Bei der Rheinschule in Friedlingen haben Direktorin Christin Sigwart und ihre Stellvertreterin Melanie Pelka auch viel zu planen und zu besprechen. Die Freude an der Arbeit mit den Grundschülern trübt dies aber nicht, Foto: Maja Tolsdorf

Die Rheinschule in Weil-Friedlingen passt in keine Schublade. Der Alltag an der Grundschule ist speziell, was eigene Ideen und Konzepte erfordert.

Die Rheinschule ist immer in Bewegung und scheint nie zur Ruhe zu kommen. Im Hausflur ist es an diesem Donnerstagmorgen aber still, nachdem alle Schüler in ihren Klassenzimmern sitzen und sich die Türen geschlossen haben. Plakate und Schülerkunst sowie -gemälde an den Wänden mahnen zur Ruhe. In bunten Bildern gibt es Tipps für Schüler, wie sie mit Wut umgehen können. „Die Wut einfach wegpusten“, ist einer, der im Gedächtnis bleibt, schmunzeln lässt und auch Erwachsenen dienen kann.

 

„Wir geben alles für die Kinder, ziehen alle mit und an einem Strang“, sagen Rektorin Christin Sigwart und die stellvertretende Schulleiterin Melanie Pelka im Gespräch mit unserer Zeitung. Dass dies nicht nur eine hohle Phrase ist wird deutlich, als sie von ihrem Berufsalltag berichten, der durchaus Leidenschaft erfordert.

Die Anforderungen an der Rheinschule sind speziell : 331 Kinder vieler Nationalitäten werden dort unterrichtet und sprechen 42 unterschiedliche Sprachen. Zudem gibt es dort keine Schüler ohne Migrationshintergrund, die gemeinsame und verbindende Sprache ist Deutsch.

120 Personen kümmern sich darum, dass die Kinder nicht nur lernen, sondern sich aufgehoben fühlen und entfalten können. Sie schlichten bei Konflikten, trösten und achten auf einen respektvollen Umgang miteinander – gemäß der dortigen Wohlfühlregeln, an die Erwachsene und Kinder gebunden sind.

Dazu gehören Lehrer, Schulsozialarbeiter, Pädagogische Assistentinnen, das Mittagsbetreuungs- und Mensateam, die FSJler, Schulbegleiter und außerschulische AG-Anbieter. Die Rheinschule sei zudem die einzige in Weil am Rhein, die „Verbindlichkeit in vier mal acht“ anbietet, also eine Ganztagsbetreuung im Zeitmodell vier Tage à acht Zeitstunden, also von 8 bis 16 Uhr.

Mehr als ein starres Schema

Für Lehrer und Schüler ist es mehr als ein starres Schema. Der Zusatz „gebunden“ bedeutet, dass ganztags unterrichtet wird. Die Lehrkräfte haben damit 28 Stunden pro Woche die Kinder um sich. „Es hat etwas Schönes, weil man eine Bindung zu den Kindern aufbauen kann“, erklärt Pelka. Dass dies aber auch „sehr sehr anstrengend“ ist, räumt Sigwart ein.

Jedoch könne die Friedlinger Grundschule davon nicht weg: „Eltern und Kinder brauchen das so.“ Den Kindern eröffne es Bildungschancen, denn viele lebten unter schwierigen Umständen, zum Beispiel mit fünf Personen in einer Zweizimmer-Wohnung: „Wie soll man da in Ruhe lernen?“, fragt Pelka.

Die Schülerzahlen an der Rheinschule steigen stetig weiter, denn auch der Weiler Ortsteil Friedlingen wächst. „Die Oberbürgermeisterin hat beim Neujahrsempfang der Diakonie von 1400 Wohnungen gesprochen“, sagt Sigwart im Gespräch mit unserer Zeitung.

Die Rheinschule in Weil-Friedlingen passt in kein Modell, was eigene Ideen und Konzepte erfordert. Foto: Maja Tolsdorf

Derzeit wird an der Hauptstraße und an der Blauenstraße neuer Wohnraum geschaffen. Ein neues Baugebiet wird es beim Zoll geben. Derzeit herrscht Raumnot, denn die Grundschule ist auf drei Klassenzüge ausgelegt.

Schon im Jahr 2024 mussten zum zweiten Mal hintereinander vier Eingangsklassen gebildet werden. Der Schulraum der Rheinschule soll unter Nutzung des Start-Chancen-Programms erweitert werden, wie Oberbürgermeisterin Diana Stöcker beim Neujahrsempfang der Stadt bekannt gegeben hatte.

Nicht alles passt auf Anhieb

Doch auch dieses Programm sowie Sprachförderkonzepte des Landes halten die Rheinschule zusätzlich auf Trab: „Das sind tolle Ideen und Konzepte, wir sind froh, dass wir sie haben“, erklärt Sigwart. Doch zu den Besonderheiten der Friedlinger Grundschule passten sie nicht auf Anhieb. Als Beispiel nennt sie die Juniorklassen, ehemals Grundschulförderklassen, ab dem Schuljahr 2026/27, die Teil des Konzepts „Sprachfit“ sind.

Kinder fit für die Schule machen

Ziel ist es, Kinder fit für den Einstieg in die Grundschule zu machen. Die Juniorklassen sind laut dem Konzept Baden-Württembergs ein verpflichtendes, zusätzliches Förderjahr vor der ersten Klasse für Kinder mit intensivem Sprachförderbedarf. Sie zielen darauf ab, die Sprachkompetenz sowie motorische und kognitive Fähigkeiten zu stärken. Darüber hinaus sollen damit auch Kinder im sozial-emotionalen oder motorischen Bereich gefördert werden, die bei der Schulanmeldung noch nicht schulreif sind.

Dem Konzept zufolge sind die Klassen klein (zwölf bis 20 Kinder) und werden von spezialisierten Sprachfit-Lehrkräften betreut. Für die Rheinschule kommt Rektorin Sigwart aber bereits auf 36 Schüler, für eine Juniorklasse.

Viele Besprechungen „on top“

Beim Thema „durchgängige Sprachbildung“ (Sprachfit) kommt sie auf etwa 150 Erst- und Zweitklässler, die Anspruch darauf haben. „Wie organisiert man das?“ fragt sie und wäre froh, irgendwo auf der Welt eine vergleichbare Schule als Blaupause zu finden, um sich daran orientieren zu können. Stattdessen geht es in vielen Besprechungen mit dem Lehrerkollegium „on top“ darum, eigene Konzepte zu erarbeiten, von denen die Schüler maximal profitieren sollen. Auch beim Startchancen-Programm werde sorgfältig abgewägt, in welchem Bereich das Geld den größten nutzen bringt. Es dreht sich eben alles um das Wohl der Kinder.