Was vor Jahren als reiner Stall für Kühe geplant war, hat sich in verschiedene Richtungen entwickelt. Das zeigt ein Besuch auf dem Weidenhof in Hart.
Der Bau des imposanten Stalls am oberen Ende des Schuppengebietes in Hart war für den Harter Metzgermeister Benjamin Beuter sowohl aus planerischer als auch aus finanzieller Sicht eine echte Herausforderung. Das vom Ortschaftsrat abgesegnete Bauprojekt fiel in die Corona-Phase, was eine rasche Umsetzung natürlich nicht gerade förderte.
Im September 2021 konnte schließlich der Grundstein für den Stallbau gelegt und die Tiefbauarbeiten ausgeführt werden. Von Mai bis August 2022 erfolgte die Erstellung der Bodenplatte und tragenden Wände. Im September 2022 starteten die Stahlbauarbeiten. Im März 2023 bekam das Stallgebäude sein Dach.
Die Hülle stand – aber das war leider erst der kleinste Teil der Investitionen. Seit 2024 betreibt Benjamin Beuter seinen landwirtschaftlichen Betrieb gemeinsam mit seiner Lebenspartnerin Vera Ackel. Die gebürtige Tübingerin ist selbständige Finanzberaterin und hat ihr Leben lang bereits mit Pferden zu tun.
Kühe und Pferde ziehen ein
Um mehr als nur den Bau eines Offenstalls zu bewerkstelligen, musste ein neuer Plan her. Schlaflose Nächte und viele Gespräche waren der Start eines ganzheitlichen Konzepts. Eine Nutzungsänderung für Kuh- und Pferdehaltung wurde beantragt und genehmigt. Der Innenausbau für den Viehstall und die Pferdeboxen konnte somit starten. Die Erschließung für Strom, Wasser und Abwasser mit etwa 100.000 Euro war eine große Investition für den Betrieb.
Mitte 2024 konnten Kühe und Pferde endlich einziehen. Geplant waren hier 50 Rinder und sieben Pferde. Auf Grund der hohen Nachfrage sind es mittlerweile elf Pferde geworden. Mehr sind laut Vera Ackel nicht geplant – schließlich haben sie und ihr Lebensgefährte ja noch ihre Hauptjobs und betreiben den Hof im Nebenerwerb – das aber mit viel Leidenschaft.
Wildgehege gehört auch dazu
Tierwohl steht bei Benjamin Beuter und Vera Ackel im Vordergrund, deshalb betreiben sie den Weidenhof als Mutterkuhhaltung mit 50 Tieren. Das heißt in der Praxis, dass die Kälber rund neun Monate bei ihren Müttern auf der Weide aufwachsen und deren Milch trinken dürfen. Die Kühe werden also nicht gemolken.
Diese Form der Kuhhaltung eignet sich besonders für Grünlandregionen und fördert hohe Fleischqualitäten. Ebenfalls fürs Tierwohl hat Benjamin Beuter den Sachkundenachweis für den Weideschuss am Rind absolviert. Das senkt den Stress, den die Tiere häufig erleben, wenn man sie fürs Schlachten töten muss.
Von der Familie Epple aus Stetten hat er zudem deren Wildgehege mit Damm- und Rotwild übernommen. Auch hier selbstverständlich mit der Zulassung, die Hirsche im Gehege schießen zu dürfen – ohne Stress für das Tier für beste Fleischqualität, die dann in der familiengeführten Metzgerei Beuter in Hart und Hirrlingen angeboten wird. Jüngstes Projekt war in diesem Frühjahr der Bau eines 800 Quadratmeter großen Bewegungsauslaufes vor dem Stall.
Eventuell, darüber denkt das Paar im Moment ernsthaft nach, soll später auf der Nordseite des Stalles eine „Betriebsleiterwohnung“ integriert werden. „Es ist einfach besser, wenn man näher an den Tieren dran ist“, begründet Benjamin Beuter diesen Gedanken. Er spricht aus Erfahrung: Eines Nachts Ende Dezember haben sich die Kühe nämlich in Richtung Harter Friedhof aufgemacht. Passiert ist glücklicherweise nichts, alle wurden wohlbehalten in den Stall zurückgebracht.
„Bildungsstätte“ für Kinder
Kühe, Pferde, Hirsche, Grünland- und Ackerbewirtschaftung, Metzgerei und Finanzberatung – eigentlich hat man damit schon genug zu tun. Aber warum soll man das alles nicht auch für pädagogische Zwecke einsetzen? Und so kamen Benjamin Beuter und Vera Ackel durch enorm viele Anfragen auf die Idee, dass man den Hof mit seinen Tieren auch als eine Art „Bildungsstätte“ für Familien und Kinder nutzen könnte.
Vier bis fünf Mal soll es künftig rund um Schulferienzeiten auf dem Weidenhof ein Programm geben, das nicht nur viel Vergnügen bereitet, sondern auch auf spielerische Weise den Kindern den Umgang mit Tieren und den Wert der Natur nahebringt.
Der erste Versuch an Ostern war ein großer Erfolg. Über Instagram wurde die Freizeit auf dem Weidenhof beworben, das Interesse war riesig. „Wir hatten innerhalb von 24 Stunden eine Warteliste zusammen“, berichtet Vera Ackel. Am Ende konnten 14 Kinder angenommen werden. Das ruft nach einer Fortsetzung: Schon zu den Pfingstferien Ende Mai soll es ein weiteres Vormittagsprogramm auf dem Hof geben. Dieses wird immer auf Instagram unter unser_weidenhof veröffentlicht.