Freuen sich auf die Zukunftsmesse (von links): Detlev Rohmer (Pressewart Gewerbeverein), Pascal Schiefer (Vorsitzender Gewerbeverein), Simon Vollmer (Geschäftsführer Gewerbeverein) und Steffen Stötzel (Rektor Realschule). Foto: Müller

Trotz des Premierenerfolgs im Vorjahr haben sich die Veranstalter überlegt, die Veranstaltung bewusst eine Stunde später zu starten. Wieder sind 48 Aussteller dabei.

Die erste Zukunftsmesse vor einem Jahr war ein Erfolg. „Wir haben daraufhin zwei Ausbildungsverträge mit jungen Menschen abgeschlossen, die Leipold zuvor noch nicht kannten“, berichtet Geschäftsführer Pascal Schiefer. Daran wollen die örtlichen Schulen, der Gewerbeverein, die Stadtverwaltung und Eltern bei der Neuauflage am Donnerstag, 12. März, anknüpfen. Wie im Vorjahr, präsentieren sich wieder 48 Aussteller in der Sporthalle der Realschule und informieren über Bildungswege und berufliche Chancen im Kinzigtal.

 

Vertreten sind Unternehmen aus Gewerbe, Dienstleistungen und Sozialem zwischen Offenburg und Hornberg sowie mehrere Schulen. „Wir hätten die doppelte Fläche vergeben können“, sagt Schiefer, Vorsitzender von Gewerbeverein und Förderverein der Beruflichen Schulen.

Änderungen aufgrund des Vorjahrs vorgenommen

Um Chancengleichheit zwischen großen und kleinen Betrieben zu schaffen, sind alle Stände gleich groß – die Standorte werden verlost. Trotz der 1290 Besucher im vergangenen Jahr nehmen die Veranstalter einige Änderungen vor. Die Messe öffnet nun von 10 bis 17 Uhr statt wie zuvor von 9 bis 16 Uhr. „Die erste Stunde war schwach besucht“, erklärt Schiefer. Zugleich richtet sich die Messe neben angehenden Auszubildenden verstärkt an alle Altersgruppen. „Wir möchten stärker auch über Umschulung und Weiterbildung informieren“, sagt Simon Vollmer, Geschäftsführer des Gewerbevereins. Der Grund: Der technologische Wandel verändert viele Berufsbilder. Schiefer nennt das Beispiel seines Unternehmens, das früher im klassischen Maschinenbau tätig war und heute vor allem Applikationsbau betreibt. Dafür seien neue Kompetenzen nötig – was bei Mitarbeitern mitunter Verunsicherung auslöse. Die Messe soll daher auch über Weiterbildungsangebote aufklären. Zudem sei das obere Kinzigtal stark auspendellastig. Man wolle Betroffenen berufliche Perspektiven vor Ort zeigen.

Hinzu kommt ein genereller Wandel in der Arbeitswelt. „Arbeit hatte 2019 für 52 Prozent der Deutschen Vorrang, inzwischen sind es nur noch 29 Prozent“, sagt Schiefer. Auch die gewünschte Wochenarbeitszeit sei gesunken: 2023 lag sie im Durchschnitt bei nur noch 31 Stunden. Dieser Trend stelle Unternehmen und Berufstätige gleichermaßen vor neue Herausforderungen – ein weiterer Grund, Weiterbildung und berufliche Orientierung in den Mittelpunkt der Messe zu rücken. Der Kontakt zwischen Schülern und Unternehmen bleibt dennoch ein zentraler Baustein.

„Trotz demografischem Wandel und Fachkräftemangel ist die Jugendarbeitslosigkeit auf Rekordniveau“, so Schiefer. Auch die Arbeitslosenquote von Menschen ohne abgeschlossene Berufsausbildung sei im Südwesten auf 14,7 Prozent gestiegen, zitiert er einen Medienbericht. Als weiteres Problem nennt er den hohen Mindestlohn: „Eine Ausbildung wird damit weniger attraktiv und es besteht die Gefahr, dass Menschen dauerhaft im Helferbereich bleiben.“ Die Messe solle deshalb Interesse an Ausbildungsberufen wecken und die Vielfalt der Möglichkeiten zeigen.

„Wir haben zwar ein gutes Berufsfindungssystem, aber man muss sich fragen, ob sich eine Gesellschaft leisten kann, dass Schüler ohne Orientierung eine weiterführende Schule besuchen“, betont Realschulrektor Steffen Stötzel. Vollmer ergänzt: „Wir wollen vermitteln, dass auch eine Ausbildung Wert hat – nicht nur ein Studium.“

Situation im Handwerk

Im Handwerk fehlen laut dem Zentralverband des Deutschen Handwerks etwa 200.000 Fachkräfte. Ende Dezember waren bei der Bundesagentur für Arbeit 119 565 offene Stellen im Handwerk gemeldet. Gerade weil viele Mitarbeiter momentan und demnächst in Rente gehen, fehlt es an Nachwuchs.