnte. Doch nur die wenigsten Velos finden wieder den Weg zu ihren Besitzern. Meist sind die Diebe mit den Rädern über alle Berge.
Basel ist eine Velostadt
Basel ist eine Velostadt – mehr als 20 Prozent aller Wege legen die Basler Bevölkerung laut einer kantonalen Erhebung zufolge mit ihrem Fahrrad zurück. Damit liegt die Stadt am Rheinknie im Schweizer Städtevergleich an der Spitze.
Spitzenreiter ist Basel aber auch bei Velodiebstählen. In beiden Basel sowie im Kanton Solothurn sei die Gefahr, Opfer eines Fahrraddiebstahls zu werden, besonders groß, wie die größte Schadensversicherung der Schweiz, Axa, dieser Tage mitteilte. Der Grund: Die Nähe zum Ausland. Viele der gestohlenen Velos finden den Weg über die Grenze nach Saint-Louis – einem Dreh- und Angelpunkt für Fahrraddiebe, wie in der Vergangenheit bereits die Zeitung „Dernières Nouvelles d’Alsace“ berichtete.
Doch es geht noch weiter über die nahe Grenze hinaus: Gerade erst dieser Tage ging dem Schweizer Zoll ein Lieferwagen ins Netz mit einer Ladung mutmaßlich gestohlener E-Bikes. Einige der Fahrräder waren noch verschlossen, bei anderen die Schlösser aufgebrochen, wie das Bundesamt für Zoll und Grenzsicherheit in einer Mitteilung schrieb. Das Auto sei mit gefälschten waadtländischen Kennzeichen unterwegs gewesen. Im Fahrerraum habe sich ein Störsender befunden. Laut Fahrzeugausweis sei der Lieferwagen in Polen zugelassen, teilten die Behörden mit.
Geringe Aufklärungsquote
Im Vergleich zum Vorjahr wurden im Stadtkanton vergangenes Jahr erneut mehr Elektrofahrräder mit Elektromotor – dazu zählen auch die „starken” E-Bikes mit gelbem Nummernschild – als gestohlen gemeldet, wie die Kantonspolizei Basel-Stadt auf Anfrage unserer Zeitung mitteilt.
Die Anzeigen wegen gestohlener Fahrräder seien dagegen gesunken. 3013 Anzeigen hat die Basler Polizei registriert, elf Prozent weniger als im Vorjahr. Die Aufklärungsquote lag bei 2,3 Prozent – ein Prozentpunkt weniger als im Jahr zuvor, wie aus der Statistik für das Jahr 2025 hervorgeht. Diebstähle von Motorfahrrädern mit Elektromot wurden vergangenes Jahr 2743 Mal zur Anzeige gebracht – ein Plus von sieben Prozent. Die Aufklärungsquote hat sich um zwei Punkte auf vier Prozent verschlechtert.
„Leider können viele Geschädigte bei Diebstahlsanzeigen von Fahrrädern oder E-Bikes ohne Kontrollschild die Rahmennummer nicht angeben“, erklärt Stefan Schmitt von Basler Justiz und Sicherheitsdepartement. Diese sei jedoch die einzige eindeutige Identifikationsmöglichkeit. „Daher können viele Fahrräder nicht mehr ihren Besitzern zugeordnet werden, was sich wiederum stark auf die Aufklärungsquote auswirkt.“
E-Bikes beliebt
Besonders beliebt bei den Dieben sind E-Bikes, das belegt auch die Auswertung von Axa. Demnach hat die Schadenssumme pro Fall einen neuen Rekordwert erreicht: Der Wert sei fast doppelt so hoch wie vor zehn Jahren, so der Versicherer. Dieser verzeichnete im Vorjahr ebenfalls eine Rekordsumme, und zwar 22 Millionen Franken für gestohlene Velos, demnach verursachten E-Bike-Diebstähle durchschnittlich Kosten von 3100 Franken pro Fall.
Jenseits der Grenze
Das Diebesgut landet häufig jenseits der Landesgrenze. „In Basel-Stadt als Grenzstadt ist es eine Tatsache, dass oft Diebesgut über die Grenzen nach Frankreich oder Deutschland gebracht wird. Zudem liegt der Verdacht nahe, dass auch Gruppen solche Taten begehen“, erklärt Schmitt. Konkrete Zahlen dazu können leider nicht erhoben werden, heißt es weiter.
Dementsprechend läuft die Strafverfolgung auch grenzüberschreitend: Im Rahmen der trinationalen Zusammenarbeit findet laut Schmitt ein direkter Austausch zwischen den Polizeibehörden von Frankreich, Deutschland und der Schweiz statt. „So finden regelmäßig bi- oder trinationale Aktionen oder Streifen statt.“ Im Gegensatz zu Motorfahrzeugen können Fahrräder und Motorfahrräder nicht international ausgeschrieben werden. „Wenn Polizeibehörden Zweiradfahrzeuge feststellen, bei denen der Verdacht nahe liegt, dass sie gestohlen sein könnten, erfolgt eine Abklärung über die Verbindungsbeamten im Nachbarland“, erklärt Schmitt.
Gemeinsame Velostreife
Trotz der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit von Behörden tauchen die Velos aber meist nicht mehr auf. Die Behörden beidseits der Grenze wollen ihre Zusammenarbeit verstärken und eine binationale Velo-Polizei etablieren, wie es vergangenen Spätsommer hieß. Die Polizei plant gemischte Streifen mit dem Departement Haut-Rhin, um gezielt nach gestohlenen Zweirädern zu suchen und gegen den organisierten Velodiebstahl vorzugehen. Mit im Boot ist auch die Kantonspolizei Basel-Stadt, wie es damals hieß.
Indes: „Die bi- oder trinationalen Velopatrouillen haben noch nicht begonnen, weshalb diesbezüglich auch noch kein Fazit gezogen werden kann“, räumt das Justiz- und Sicherheitsdepartement ein.