Auf den ersten Blick mag es anmuten wie eine Regularie: Die Änderung der Grundschulbezirke in Villingen-Schwenningen sollte durch den neuen Grundschulstandort Hallerhöhe nötig werden. Doch rasch zeigte sich: Eine schnöde Regularie ist das für die Doppelstadt nicht.
Ob die Doppelstadt mit der Neusortierung in der Schullandschaft auch wieder Grundschulbezirke je eigenständigem Grundschulstandort in den Stadtbezirken Villingen und Schwenningen einführen wird, war die Gretchenfrage am Mittwochabend im Verwaltungs- und Kulturausschuss.
Zum Schuljahr 2025/26 soll der Grundschulstandort Hallerhöhe als eigenständige Schule eingeführt werden, und damit bietet sich die Möglichkeit, Grundsätzliches zu regeln: Würden kleinräumige Grundschulbezirke wieder eingeführt anstatt, wie die aktuelle Regelung aussieht, in den beiden großen Stadtbezirken jeweils einen großen Grundschulbezirk zu belassen, wären Eltern bei der Wahl des Grundschulstandortes gebunden.
„Das wäre ein Rückschritt“
Vielen Stadträten behagte genau das nicht. Katharina Hirt von der CDU beispielsweise stellte unmissverständlich klar: „Für mich ist das ein Rückschritt in unserer Schullandschaft!“ Es falle ihr schwer, der Sitzungsvorlage, die genau das, die Bildung der Bezirke, vorsieht, zuzustimmen, denn damit werde das Elternrecht eingeschränkt, das man zuletzt systematisch gestärkt habe. Auch Oskar Hahn von den Grünen sah diesen Weg kritisch: „Man verbietet den Eltern, das Kind auf irgendeine Schule zu schicken.“
134 Schüler ohne Schulplatz
Doch glaubt man Stephanie Schick von der geschäftsführenden Schulleitung der Stadt, die selbst die Golden-Bühl-Schule in Villingen leitet, dann führt genau diese Wahlfreiheit bei allem Für und Wider für beide Wege zu einem echten Dilemma: „Wir haben an der Golden-Bühl-Schule einen Migrationsanteil von 76 Prozent“, gab sie zu bedenken – „ohne Probleme“ hätte man hier eine andere Zusammensetzung, wenn es feste Grundschulbezirke gäbe, ist sie sich sicher. Beinahe flehentlich legte sie den Stadträten ans Herz, die Entscheidung nicht auf die lange Bank zu schieben, der Handlungsdruck sei enorm, „wir brauchen die Hallerhöhe dringend“, denn aktuell seien „134 Schüler in Schwenningen ohne Schulplatz“.
Die Schulleiter in VS seien mehrheitlich froh, „es gäbe wieder Schulbezirke“, „die wünschen es sich von Herzen“, zeigte sich Schick überzeugt – und: die Rechtslage ist in ihren Augen klar und eine Alternative zu den kleinräumigen Grundschulbezirken gibt es in ihren Augen ohnehin nicht.
So stimmen die Stadträte ab
Die Einschätzung, dass man um die kleinen Bezirke nicht herumkommen werde, teilt auch die Verwaltung nach Rücksprache mit dem Regierungspräsidium (RP) Freiburg als Dienstaufsichtsbehörde – Oberbürgermeister Jürgen Roth skizzierte, was passieren könne, wenn der Gemeinderat die kleinen Grundschulbezirke jetzt ablehne: Dann werde das RP tätig, „und das, in dem es die Schulbezirke malt, wie man es dort für richtig hält“.
All das dürfte sich auch auf das Abstimmungsverhalten der Ausschussmitglieder ausgewirkt haben: Sieben Stadträte empfohlen dem Gemeinderat bei seiner nächsten Sitzung, den kleinräumigen Grundschulbezirken zuzustimmen, fünf lehnten das ab, drei enthielten sich ihrer Stimme. In einem jedoch waren sich alle 15 Stadträte einig: Sie alle sagten Ja zum eigenständigen Schulstandort Hallerhöhe mit Ganztagsbetreuung und legen dieses Ja auch dem Gemeinderat als Beschlussfassung ans Herz.